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Geistige Behinderung : Die beste Putzfrau im Sonnensystem

Caterina liebt Pie, der keine andere küssen darf, und sie liebt ihre Arbeit. Das ist ihre Geschichte, und die eines roten Staubsaugers aus der Besenkammer.

Erwin Koch
"Jetzt öffne ich die Besenkammer, unseren Putzraum, da drin steht der rote Staubsauger, der ein langes graues Kabel hat, ein längeres graueres Kabel habe ich noch nie gesehen."
"Jetzt öffne ich die Besenkammer, unseren Putzraum, da drin steht der rote Staubsauger, der ein langes graues Kabel hat, ein...Foto: picture alliance / dpa

Kaum sitzen wir im Zug, da fragt mich der – wie heißt er schon wieder?, der Erich oder Emil oder so – da fragt mich der, ob ich gern putze.

Ob ich, wenn ich putze, gern putze.

Fragt der mich.

Da ziehe ich den Reißverschluss meiner schwarzen Jacke und zeige dem Werni – oder so – drei Worte auf meinem weißen T-Shirt, putzundglanz steht dort geschrieben, putz und glanz ganz dunkelblau, und ein bisschen weniger blau, schon fast hellblau oder grau.

Ob ich gern putze.

Ja, sage ich dem und muss lachen.

Sonst wäre ich ja nicht so angeschrieben, sage ich dem, putzundglanz, hier über dem Herzen und da hinten auf dem Rücken.

Aber die Jacke ziehe ich nun nicht aus, wir sind im Zug nach Dübendorf, es ist Samstag, wir – also der und ich – wir sitzen in der S9, Abfahrt in Uster um elf Minuten nach acht, das weiß ich genau und auswendig.

Was dieser Erwin alles wissen will.

Wie alt ich bin.

Vierundvierzig.

Wo ich lebe.

In Uster.

Lebst du allein?

Mit meiner Mutter.

Und dein Vater?, fragt er.

Ist in Italien, pensioniert, dort lebt er wie ein König, sage ich und reibe meinen Daumen am Zeigefinger, mache das Zeichen für Geld.

Mit der Rente, die er hat, lebt er dort wie ein König, sage ich.

Ich heiße Caterina und bin jetzt schon fünf Jahre und drei Monate bei der Firma. Besser ging es mir noch nie, ehrlich.

Es ging mir noch nie so gut wie jetzt.

Aber Ehrenwort.

Seit ich bei der Sozialfirma bin.

Genau genommen heißt die Firma DieSozialfirma AG.

Von Anfang an, also seit fünf Jahren und drei Monaten, ging es mir besser.

Okay, ganz am Anfang, wenn ich am Bahnhof Uster stand, die blaue Arbeitshose an, da schämte ich mich.

Ein bisschen.

So geht eine Frau, die ihr langes Haar dunkelrot färbt, nicht auf die Straße.

Eine Frau in blauer Arbeitshose.

Wie sieht das denn aus.

Aber heute schäme ich mich nicht mehr, heute bin ich stolz darauf.

Und jetzt – noch fünf Minuten bis Dübendorf, wo wir umsteigen – jetzt ziehe ich die Jacke halt doch schnell aus, zeige ihm meinen Rücken, wo putzundglanz draufsteht, groß und breit.

Heute ist Samstag, ich bin, wie jeden Samstag, außer wenn ich Ferien habe, unterwegs nach Brüttisellen, unterwegs zur Arbeit.

Arbeit ist wichtig.

Sonst hockst du nur zu Hause, hockst vor dem Computer, bis die Augen rot und trocken sind.

Ohne Arbeit dreht man durch – auf jeden Fall ich.

Ich sage mal: Ohne Arbeit bist du nur ein halber Mensch, ist doch so.

Eine halbe Portion.

Das stimmt zwar nicht ganz, aber ohne Arbeit kommt man sich so vor: wie eine halbe Portion.

Dass ich den Weg nach Brüttisellen irgendwann allein schaffe, mit zweimal Umsteigen, das hätte ich früher nicht gedacht.

Zuerst mit dem Zug bis Dübendorf.

Dann zwanzig Minuten im ersten Bus.

Dann fünf Minuten im zweiten Bus.

Wir haben es geübt, der Marcel und ich, zweimal, dreimal haben wir das geübt, hin und zurück, in alle Richtungen.

Jetzt kann ich es auswendig, kein Problem.

Der Marcel ist der Chef der Sozialfirma, er hat ein Büro in Riedikon, Turicaphonstraße.

Manchmal, wenn es mich packt, rufe ich ihn an, er hat so eine tiefe Stimme, so ein lustiges Lachen, und sage ihm: He, Marcel, du bist der beste Chef der Welt.

Was sagt er dann?

Und du die beste Putzfrau im Sonnensystem.

Keine Ahnung, was das ist, ein Sonnensystem – aber ich muss ja nicht alles wissen.

Jetzt sind wir bereits in Dübendorf, hier steigen wir um, komm.

Zu spät zur Arbeit kam ich noch nie, ehrlich.

Gibt es nicht bei Caterina.

Neun Uhr ist neun Uhr.

Ich hasse das, wenn meine Kollegen zu spät kommen.

Wir sind ja immer zu zweit, ich putze nie allein, heute mit Sanije. Die ist lustig und kommt aus Winterthur und hat zwei Kinder, ein Mädchen und einen Bub, das Mädchen, damals, kam drei Monate zur früh zur Welt, ein Würmchen, leichter als ein Kilo Brot, so kurz wie ein Lineal, das Leben ist nicht immer einfach, ehrlich, das Leben ist manchmal sackbrutal, aber die Sanije, auch wenn sie manchmal eine Minute zu spät kommt, ist total lieb und lustig. Wenn die mich sieht, beginnt sie zu lachen und sagt: He, Caterina, wie geht es heute, gut geschlafen, genug gegessen?

Ich und Sanije sind ein Team.

Sanije sagt mir, was ich zu tun habe, sie ist meine Kollegin und ein bisschen meine Chefin, sie schreibt den Rapport und so.

Ich sage mal: Gut, dass sie nicht nur Kollegin ist, sondern auch Chefin.

Ganz ehrlich, Chef möchte ich irgendwie nicht sein.

Ich sitze also mit diesem Typ – Emil, Erwin, Erich oder so – im Bus, es ist Samstag, da fragt der mich, was am Putzen das Schwierigste ist.

Das Schwierigste am Putzen – ehrlich gesagt: So habe ich mir dieses Interview nicht vorgestellt, das erste in meinem Leben.

Alles, sage ich. Und nichts, sage ich.

Dann sage ich: Das Schwierigste am Putzen ist, dass nachher sauber sein muss, was vorher dreckig war, logisch.

Was, Caterina, putzt du am liebsten?, fragt der Werni.

Tische, Stühle, Schränke.

Womit kann man dir einen Gefallen tun?

Mit einem Ferrari, sage ich.

Seit fünf Jahren und drei Monaten bin ich jetzt bei der Sozialfirma, ich begann mit 50 Prozent, heute mache ich 60 und verdiene im Monat 2600 Franken.

Das ist gutes braves Geld.

Damit bezahle ich, was ich bezahlen muss, Rechnungen und so, der Rest bleibt im Sparbuch – für später.

Jetzt fragt der Typ, was später ist.

Keine Ahnung, sage ich, später ist später, logisch.

Hast du eine Rente?

Nix, sage ich, niente, und darauf bin ich stolz, sage ich dem Werni, der neben mir im Bus sitzt, seit zehn Minuten bereits und ständig in sein blaues Buch schreibt, was ich ihm erzähle, eine Schrift hat der, dafür hätte ich einst, als ich noch zur Schule ging, eine Zwei bekommen.

Nach der Schule, wenn ich mich richtig erinnere, kam ich nach Zürch in die Anlernwerkstätte, es ist lange her, unendlich lange, damals war ich noch faul, na ja, ich würde sagen, damals hockte ich noch am liebsten herum und schaute den Leuten zu, plapperte mit irgendwem über irgendwas.

Mein Papa war Kranführer, sein Leben lang, meine Mama arbeitete in der Flaschenfabrik, meine Schwester ist im Supermarkt seit 21 Jahren, manchmal jammert sie, sie möchte endlich etwas anderes tun, dann sage ich ihr: Putzen oder was?, viel besser du bleibst, wo du jetzt bist, ein Schokoladenjob ist das Putzen nicht, ich weiß, Sorella, von was ich rede.

Sage ich der aus nacktem Gesicht.

Und sie begreift es sofort.

Wir sind im Bus, ich schaue auf die Uhr, der Werni sieht es und fragt, woher ich diese Uhr habe.

Gefällt sie dir?, frage ich.

Eine große Uhr, so breit wie dein Arm, sagt er.

Die kriegst du nicht, sage ich.

Die will ich nicht, sagt er.

150 Franken hat sie gekostet, selbst gekauft, aber später, um ehrlich zu sein, hat mein Freund mir das Geld, das ich für die Uhr ausgab, geschenkt, so ist er halt, mein Schatz.

Einen lieben Freund hast du, sagt er.

Den besten und schönsten, wo es gibt, Pietro, aber alle, wenn sie von ihm reden, sagen nur den halben Namen, Pie statt Pietro.

Was kann keiner so gut wie dein Pie?, will der Emil wissen.

Wenn er lacht, sage ich, strahlt sein ganzes Gesicht.

Und dann, sage ich, strahlt auch meins.

Aber jetzt müssen wir raus. Hinüber in den anderen Bus, hopp.

Scheiße, vor lauter Plappern verpassen wir noch den Bus.

Und kaum sitzen wir im zweiten Bus – ich muss, wenn ich im Bus sitze, immer vorwärts blicken, also in die Richtung, wohin der Bus fährt, sonst wird mir schlecht – kaum sitzen wir im zweiten Bus, holt Emil wieder sein blaues Buch aus der Tasche, seinen Kugelschreiber und fragt, was mich traurig macht.

Wenn jemand traurig ist, das macht mich traurig.

Wann hast du, fragt er, zum letzten Mal geweint?

Jetzt muss ich passen und schiebe meine Schultern hoch, ich weiß nicht, wann ich zum letzten Mal geheult habe.

Vielleicht im Kino?, fragt er.

Im Kino, sage ich, gucke ich nur lustiges Zeug.

Zum Beispiel?

Weiß ich nicht, sage ich.

Dann sage ich: Eigentlich bin ich, wenn ich traurig bin, nur intern traurig, aber extern lacht es mit mir.

Das ist nicht gut, sagt Erich.

Ich weiß, sage ich und schaue auf die Uhr.

Dort drüben sind die Büros, die wir heute putzen, jeden Samstag von neun bis eins und jeden Dienstagabend von halb acht bis halb zehn.

Übrigens, die Sozialfirma hat nicht nur Leute, die putzen und glänzen, sondern auch solche, wo Rasen mähen, Sträucher schneiden, schaufeln und schuften, baumundgrün, und der Marcel ist der Chef von allen, manchmal, wenn ich glücklich bin und nicht weiß, wohin vor lauter Judihui, rufe ich ihn an und sage: He, Marcel, seit ich dich kenne, bin ich ein anderer Mensch.

Dann sagt er was?

Merci gleichfalls.

Nun stehen wir im Hof der Büros, ich schaue auf die Uhr, es ist eine Minute vor neun, und, klar, Sanije ist noch nicht hier.

Neun Uhr ist neun Uhr, finde ich.

Und eine Minute nach neun Uhr ist nicht mehr neun Uhr.

Noch nie kam ich zu spät.

Es gibt, finde ich, keinen Grund, zu spät zu kommen.

Das kann mich wahnsinnig machen, wenn jemand zu spät kommt, verdammt nochmal.

Dann kann ich schreien, wenn es sein muss.

Aber da kommt sie ja, meine Kollegin, die auch meine Chefin ist, irgendwie. Und der Erich füllt sein Buch, schreibt auf, was ich rede, fast jedes Wort, noch nie in meinem Leben habe ich ein Interview gegeben.

Wovor hast du Angst?

Vor Hunden.

Hast du schon mal gelogen?

Ja.

Wann zum letzten Mal?

Keine Ahnung.

An welche Lüge erinnerst du dich?

An keine, sage ich, ich erinnere mich nur daran, dass Pie es sofort merkte, als ich log.

Und dann?

Dann schrie er: Wenn du mich noch einmal anlügst, ein einziges Mal, Caterina, dann kriegst du im Fall ein Problem, aber ein riesiges im Fall.

Und hast du eines gekriegt?

Bis jetzt nicht.

Was macht dich wütend?

Wenn Pie eine andere küsst.

Tut er das?

Nein.

Ein Interview ist doof und lustig, aber lustiger als doof, finde ich.

Jetzt öffne ich die Besenkammer, unseren Putzraum, da drin steht der rote Staubsauger, der ein langes graues Kabel hat, ein längeres graueres Kabel habe ich noch nie gesehen, da drin steht unser Putzwagen, der drei Stöcke hat, auf dem untersten liegen Gummihandschuhe und Papiertücher, auf dem mittleren schwarze Abfallsäcke, 35 Liter und 110 Liter, auf dem obersten stehen vier Kübel aus Plastik, jeder in einer anderen Farbe, rot, gelb, grün, blau.

Das ist nun ein bisschen kompliziert – willst du noch mehr wissen?

Gern, sagt der Typ.

Also, in jedem Kübel schwimmt ein bisschen Wasser.

Okay, sagt der Erwin.

Mit ein bisschen Putzmittel drin: Universalreiniger im roten Kübel, Sanitärreiniger im grünen Kübel.

Und in jedem Kübel hat es mindestens einen Lumpen, einen roten im roten Kübel, einen gelben im gelben, einen grünen im grünen, einen blauen im blauen, logisch.

Aber jetzt kommt’s, sage ich.

Mit den roten Lumpen putzen wir die WC, mit den gelben die Waschbecken und so, mit den grünen die Küche, mit den blauen die Tische, Schränke, Computer und so.

Nie darfst du einen roten Lumpen in den grünen Kübel legen zum Beispiel.

Auch umgekehrt nicht.

Das ist total kompliziert und nicht mein Ding, deshalb leere ich am liebsten die vielen Abfallkörbe, die hier stehen, mindestens 40 oder 50, ich leere sie und stopfe frische leere schwarze Säcke hinein, 35 Liter. Oder ich staubsauge den dunkelgrauen Teppich, ich würde sagen: Staubsaugen kann nicht jeder, Staubsaugen ist eine Kunst.

Worin, fragt der Werni, worin besteht denn diese Kunst?

Sich konzentrieren, sage ich und warte, bis Werni das Wort geschrieben hat.

Sich konzentrieren und nie vergessen, wo man bereits staubgesaugt hat, sonst staubsaugst du dort ein zweites Mal, vielleicht sogar ein drittes, und wirst mit der Arbeit nie fertig. Darf ich dir etwas erzählen?

Klar, sagt er.

Letzte Woche war ich mit einem Kollegen unterwegs, ich merkte sofort, wie schlecht konzentriert der war, wie er manche Stellen zweimal staubsaugte. Ich sagte zu ihm: Darf ich dir etwas sagen, ohne dass du böse wirst? Kommt drauf an, sagte er. Ich denke, wir sind ein Team, putzundglanz, ich denke, wenn wir also ein Team sind, darf ich es dir sagen. Sorry, sagte ich ihm, sorry, hast du gemerkt, dass du hier schon einmal staubgesaugt hast? Er schaute mich groß an und sagte: Gut, dass wir darüber reden, danke, Caterina.

Jetzt ist es zehn nach neun am Samstagmorgen, ich lade mir den roten Staubsauger auf den Rücken, stecke das lange graue Kabel in einen Stecker und beginne zu staubsaugen, unter den Tischen, zwischen den Stühlen, schnell und gründlich, aber gründlicher als schnell, damit es keine Reklamationen gibt.

Der Marcel, also unser oberster Chef, der sagt: Unsere Firma ist nur so gut wie ihre Frauen und Männer sind, unsere Firma ist die beste, weil ihr die Besten seid, du und du und du und du.

Manchmal denke ich, eigentlich putze ich für ihn, den Marcel.

Weil der immer so anständig zu mir ist.

Und hilft, wenn ich Hilfe brauche.

Einmal, am Anfang, also vor vielleicht fünf Jahren, habe ich zu viel gespart und eine Rechnung nicht bezahlt. Weil, was ich spare, das bleibt gespart für später, basta. Da setzte sich der Marcel zu mir und machte mir klar, dass ich zwar sparen darf und soll, aber immer nur so viel, dass ich mit dem Rest bezahlen kann, was ich bezahlen muss, Rechnungen und so, das Leben ist ja nicht gratis, überhaupt nicht, schon gar nicht in Uster, wo ich lebe seit meiner Geburt.

Und wenn er lacht, der Marcel, dann lacht die ganze Welt, finde ich.

Ich bin in der Firma, seit es sie gibt.

Ich glaube, mein Pie ist manchmal ein bisschen eifersüchtig. Auf die Firma und auf den Marcel.

Wenn Pie dann wieder einmal eifersüchtig ist, küsse ich ihn auf den Mund und sage: Du bist der Einzige und der Beste, für dich gehe ich durchs Feuer im Fall.

Und dann?

Streichelt er mein Haar.

In diesen Büros, hier in Brüttisellen, wo wir jeden Samstagvormittag und jeden Dienstagabend putzen, hier sind dauernd welche am Telefonieren, immer und ständig, im Fall auch am Wochenende und die ganze Nacht.

Was das Putzen nicht einfacher macht.

Ist jemand am Telefonieren, muss ich den Staubsauger abstellen.

Weil man sonst nichts versteht – so laut ist dieser rote Staubsauger.

Telefoniert jemand lange, muss ich irgendwo anders staubsaugen, oder ich beginne leise, die Tische zu putzen, die Schränke und Kommoden, die Computer, alles.

Mit dem blauen Lappen, auf keinen Fall mit dem roten.

Aua.

Das wär die Katastrophe. Und weißt du warum?

Weil –

Weil man mit dem roten die WC putzt.

Ist dir das schon einmal passiert?, lacht der Erich.

Spinnst du, sage ich.

Jetzt fragt er: Was machst du, wenn du nicht putzt?

Auf diese Frage habe ich gewartet, diese Frage beantworte ich gern.

Ich gehe spazieren, sage ich, ich gehe schwimmen, ich skype mit meiner Schwester, rede mit Mama, rufe Pie an, fahre mit ihm aus, Pie hat einen Fiat, das neue Modell, grau, vor allem aber mache ich Fotos, vom Zug, vom Bus, manchmal fahren wir zum Flughafen und fotografieren die Flieger, die Leute, alles, alles, die Kamera habe ich selber gekauft, 100 Franken hat sie gekostet, was nun ein bisschen übertrieben ist, es waren nur 99, ab und zu, finde ich, muss man sich einfach etwas gönnen, sonst ist das Leben zu sackbrutal, frag nur, Emil, falls du noch Fragen hast.

Caterina, wenn nun eine Fee in dieses Büro träte, eine Zauberin, die dir jeden Wunsch erfüllte, was würdest du dir wünschen?

Gute Frage, sage ich und überlege nicht lange.

Zuerst einen Ferrari.

Du möchtest tatsächlich einen Ferrari?

Nur zum Streicheln.

Was noch?

Viel Geld.

Und?

Noch mehr Liebe.

Noch mehr Liebe?

Der Pie soll mich so heftig lieben und ständig vermissen wie ich ihn.

Noch etwas?, fragt Emil.

Ich schüttle den Kopf und schweige.

Dann sage ich: Aber wenn ich ehrlich bin im Fall, dann möchte ich zuallererst, dass alles so bleibt, wie es ist.

Der Autor, vielfach als Reporter und Schriftsteller ausgezeichnet, lebt in der Schweiz. Er lernte Caterina über eine Sozialfirma kennen, die Menschen mit Behinderung beschäftigt.

Weitere Porträts von Erwin Koch: Der Chef des "Guide Michelin" und der Mäuseforscher Peter Vogel.

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