Hollywoodstar Sharon Stone : „Richard Gere am Flügel – die Tasten voller Blut“

Als Kind galt Sharon Stone als Mauerblümchen und Intelligenzbestie. Warum ihr der „Playboy“ half, die USA narzisstisch sind und sie 100 werden will.

Marco Schmidt
Sharon Stone. Foto: dpa
Sharon Stone.Foto: dpa

Mrs. Stone, in dem Drama „Lovelace“, das kürzlich bei uns auf DVD erschienen ist, spielen Sie die Mutter einer berühmten Pornodarstellerin, in der Komödie „Fading Gigolo“, die demnächst in den US-Kinos anläuft, verkörpern Sie die Kundin eines Callboys. Es scheint, als kämen Sie vom Thema Sex nicht los.

Warum sollte ich auch? Ist das nicht ein Thema, das uns alle interessiert? Es wäre doch lächerlich zu leugnen, dass unsere Gedanken immer wieder um Sex kreisen. Aus gutem Grund übrigens: Ohne Sex hätte die Menschheit keine Zukunft. Insofern hat Gott es geschickt eingerichtet, dass wir von Nacktheit so fasziniert sind. Soweit ich weiß, war er nicht im Bekleidungsgewerbe unterwegs.

Stimmt es, dass Sie sich für „Basic Instinct 2“ sogar mehr Nacktheit gewünscht hätten?

Ja. Ich finde nackte Haut wunderschön und kann nichts Verwerfliches darin sehen, den menschlichen Körper so zu zeigen, wie Gott ihn geschaffen hat. Scham ist etwas Unnatürliches – eine Erfindung des Menschen, um andere Menschen zu manipulieren. Schamlosigkeit bringt uns näher zu Gott. Problematisch wird es nur, wenn man Nacktheit in vulgärer, menschenverachtender Form präsentiert.

Klingt so, als hätten Sie kein Faible für Pornos.

Richtig. Ich habe noch nie einen Porno geguckt. Damit kann ich absolut nichts anfangen. Ich habe aber auch nichts dagegen: Wenn sich jemand tatsächlich so etwas ansehen will – wen kümmert’s? Nur Kinderpornografie finde ich abscheulich und völlig indiskutabel.

Gibt es Dinge, die Sie selbst vor der Kamera nie tun würden?

Ich lehne es prinzipiell ab, eine Mutter zu spielen, die den Freund ihrer Tochter verführen will. Das halte ich für ein jämmerliches Klischee.

Als männermordende Verführerin schrieben Sie Filmgeschichte. In „Lovelace“ spielen Sie nicht zum ersten Mal eine Mutter. Fiel Ihnen das schwer?

Nun, ich habe ja selbst drei Söhne, die mittlerweile 7, 8 und 13 Jahre alt sind. Insoweit ist mir die Mutterrolle längst vertraut. Aber lassen Sie mich eines klarstellen: Ich werde immer sexy sein – darauf können Sie Gift nehmen!

Hatten Sie in Ihren Anfangszeiten Probleme damit, im Filmbusiness nicht ernst genommen zu werden?

Mein Vater sagte immer: „Du bekommst nur dann Respekt, wenn du ihn einforderst.“ Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man als Frau von Männern auch nur respektiert wird, wenn man sich selbst respektiert. Lustigerweise hielt mich vor „Basic Instinct“ niemand für sexy.

Glauben Sie etwa, schlau und schön sein schlösse sich aus?

Das fing schon in meiner Kindheit an: Ich war ein Mauerblümchen, eine Brillenschlange, ein Bücherwurm. Ich galt als hochbegabt, wurde schon mit fünf Jahren eingeschult und sollte gleich eine Klasse überspringen. Es war fast wie bei „Das Wunderkind Tate“: Ich war eine totale Außenseiterin – so anders als alle anderen Kinder, dass ich meine Mutter schier zur Verzweiflung brachte. Mit 15 ging ich nachmittags schon zur Uni, obwohl ich noch auf der Highschool war. Kurz gesagt: Ich war eine Intelligenzbestie – das Gegenteil einer Schönheitskönigin. Zu Beginn meiner Schauspiellaufbahn bekam ich ständig zu hören, ich sei für erotische Hauptrollen nicht sexy genug. Diese Rollen musste ich mir hart erkämpfen.

Wie haben Sie das geschafft?

Eine Freundin von mir, die als Bildredakteurin für Hugh Hefner arbeitete, schlug mir eine Fotostrecke im „Playboy“ vor. Zunächst lehnte ich ab, doch dann dachte ich: „Vielleicht wäre das ja ein kluger Schachzug. Denn wenn ich den Männern dadurch quasi suggeriere, dass ich sexy bin, glauben sie das bestimmt auch!“ Ich wünschte mir Schwarz-Weiß-Aufnahmen im Stil der Fotos, die Man Ray von seiner Geliebten gemacht hatte. Gesagt, getan – ungefähr fünf Minuten nach Erscheinen des Heftes bot man mir „Basic Instinct“ an!

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