Meine Frau, ihr Garten und ich : Aus Versehen die Sintflut

Der Sommer ist für den Gärtner als Urlaubszeit ja total ungünstig.

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Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Erstens ist botanisch gerade eine Menge los, zweitens fürchtet meine Frau, dass in unserer Abwesenheit eine Trockenperiode ausbrechen könnte, die ihren Garten in eine Wüste verwandelt.

Tatsächlich ist dieser Fall noch nie eingetreten. Der Berliner Juli war in den letzten Jahren stets feucht genug, auch ohne ihr Zutun. Trotzdem bestand sie auf einer automatisierten Beregnungsanlage, die ihre kostbaren Pflanzen bewässert. Nun, ich erinnere mich an ein Jahr, da verwandelte das System unseren Garten in einen Mangrovensumpf, weil es nämlich erstens ausreichend geregnet hatte, zweitens der Sprenger immer noch reichlich Wasser obendrauf schüttete, zur Gaudi unserer Nachbarn selbst bei strömendem Regen.

Eigentlich hatte meine Frau eigens einen Bodenfeuchtefühler angeschafft, der so etwas verhindern sollte. Leider fuhr Schwiegervater mit dem Rasenmäher über das dazugehörige Kabel, weshalb das Ding gar nichts mehr fühlte.

Im Jahr darauf hatte sie den Fühler repariert, er versagte trotzdem. Das Bild war dasselbe, der Sprenger sprengte auch im Regen. Weil es wohl ein bisschen wärmer gewesen war, sah der Garten darauf aus wie die grüne Hölle. Und der Nachbar hatte auch noch was abbekommen. Ich war nämlich kurz vor Abreise über einen der sorgsam ausgerichteten Sprenger gestolpert und muss ihn dabei verschoben haben.

In diesem Jahr wehrte ich mich. Weil nämlich unsere Wasserrechnung massiv gestiegen war, bestand ich auf einem neuen Feuchtefühler. Es gibt da zwei Systeme: Das eine misst die Niederschlagsmenge und schaltet danach den Sprenger an oder ab. Das System erwies sich bei uns als nicht praktikabel, weil man den Fühler so aufstellen muss, dass zwar von oben Regen reinfallen kann, der Sprenger ihn aber nicht erreicht. Sonst würde er das Ding ja füllen und die Anlage „Regen“ melden. Dafür gibt es bei uns keinen geeigneten Platz. Meine Frau legt Wert darauf, dass die von ihr aufgestellten Sprenger jeden Winkel erreichen.

Das zweite System misst die Bodenfeuchte in einer gewissen Tiefe. Es muss also schon richtig regnen, damit es abschaltet. Soll heißen, bei leichtem Regen läuft der Sprenger trotzdem, was mich misstrauisch stimmt.

Die nächsten Tage verbrachte meine Frau damit, verschiedene Sprenger strategisch so im Garten zu verteilen, dass einerseits kein Blatt trocken bleibt, andererseits auch kein Tropfen die Grundstücksgrenze überquert. Es war schon lustig anzusehen, wie sie in Regenjacke und mit Schirm durch den Garten hastete, um den Weg des Wassers persönlich zu überprüfen. Inzwischen steht die Anlage, wenn man einmal von einem Strahl absieht, der durch die Hecke auf Nachbars Gehweg zielt. Und wir könnten nun eigentlich wegfahren. Aber sie findet es im Moment zu Hause schöner. Andreas Austilat

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