Meine Frau, ihr Garten ... und ich : Das Lied von Zeit und Feuer

Jetzt auch mit Video: die Gartenkolumne!

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Baff, das war so extrem süßes Fertigpopcorn aus der Tüte. Wenn ich mir jetzt eine Handvoll Baff in den Mund stecken würde und die Augen schlösse, dann könnte es sehr gut sein, dass ich mich wieder fühlen würde wie damals am Kiosktresen im Stadtbad Zehlendorf. Oder wenn ich „Angie“ von den Stones höre, da werde ich sofort traurig. Das Lied ist auf immer mit meinem allerersten Liebeskummer verbunden, da war ich 15. Kurz: Geschmäcker können wie Töne Erinnerungen beschwören.

Gerüche auch. Liegt Rauch in der Luft und verbindet sich dieses Aroma mit von Feuchtigkeit gesättigter Luft, dann brauche ich nur die Augen zu schließen und sehe mich durch unser Gartentor spazieren. Nicht das von heute, sondern das meines Elternhauses, das es so gar nicht mehr gibt. Und ich weiß, es ist Herbst. Wobei ich mich damals nie gefragt habe, woher dieser Geruch eigentlich kam. Wohl vom Nachbarn, der wieder sein Laub verbrannte. Vielleicht auch aus den vielen Öfen, die es damals noch gab. Bei uns im Bad zum Beispiel, da musste man Feuer unterm Boiler machen, wenn man Warmwasser haben wollte.

Heute steigt der Rauch wahrscheinlich aus den vielen Kaminöfen auf, die inzwischen Mode sind. Im Garten habe ich jedenfalls schon lange kein Feuer mehr gesehen, und das aus gutem Grund. War mir so nur nicht ganz klar.

Letztes Wochenende hat meine Frau im Garten diesen Riesenhaufen Ligustergestrüpp zusammengetragen. Sie hatte die Hecke der Nachbarn mit deren Einverständnis kräftig zurückgestutzt, weil sie fand, das Ding kommt immer weiter zu uns rüber und nimmt ihr zu viel von ihren Beeten weg. Sie nannte es das „Projekt Landgewinnung“. Tatsächlich ist ein guter halber Meter dabei herausgekommen. Dafür sieht die Hecke jetzt reichlich fadenscheinig aus. Aber meine Frau ist zuversichtlich, die würde wieder. Mehr noch, die brauche das, um sich von unten heraus zu erneuern, weil „ist doch alles totes Holz“.

Brennt bestimmt wie Zunder, dachte ich, als ich den Haufen sah und mir vorstellte, wie man den jetzt mühsam zerhäckseln muss. „Lass uns doch ein Herbstfeuer machen“, schlug ich also vor. „Verboten“, sagte meine Frau, die in einer Rechtsanwaltskanzlei arbeitet. Für Lagerfeuer gilt nämlich: Gezündelt werden darf ausschließlich mit naturbelassenem Holz, das mindestens zwei Jahre lang abgelagert wurde, aber nicht mit Gartenabfällen. Das ist ein Verstoß gegen das Kreislaufwirtschaftsgesetz.

Klar, nichts ist mehr, wie es mal war. Mein Schwimmbad gibt es ja auch nicht mehr. Das Gleiche gilt wahrscheinlich für Baff. Nur die Rolling Stones machen immer noch Musik wie früher. Dass die das dürfen!

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