Meine Frau, ihr GARTEN… und ich : Ein paar Gedanken zum Abschied

Alle Träume haben sich da draußen noch nicht erfüllt.

von
Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Mit dem Pfirsichbaum hatten wir zum Beispiel kein Glück. Dabei steht der für den Garten meiner Kindheit, den ich gern nachmodelliert hätte. Hat nicht geklappt. Oder Trachycarpus fortunei, zu Deutsch Hanfpalme. Das war ein großes Projekt meiner Frau. An der Palme und ihrem Pendant gegenüber plante sie eine Hängematte zu befestigen. Wäre das Vorhaben geglückt, wir hätten jetzt so eine Art Tropical Island hinter dem Haus. Aber wer will das schon?

Mit der gescheiterten Palme fing vor mehr als sechs Jahren diese Kolumne an. „Meine Frau, ihr Garten und ich“ handelte vom gemeinsamen Ringen bei gegensätzlichen Vorstellungen. Sie wünschte sich einen immer blühenden Schmuckgarten. Ich hatte eher archaische Vorstellungen davon, wie die eigene Scholle uns in schlechten Zeiten einmal ernähren könnte.

Das war manchmal Kampf, wir haben eine Birke sterben sehen und zwei Birnbäume verkümmern, haben erlebt, wie das ist, wenn man Dahlienzwiebeln zum Überwintern in den Keller bringt und vergisst – sie keimen dort auch im Dunkeln um ihr Leben, bevor sie endlich aufgeben. Und es war idyllisch, denn es gibt nichts Schöneres, als im Gras zu liegen und den Schmetterlingen bei ihrem taumelnden Flug zuzuschauen. Oder endlich eine Kirschernte zu haben, die für mehr als einen Kuchen reicht und die eigenen Pflaumenkerne in die Gegend zu spucken, statt immer nur Nachbars zermatschte Mirabellen aus dem Rasen zu klauben.

Wo einst die Buddelkiste stand

Wir haben in diesem Garten zwei Kaninchen beerdigt, die zuvor acht Jahre darin herumgehoppelt sind. Das war traurig, gehörte jedoch dazu: dem Kreislauf des Lebens in unmittelbarer Nähe zuschauen zu dürfen, dem Werden und Vergehen. Begraben haben wir sie dort, wo einst die Buddelkiste stand. Es fügte sich, dass die Kinder sie nicht mehr brauchten. Sie spielen nicht mehr auf unserem Grün, sie feiern heute ihre Partys darauf.

Unsere Vorstellungen haben sich darüber längst angenähert. Wir haben jetzt zwei Apfelbäume, eine Kirsche und eine Pflaume, haben ein Kräuterbeet und eine Art Salatbar. Dazwischen blüht es nicht immer, aber oft. Im Moment stehen zum Beispiel die Rosen noch prächtig, dem milden Dezember sei Dank.

Es wird also weitergehen mit unserem Garten. Nur, immer wieder darüber schreiben? Er ist nicht so groß, wie es vielleicht manchmal den Anschein hatte (allerdings auch nicht so klein, wie manch einer jetzt denken mag). Ich habe in den vergangenen Jahren nahezu jeden Halm gewürdigt, kein Tier, das sich darin blicken ließ, unerwähnt gelassen. Damit soll es erst einmal gut sein. Doch wer glaubt, irgendetwas verpasst zu haben, dem empfehle ich mein Buch „Vom Winde gesät“ (Goldmann Verlag). Darin steht die ganze Genese noch über die Kolumnen hinaus.

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