Meine Frau, ihr GARTEN… und ich : Erste Blütenträume werden wahr

Meine Frau wird unruhig. Das passiert immer um diese Zeit.

von
Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Auslöser sind üblicherweise die Hornveilchen, die neben der Kasse im Baumarkt stehen, kaum, dass die Temperatur draußen mal über sechs Grad steigt. Müssen auch keine Hornveilchen sein, es reicht, dass da irgendetwas blüht.

Diesmal war es der Rhododendron zu Hause. „Schau mal, er blüht“, rief sie am letzten Sonntag. Ich erhob mich kurz vom Sofa, warf einen Blick in den kalten Garten. Da blühte nichts. Aber meine Frau war nicht mehr zu halten. Sie stürzte nach draußen, drei Stunden hat sie geschnitten und gestutzt, versetzt und aufgeräumt.

Ich bin ganz ruhig geblieben. Ist ja auch Vorsicht angebracht. Bei der Hortensie zum Beispiel, nicht leicht zu entscheiden, wann man die zurückschneiden darf. Kommt darauf an, um was für eine es sich handelt. Für die alten Blütenstände aber ist jetzt der richtige Zeitpunkt, habe ich mir sagen lassen.

Anderntags habe ich es dann auch gesehen, tatsächlich, beim Rhododendron blitzt es rot aus zwei nicht mehr ganz geschlossenen Knospen. Der Frühling kommt, gar keine Frage.

Leider ist bei uns bisher nur der eine am Start: Rhododendron Brasilia. Wahrscheinlich, weil er von allen, und wir haben einige, am exponiertesten in der Sonne steht. Eigentlich ist das ja gar nicht so gut, Rhododendron mag es lieber halbschattig, er kann sogar einen Sonnenbrand kriegen. Aber dafür ist es noch zu früh.

Unser Rhodendron ist übrigens eine Inkarho-Sorte, das heißt, er wurde auf einer kalkhaltigen Unterlage veredelt. Normalerweise sind Rhododendren Moorpflanzen, was nicht bedeutet, dass sie sich nur im Moor wohlfühlen, aber sie haben gern saure Böden. Unser Grund ist lehmhaltig und gar nicht sauer, was für den Rhododendron eher schlecht ist. Doch genau dafür gibt es Inkharo-Sorten. Die gedeihen auch auf schweren Böden und sollen sogar sonnenverträglicher sein. Im März blühen sie allerdings auch nicht, eher im Mai. Wahrscheinlich fühlte sich unsere Brasilia genau wie meine Frau durch die plötzliche Einstrahlung nach langer Düsternis provoziert.

Eine weitere Stunde haben wir dann die Nadeln aus den Büschen geklaubt, die Nachbars Kiefer großzügig über unserem Garten verteilt hat. Kiefernnadeln verrotten praktisch überhaupt nicht, und man kann mit ihnen wenig anfangen. Sie machen den Boden sauer, was unserem Inkarho-Rhododendron ja nichts mehr nutzt. Man könnte sie theoretisch noch als Badewannenzusatz verwenden – wenn einen die Nadeln im Wasser nicht stören. Also haben wir sie eingesammelt und in die Biotonne geworfen. Weil jetzt Frühling ist, da will meine Frau keine toten Nadeln mehr rumliegen haben.

Ach, so ein Garten kann im Frühling auch ganz schön anstrengend sein. Andreas Austilat

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