Meine Frau, ihr Garten und ich : Hinterm Zaun lauert die Bestie

Erstaunlich, was so ein bisschen Sonne vermag. Überall knospt und keimt es schon, die Vögel zwitschern und die Eichhörnchen spielen auf dem Schuppendach.

von
Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Sogar Duffy, unser Hund, geht wieder freiwillig raus in den Garten, statt mir drinnen den Platz auf dem Sofa streitig zu machen. Und damit ist das alte Problem wieder da.

Es gibt die These, dass Hunde farbenblind sind. Kann ich nicht unterschreiben. Ich bin mir sogar ganz sicher, dass Duffy die Farbkombination Blau-Gelb ebenso aufmerksam registriert wie einfaches Grün. Weil das ansonsten harmlose Tier sich in eine rasende Bestie verwandelt, wenn am Gartenzaun der Briefträger auftaucht. Dabei spielt es keine Rolle, ob der die Farben der Post oder die der Pin-AG trägt. Es ist sogar schon vorgekommen, dass Duffy Passanten anpöbelt, nur weil sie eine blau-gelbe Jacke tragen.

Zum Glück nehmen beide Briefträger die Sache nicht persönlich, weil Duffy zu klein ist, um wirklich Furcht zu verbreiten. Aber das Gebell geht mir auf die Nerven. Der Tiefpunkt war erreicht, als Duffy einen aus der Briefkastenklappe hängenden Umschlag mit seinen Reißzähnen gelocht hat. Darin waren nämlich Konzertkarten. Was, wenn die jetzt nicht mehr gültig sind?

„Dein Hund“, sagte ich also zu meiner Frau, „das geht so nicht.“ Man muss dazu wissen, dass ich nicht dabei war, als meine Frau und unsere Tochter Duffy im Tierheim aussuchten. Ihren Alleingang rechtfertigte sie damals mit einem angeblichen dreitägigen Rückgaberecht. Während sie das sagten, legte Duffy den Kopf schief und guckte mich unfassbar traurig an. Darin sind Hunde wirklich gut. Er blieb, aber ich behaupte gelegentlich, er sei gar nicht meiner.

Meine Frau kaufte also ein Gerät namens Pettec. Das ist ein Kasten, den man am Hals des Hundes befestigt. Und wenn er bellt, dann versprüht Pettec wahlweise einen Strahl Wasser oder für schwer erziehbare Fälle Zitronensaft. Die Firma gibt eine Zufriedenheitsgrantie, verspricht sogar 30 Tage Rückgaberecht.

Der Erfolg war ungeheuer. Der für Duffy vollkommen unerwartete Sprühstoß hat ihn derart schockiert, dass er sich unter der Forsythie versteckte und nur schwer wieder hervorzulocken war.

Anderntags begrüßte Duffy den Postboten kaum hörbar winselnd, obwohl er das Gerät gar nicht trug. „Was hat er denn“, fragte der Mann besorgt. Ich erklärte es ihm, und Duffy setzte dazu seinen traurigsten Hundeblick auf. „Wäre doch nicht nötig gewesen“, sagte der Mann in Blau-Gelb, „der arme Hund.“

Leider spricht Duffy immer noch nicht mit uns. Dafür fragt mich meine Frau seit drei Tagen, ob ich glaube, dass wir das Tier traumatisiert haben. Sie macht sich große Vorwürfe. Der Postbote hat sich auch schon erkundigt, ob alles in Ordnung sei, weil, er würde gar nichts mehr hören.

Ob Menschen so einen Blick auch lernen können?

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben