Meine Frau, ihr Garten und ich : Schwiegervater kommt

Meine Frau hat es getan. Nach hinten raus steht jetzt ein Tor. Schmiedeeisern, zwei Meter hoch mit einem Bogen drüber, der irgendwann begrünt werden soll.

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Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Meine Frau hat es getan. Nach hinten raus steht jetzt ein Tor. Schmiedeeisern, zwei Meter hoch mit einem Bogen drüber, der irgendwann begrünt werden soll. Das Tor sieht unüberwindlich aus, wäre es wohl auch, wenn der Zaun daneben nicht nur einen Meter hoch reichte.

Das Tor war wie eine offene Wunde. Vor über einem Jahr hat meine Frau es gekauft, die alte Gartentür war da schon ein paar Monate kaputt, im Prinzip wenigstens. Ich hatte eine Schlaufe angebracht, fand, damit ließ sie sich immer noch prima verschließen.

Der Zaun an sich hat ja nicht so einen tollen Ruf. Wer seine kleine Parzelle perfekt abschottet, gilt schnell als Spießer. Will ich das? Außerdem war ich mir nicht sicher, ob ich das überhaupt kann, so ein Tor errichten. Vor allem, nachdem meine Frau den Weg davor eigenhändig mit kleinen Ziegeln gepflastert hatte. Ich hätte das Tor ja darin einlassen müssen, nur wie? Also habe ich auf die Frage, wann ich das endlich erledigen würde, immer geantwortet: „Na klar, ich kümmere mich darum.“ Das ging ein Jahr lang gut, bis letzte Woche. Dann kam Schwiegervater.

Mein Schwiegervater sieht ein bisschen aus wie eine Mischung aus Bud Spencer und Luciano Pavarotti, und er ist so etwas wie ein MultifunktionsHandwerker. Es gibt eigentlich kaum eine Bastelarbeit, die er sich nicht zutraut. Und es passiert mir immer wieder, dass ich mir in seiner Gegenwart vorkomme wie ein Oberschüler. Oder noch jünger.

Jedenfalls saß ich gerade am Schreibtisch, als es unten losging. Schwiegervater war mit schwerem Gerät angerückt und machte sich ans Werk. Und während Vater und Tochter da so hämmerten und bohrten, bildete ich mir ein, dass sie immer mal wieder zu mir nach oben guckten. Jedenfalls hatte ich das Gefühl, beide würden denken, alles, was man am Schreibtisch erledigen kann, ist im Grunde gar keine richtige Arbeit.

Nach einem halben Tag stand das Ding. „Und“, fragte meine Frau, „wie findest du es?“ Schwiegervater stand daneben, erschöpft, aber sichtlich zufrieden. „Hm“, sagte ich ein bisschen zu knapp. Um noch ein bisschen professioneller zu wirken, fügte ich hinzu „wirklich gute Arbeit“. Dann kam der große Moment. Ich durfte mal schließen. Was soll ich sagen, als ich versuchte, den Schlüssel wieder abzuziehen, rutschte der Schließzylinder halb heraus. Er ließ sich dann auch nicht mehr hineinstecken. Das Ding war einfach kaputt. „Oh“, sagte ich und bot an, die Schlaufe wieder daran zu befestigen.

Natürlich war meine Frau verärgert. Sie gab sogar mir ein wenig Schuld, bloß weil das Schloss nichts taugt. Aber nach genau zwei Tagen hat sie ein neues eingebaut. Weil es kein Passendes gab, hat sie sich eines zurechtgefeilt. Dabei hätte ich ihr doch helfen können. „Lass mal“, hat sie gesagt. So ein Garten kann einen ganz schön fordern.Andreas Austilat

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