Meine Frau, ihr GARTEN…und ich : Die Queen vor unserem Fenster

Wir haben ja die Queen Elizabeth in unserem Garten.

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Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Natürlich nicht die wirkliche Queen, obwohl: Sie soll sich sehr für Gärten interessieren! Queen Elizabeth ist eine Rose, die der Amerikaner Walter Lammerts 1954 gezüchtet hat, zu Ehren der britischen Königin, die ein Jahr zuvor feierlich gekrönt worden war. Die Rose erwies sich als echter Verkaufsschlager mit langem Atem.

1978 bekam Queen Elizabeth sogar den Titel „Weltrose“ verliehen, das ist eine Auszeichnung, die die World Federation of the National Rose Societies nur einmal alle drei Jahre vergibt. Beliebtheit und Titel verdankt sie ihrer majestätischen Statur, auch bei uns wird sie schnell mannshoch. Die Queen ist robust, gedeiht auch auf kargen Böden und hat große rosafarbene Blüten. Vor allem blüht sie noch, wenn alle anderen aufgegeben haben, im Prinzip bis zum Frost.

Passt jetzt alles nicht schlecht auf die echte Queen, die ja außerordentlich zäh sein muss. Es gibt jedenfalls nicht viele 89-Jährige, die so ein Programm wegstecken und dabei noch lässig winken.

Unsere Queen Elizabeth ist übrigens eine Teehybride, so nennt man die ältesten, modernen Edelrosen, die von Züchtern im 19. Jahrhundert aus der Kreuzung chinesischer Teerosen mit europäischen Remontant-Rosen geschaffen wurden. Auf diese Weise bekam man viel größere und immer wiederkehrende Blüten. Allerdings wurden die Rosen anfälliger für Krankheiten und verloren oft ihren Duft.

Nun, anfällig ist unsere Queen Elizabeth wirklich nicht, im Gegenteil. Sie ist praktisch nicht kaputt zu kriegen, weshalb sie auch zu den wenigen Gartenpflanzen gehört, die wir von unserer Vorgängerin übernommen haben und die meine Frau weiter gewähren ließ. Wenn unsere Queen aber einen Nachteil hat, dann den, dass sie tatsächlich nicht besonders ausgeprägt duftet. Jedenfalls nicht, wenn es so kühl ist wie im Moment.

Lammerts wurde übrigens nicht rechtzeitig fertig mit seiner Kreuzung. Die Queen folgte bereits 1952 ihrem Vater auf den Thron, die Krönung erfolgte im Juni 1953. Und dann bekam die Rose in der DDR auch noch Ärger mit dem Namen. Das dortige Sortenschutzgesetz ließ keine Bezeichnungen zu, die „gegen die Grundsätze der sozialistischen Ordnung verstoßen“. Queen Elizabeth hieß deshalb in der DDR auch nur „Elisabeth Rose“.

Dem Züchter der Queen Elizabeth wird die DDR ziemlich egal gewesen sein. Lammerts war erster Präsident der amerikanischen Forschungsgesellschaft der Kreationisten, die ein ganz eigenes Weltbild vertreten. Die wissenschaftlichen Kreationisten lehnen Darwins Evolutionstheorie ab und sind überzeugt, dass ein übernatürlicher Designer ganz maßgeblich in die Schöpfung eingegriffen hat. Ziemlich umstritten das Ganze, unstrittig dürfte nur sein, dass Lammerts maßgeblich an der Schöpfung dieser Rose beteiligt war. Andreas Austilat

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