Meine Frau, ihr GARTEN…und ich : Wenn kalifornische Verhältnisse drohen

Meine Frau kann ja von Glück sagen, dass wir nicht in Beverly Hills wohnen. Da würde sie sich ganz schön umgucken.

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Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Dort gilt nämlich wie in ganz Kalifornien, dass die Kommunen ihren Wasserververbrauch um ein Viertel drosseln müssen. Dieses Ziel hat der Gouverneur im April verkündet. Erreicht werden soll das unter anderem dadurch, dass 465 Hektar Zierrasen in Kalifornien verschwinden müssen.

Meine Frau ist ja schon in Sorge, wenn es bei uns mal drei Tage nicht regnet. Dann macht sie rücksichtslos vom Gartenschlauch Gebrauch, wenn sie nicht sowieso schon ihre komplizierte Bewässerungsanlage angeschlossen hat. Und meinen Einwand, Wasser sei doch ziemlich teuer, kontert sie dadurch aus, dass sie einfach behauptet, neue Pflanzen seien auch teuer.

Natürlich könnte ich eine Regentonne aufstellen. Aber was soll das bringen? In eine Regentonne passen rund 240 Liter. Und ein Garten braucht zwischen zwei und fünf Liter pro Quadratmeter. Mit einer Tonne kommt man da nicht weit. Und wenn sie leer ist, bleibt sie es auch, weil, ist ja Dürre. Sonst bräuchte ich das Wasser doch gar nicht.

Mal angenommen, bei uns würden irgendwann kalifornische Verhältnisse einziehen, was wäre da zu tun? Man könnte im Garten eine gewaltige Zisterne vergraben. Viele Kalifornier haben das schon getan. Sie machen keinen Deckel drauf und nennen es Swimming Pool. Oder man stellt seinen Garten komplett um. Auch das tun die Kalifornier, in Windeseile ist eine neue Geschäftsidee entstanden: Gärtner werben damit, die Grünfläche hinter dem Haus dürreverträglich zu gestalten. Für solche Maßnahmen zahlen die kalifornischen Wasserversorger bis zu 30 Dollar Zuschuss pro Quadratmeter.

In diesen Gärten gibt es keinen Rasen mehr, dafür blühen dann fortan Zistrosen, oder es wächst der Lavendel, Pflanzen eben, die notfalls auch mal eine Weile mit wenig oder gar keinem Wasser auskommen. Infrage käme auch das Färbermädchenauge, ursprünglich eine Präriepflanze. Jedenfalls habe ich meiner Frau davon erzählt, und sie war wider Erwarten von der Idee ganz angetan, weil, so scharf sei sie auf die Sprengerei doch auch nicht. Sie murmelte dann irgendetwas von Sukkulenten und davon, dass sie gleich mal einen Plan entwerfen wolle.

So viel plötzlicher Aktionismus macht mir nun wiederum Angst. Sukkulenten, da fallen einem doch als allererstes Kakteen ein. Ich stellte mir vor, wie der Wind demnächst Steppenroller am Fenster vorbeibläst, das sind diese Büschel, die man aus dem Western kennt, tumbleweed. Und wie meine Frau unseren Garten in eine Art Arizona verwandelt hat. Hätte ich bloß nichts gesagt. Andreas Austilat

Vom Autor ist gerade das Buch „Vom Winde gesät. Meine Frau, unser Garten und ich“ erschienen (Goldmann-Verlag).

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