Esther Kogelboom ringt mit guten Vorsätzen : Papa Franzose – Kind Baguette

Er hat zwar einen fieberhaften Infekt nach dem anderen und macht in die Hosen, aber um eine Sache beneide ich unseren Sohn glühend: Er wurde zu einer Faschingsparty eingeladen!

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Esther Kogelboom.
Esther Kogelboom.Foto: Mike Wolff

Der Glückliche! Am liebsten würde ich mitmachen, verkleidet natürlich. Als Kind war ich Schornsteinfeger (mit echtem Ruß im Gesicht), Indianer (Rothaut-Schminke), Cowboy (mit Pistole), Pippi Langstrumpf (Sommersprossen, Strapse), Prinzessin (Lippenstift) und der beleibte Hardy (von Laurel und Hardy, mir damals unter ihren Namen „Dick und Doof“ bekannt). Tütenweise trug ich die Süßigkeiten vom Umzug nach Hause, und es war auch egal, wie viele Milchzähne beim Biss ins „Nappo“ kleben blieben – die Erwachsenen waren ja eh besoffen.

Nur einmal war es zum Fürchten: Als meine Eltern sich mit ihrem Kegelklub als „Ali Baba und die 40 Räuber“ verkleideten, in unserem Wohnzimmer Cognac in Brand setzten und dabei der Flokati Feuer fing.

Herrliche Erinnerungen, die ich unserem Sohn auch gerne bescheren würde. Hoffentlich haben wir diesmal mehr Glück als vergangenes Jahr. Da nämlich hatte sich das Kind ganz steif gemacht, als wir es in seinen kuschligen Löwenanzug stecken wollten. Doch jetzt könnte es klappen, ich fühle es ganz stark. Nur muss erst mal ein unvergessliches Kostüm her. Vielleicht aus dem Kaufhaus?

Ein kurzer Rundgang zeigt: Dort gibt es für Jungs nur Piraten-, Spiderman- oder FBI-Agenten-Kostüme. Mal ehrlich, bin ich eigentlich die Einzige, die ein FBI-Agent-Kostüm in Größe 98 seltsam findet?

Vom FBI kam ich zum DIY. Spätabends scrollte ich mich durchs Netz, der grippale Mitsorgeberechtigte schaute mir über die Schulter. Auf einer dieser Näh- und Bastelseiten stießen wir auf schrille Eltern-Kind-Kostüme: Papa Franzose – Kind Baguette, Mutter Paris Hilton – Kind Tinkerbelle, der Chihuahua …

„Ich will mitmachen! Ich gehe als Walter White“, krächzte der Mann und klatschte – voller Vorfreude auf eine Kopfrasur – in die Hände.

„Dann kann der Kleine das Baby Holly sein und ich natürlich Skyler im knappen Pencilskirt“, überlegte ich.

„Bitte? Du siehst aber eher aus wie Jesse Pinkman.“ Er schnaubte ins Taschentuch.

„Und was ist mit Tony Soprano und Carmela?“, fragte ich zaghaft.

„Ach! Drogenlords und Mafia-Bosse gehen, aber gesetzestreue FBI-Agenten nicht?“, fragte der Mann und putzte sich erneut die rote Schnupfennase.

„Geh’ doch als Streichholz!“ Ich spülte zur Erkältungsabwehr eine Soledum-Tablette mit Bier runter.

Von Originalitätszwang getrieben suchten wir weiter, bis wir endlich die zündende Idee hatten. Sofort bestellte ich zehn Meter grüne Gewächshaus-Gitterfolie, zwei Meter grünen Flausch, 20 grüne Styroporkugeln und ebenso viele Drahtspiralen. Grünen Metallic-Lidschatten fand ich im Badezimmerschränkchen.

Gestern fing ich endlich mit dem Basteln an. Ich vermaß das schlafende Kind und kniete mich mit Nadel, Faden, Schere und Sekundenkleber in die Gitterfolie. Es war gar nicht so einfach. Eine Nähmaschine wäre wahrscheinlich gut gewesen, aber ich bin ja keine Dawanda-Else.

Wenn Christo den Reichstag einpacken konnte, werde ich mit zehn Metern Folie klarkommen, redete ich mir ein. Leider verhedderte ich mich immer wieder aufs Neue, doch aufgeben zählte nicht.

Aus dem Kinderzimmer drang ein anhaltender, keuchender Husten, offenbar gab es mal wieder eine ernst zu nehmende Schleim-Entwicklung.

Kein Problem! Macht die Erkältungsvirus-Kostüme schön authentisch.

An dieser Stelle wechseln sich ab: Elena Senft, Moritz Rinke, Esther Kogelboom und Jens Mühling.

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