Katja Demirci macht sich locker : Partnerübung ohne Stottern

Das ist es: Am Ende des Jahres schlechte Erinnerungen wegschnaufen und in der Endmeditation eine Entscheidung fällen.

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Tagesspiegel-Kolumnistin Katja Demirci.
Tagesspiegel-Kolumnistin Katja Demirci.Foto: Mike Wolff

Selten war ich so froh über das Ende eines Jahres. Natürlich bin ich am letzten Tag vormittags noch einmal zum Yoga gegangen. Um dieses dusselige 2015 feueratmig rauszuschnaufen, weg weg weg.

Laut meiner Yogalehrerin wird 2016 ein gutes Jahr, weil 16 eine gerade Zahl ist. 2017 wird toll, weil 7 eine Glückszahl ist. Und 18, genau, ist schon wieder eine gerade Zahl. Wirklich Sorgen machen müssen wir uns alle erst wieder Anfang 2019.

Die letzte Yogastunde des Jahres war rappelvoll, zwischen den Matten auf dem Boden nur wenige Zentimeter Platz. Das ausgegebene Ziel des Tages war: Wir machen das alte Jahr fertig – und heißen dann das neue willkommen.

Als wir schon alle gehörig schwitzten, kündigte unsere Lehrerin eine Partnerübung an. Der herabschauende Hund, Adho Mukha Svanasana, im Doppelpack.

Ein halber Handstand

Einer begibt sich in den Hund, Hände und Füße auf der Matte, Arme und Beine gestreckt, Po hoch in der Luft; der andere stemmt dann etwas vor dem ersten Hund ebenfalls die Hände auf die Matte und kraxelt mit seinen Füßen auf den unteren Rücken des Partners.

Für letzteren ist diese Übung so etwas wie ein halber Handstand und recht anstrengend, für den unteren Hund, dessen Rücken schön gedehnt wird, ist das vor allem angenehm.

Trotzdem mag ich Partnerübungen nicht besonders gern. Yoga ist für mich im positiven Sinn gelebter Egoismus. Dann, wenn es nur um mich geht, mein Atmen, meine Besinnung, meinen Muskelkater. Partnerübung heißt, dass ich raus muss aus meiner Blase, wenn es doch drinnen gerade gemütlich wird.

Über kalte Nieren musst du klettern

Mein zweiter Hund am letzten Tag des Jahres war ein netter Kerl, der es lächelnd ertrug, dass ich mit meinen kalten Füßen über seine Nieren taperte, auf der Suche nach Beckenknochen, an denen ich mich festhaken konnte.

Für den Doppelhund ist ein Partner mit schlanker Taille eindeutig praktischer. Andererseits ist es natürlich schön, dass mittlerweile viele Männer das Studio besuchen.

Meinen lieben C. habe ich dazu bislang nicht überreden können. Er hat mal Handball gespielt, irgendwann auch Fußball, es muss etwa zu der Zeit gewesen sein, als er zu Trainingszwecken den Mount Everest im Laufschritt und ohne Sauerstoff bestieg. Sagt er.

Ein Entschluss

Seine sportliche Karriere ist von Mythen umrankt, und ich sehe ein: Die Partnerübung allein zu turnen, nur damit wäre er vielleicht zu locken. Um genau zu sein, ich weiß nicht recht, was C. von Yoga hält. Geheiratet habe ich ihn trotzdem.

Als ich nun am letzten Tag des Jahres behände vom Rücken meines Partnerhundes sprang, um mich daraufhin in die Endmeditation zu atmen, fasste ich einen Entschluss.

Wenn ich bislang noch unter meinem Mädchennamen schrieb, so wird dies im neuen Jahr und mit dieser Kolumne anders. Mehr Klarheit, dafür meditierte ich. Damit fange ich nun sofort an. Schluss mit dem Doppelleben. Aus Reimann wird Demirci.

Reif für transkulturelle Namenswechsel?

Ich schäme mich für mein Zögern. Doch ich war naiv zu glauben, eine internationale Stadt wie Berlin sei ohne Stottern bereit für solch einen transkulturellen Namenswechsel.

Am Telefon sprechen fremde Menschen nun manchmal besonders langsam und deutlich mit mir, in der Zahnarztpraxis bedauerte man mich wegen eines vermuteten baldigen Kopftuchzwanges.

Eine der wenigen Personen, die ohne Nachfragen, falsches Buchstabieren und Kommentieren den Namen notierte, war meine Yogalehrerin. Für alle anderen Situationen suchte ich Rat bei erfahrenen Freunden. Sie rieten: Konter Blödsinn mit Blödsinn. Ich bin bereit.

Mein turko-friesischer Ex-Bergsteiger wird jeden Quatsch ohne Umschweife bestätigen. In Partnerübungen sind wir ziemlich gut.