Moritz Rinke sammelt Erinnerungen an die Gegenwart : Von Ölprinzen und Gasprinzessinnen

Eine Dame kommt bei unserem Kolumnisten zum Ablesen des Zählerstandes vorbei - und mit einem Mal ist er in eine Fehde zwischen Gas- und Stromanbieter verwickelt.

von
Moritz Rinke
Moritz Rinke.Foto: Mike Wolff

Vor ein paar Tagen war eine Dame vom Gasag-Außendienst in meiner Wohnung. Ehe ich mich versah, saß sie bereits am Küchentisch, ihr Taschenrechner lag neben ihr, die Ersparnis mit der Festpreisgarantie schrieb sie auf ein Papier, gleichzeitig verständigte sie die Gasag über die Zählerstände, was ein wenig dauerte, worauf sie augenzwinkernd erklärte: „Im Innendienst sind se ein bisschen langsamer.“

Danach nahm sie ein zweites Handy. „Sie sind ja noch mit dem Strom ganz woanders!“, es ertönte schon die Begrüßung von Vattenfall, „ich regel das mal für Sie.“

Sie stellte auf laut, meldete sich mit brummender Stimme und meinem Namen, erkundigte sich nach der letzten Stromrechnung, und dann sagte die Vattenfall-Dame: „Sie sind ja mit dem Gas noch bei der Gasag, wechseln Sie doch zu uns. Wie hoch ist denn Ihre letzte Rechnung?

Die Dame vom Gasag-Außendienst verzog das Gesicht: „Nee, nee, gute Frau, zahlen Sie erst mal Steuern in Deutschland und nicht in Schweden, wenn Sie mir hier Vattenfall-Gas verkaufen wollen!“

Disput am Telefon

„Wir geben wenigstens die niedrigen Ölpreise an die Kunden weiter!“, entgegnete die Vattenfall-Dame.

„Tut das die Gasag nicht?“, rief ich mitten in den Disput hinein.

„Psst!“ ermahnte mich die Gasag-Frau, „ich bin doch hier gerade Sie, jetzt nichts durcheinander bringen!“

„Sind Sie noch da?“, fragte die Vattenfall-Dame.

„Ja!“, sagte die Gasag-Dame, „niedrige Grundpreise bieten, aber was ist mit den höheren Strom-Kilowattstunden?“

„Ich rede vom Gas, nicht vom Strom, mit dem Strom sind Sie doch schon bei uns!

„Nicht mehr lange!“, entgegnete die Gasag-Dame und legte auf.

„Und was ist jetzt?“, frage ich verwirrt.

„Diese blöde Kuh! Sie kommen jetzt mit dem Strom zu uns.“

Immer diese Saudis

„Aber dann will ich beim Gas auch etwas davon haben, dass das Erdöl so billig ist, das ist wegen der Saudis!“

„Ja, ja, die Saudis ….“, brummelte sie, während sie schon die Strom-Aufträge ausfüllte.

„Die Saudis produzieren eigentlich nur Terroristen, Datteln und Erdöl, nebenbei richten sie noch Geistige hin“, sagte ich

„Ich füll Ihnen das alles aus! Der Innendienst hat überhaupt keine Ahnung, was wir hier im Außendienst machen!“, offenbar hörte sie überhaupt nicht zu.

„Sagen Sie dem Innendienst, dass, wenn die Saudis so billig Öl produzieren, ich auch etwas davon haben will! Und wissen Sie, warum die Saudis so viel Öl produzieren? Um dem Iran zu schaden! Der Iran darf wieder exportieren und will auch Öl auf den Markt werfen, schon allein deswegen muss wahrscheinlich der deutsche Außenminister nach Saudi Arabien reisen, der ist auch im Außendienst wie Sie, denn das Verhältnis zwischen Riad und Teheran scheint mir noch schlechter als das von Vattenfall und der Gasag.“ – „Wollen Se nicht erst mal hier unterschreiben?“, fragte sie lächelnd.

Riss im Parkett

Kundendienst in Berlin ist echt ein hartes Pflaster. Kürzlich lieferte Ikea ein Möbelstück bei mir ab, danach war ein zwei Meter langer Riss in meinem Parkett.

Als ich mich beschwerte, verwies man mich an das Subunternehmen Rhenus. Bei Rhenus verwies man mich an den Sub-Subunternehmer. Er hat vermutlich nicht mal eine Versicherung. Zuletzt erreichte ich ihn in Polen. Seitdem ist sein Handy ausgeschaltet.

Ich mochte diese couragierte Frau vom Gasag-Außendienst. Nur ihr zuliebe habe ich mich über den Tisch ziehen lassen. An den Riss im Boden des Sub-Subunternehmers werde ich mich auch noch gewöhnen. Es gibt in diesen Zeiten Wichtigeres.

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