Kolumne: Elena Senft schaltet nie ab : Englisch ist nicht schuldig

Die letzten ungeklärten Fragen, zum Thema Dschungelcamp: 1. Was ist mit Fiona Erdmanns Haar passiert?

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Elena Senft.
Elena Senft.Foto: Mike Wolff

2. Ist das, was Moderatorin Sonja Zietlow unter ihren Blusen trägt, ein BH oder ein Bikini? 3. Kann sich Campsanitäter Dr. Bob ausschließlich joggend fortbewegen?

Der Rest ist eigentlich geklärt und für gut befunden worden. Die Zeiten, in denen ernste Medienaufseher empört „Ekelfernsehen“ riefen und juristische Maßnahmen prüften, sind vorbei. Und auch nur noch ganz selten hört man ein mäkeliges „Das sind doch alles gar keine echten Promis da drin...“, wenn die Liste der aktuellen Teilnehmer veröffentlicht wird.

Stattdessen herrscht endlich Konsens darüber, dass sich hier keine gefallenen Weltstars beim (grotesk routinierten) Verzehr von Buschschweinvaginas filmen lassen, weil auf dem Roten Teppich in Cannes keiner mehr Interesse an ihnen zeigt, sie aber ihre Villa in den Hamptons abbezahlen müssen. Sondern dass RTL mit fast karitativem Verdienst den C-Promi als eigenen Berufsstand überhaupt erst aus der Taufe und in Lohn und Brot gehoben hat. Berühmter als jetzt war Iris Klein nie. Seinen euphorischen Schlachtruf „Let’s getty to Rambo“ wird Joey Heindle nie wieder einem größeren Publikum ins Gesicht schmettern können.

Öffentliche englische Aussetzer sind in den Zeiten des unausgesprochenen Originalversionenzwangs natürlich Balsam auf der Seele all jener, die sich mit schnödem Schulenglisch herumschlagen und trotzdem in der Peergroup so tun müssen, als sei die Serie „The Wire“ auf Englisch überhaupt kein Problem, obwohl man schon bei der deutschen Version regelmäßig den DVD-Player stoppen und das Gesehene mit dem Couchnachbarn kurz nachbereiten muss.

Inzwischen habe ich mich doch zum Originalversionenzuschauer gemausert. Diese Entwicklung war nicht abzusehen, obwohl mir schon lange klar war, dass die Übersetzung „Die Braut, die sich nicht traut“ im Vergleich zum Originaltitel „Runaway Bride“ schlecht weggekommen ist und dass „Brautalarm“ blöder klingt als „Bridesmaids“. Die größere nervliche Zerreißprobe schien mir das Originalversionenpublikum im Kino, das bei jeder auch nur annähernd komödiantischen Szene schrill auflachte, um allen zu verdeutlichen, dass dieser Witz zumindest bei ihm auch als Witz angekommen und en detail verstanden worden ist.

Die schöneren englischen Sätze bringt immer noch das Privatfernsehen hervor. In „Die strengsten Eltern der Welt“, einer Unterschichten-TV-Perle im Sonntagnachmittagprogramm, werden zwei renitente, gewalttätige Jugendliche zum Auslandsaufenthalt zu den vermeintlich „strengsten Eltern der Welt“ geschickt, um dort Disziplin, Ordnung und Teamgeist zu entwickeln. Nach dem ersten Schock der Jugendlichen, dass ihre Eltern sie wider Erwarten nicht nach Mallorca zum Partymachen geschickt haben, schwören sie erst Rache und merken dann aber doch, dass es sehr schön sein kann, in der finnischen Wildnis Bären zu beobachten oder ein Schaf zu scheren. Nach zehn Minuten wird zum ersten Mal geweint und man bringt das Mädchen dazu, sich mit dem abseits stehenden Bären zu vergleichen, der seinen Platz in der Welt sucht und überleben will. Der wütende Junge ist weniger zahm und macht mit einem knallharten „I will at home“ in Richtung Gastvater klar, dass er keinen Bock mehr auf die Sendung hat.

Dieser Satz allerdings liegt bei mir in Sachen Originalität nur auf Platz zwei. Den ersten Platz hält die Dame an der Kinokasse, die mit absoluter Ernsthaftigkeit versuchte, den zwei amerikanischen Touristen klarzumachen, dass ihre Eintrittskarte nicht gültig ist. Sie versuchte es mit „Your ticket is not guilty“ und schaute in ratlose Gesichter.

An dieser Stelle wechseln sich ab: Esther Kogelboom, Elena Senft, Moritz Rinke und Jens Mühling.

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