Dr. WEWETZER : Drei aus sieben fürs Hirn

Des Lebens simple sieben: Mit diesem Motto benennt die Amerikanische Herzgesellschaft Grundsätze, deren Einhalten Herz und Kreislauf lange gesund erhalten können.

von
Wewetzer
Hartmut Wewetzer.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die sieben Lebensregeln („Life’s Simple 7“), das sind Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker (alles im normalen Bereich), dazu Bewegung, Körpergewicht, Ernährung und Nichtrauchen.

Forscher in den USA haben nun untersucht, welche der Regeln für das Verhüten eines Schlaganfalls wichtig sind. Wie sie im Fachblatt „Stroke“ berichten, bewerteten sie dazu den Einfluss von Lebensstil und Risikofaktoren auf das Schlaganfallrisiko von 23 000 Amerikanern. Für dieses waren vor allem drei der sieben Regeln entscheidend. Herausragend ist normaler Blutdruck (oberer Wert unter 140). Er kann die Schlaganfallgefahr um 60 Prozent senken.

Ein Grund dafür ist, dass manche Schlaganfälle die Folge von Hirnblutungen sind. Die Schlagader im Gehirn zerreißt regelrecht infolge des hohen „Drucks auf der Leitung“. Daneben können gute Blutzuckerwerte, also das Vermeiden der Zuckerkrankheit Diabetes, und Nichtrauchen vorbeugen. Nicht ganz so entscheidend sind niedriges Cholesterin, Bewegung, gesunde Ernährung und Normalgewicht. Anders sieht es beim Verhüten des Herzinfarkts aus, hier stehen hohes Cholesterin und Rauchen an erster Stelle unter den Risiken, erläutert Hans-Christoph Diener, Neurologe an der Essener Uniklinik. Gültig sind die sieben Regeln bei Herzinfarkt wie Schlaganfall, doch jeweils mit anderen Akzenten. Aber natürlich gibt es auch Einflüsse auf Gefäßleiden, die wir nicht ändern können. Alter und männliches Geschlecht erhöhen das Risiko ebenso wie genetische Belastung, wenn also der Hirnschlag „in der Familie liegt“.

Helfen vielleicht Vitamine? Nach einer Auswertung von 14 Studien mit zusammen 55 000 Teilnehmern, erschienen im Fachblatt „Neurology“, können Pillen mit Vitamin B das Schlaganfallrisiko um sieben Prozent senken. Vermutlich, indem das Vitamin die Konzentration der potenziell schädlichen Aminosäure Homocystein im Blut verringert, schreibt der Studienautor Xu Yuming von der Zhengzhou-Universität in China. Im Übrigen mahnt er zur Zurückhaltung: Vor Einnahme von Vitaminen sollte man den Arzt konsultieren.

Noch skeptischer ist der Schlaganfallexperte Diener. Er hält die Untersuchung für wenig aussagekräftig, weil der positive Effekt sich nur zeigte, als man die einzelnen Studien „zusammenwürfelte“. Möglich sei etwa, dass eine gesündere Lebensweise der Vitaminkonsumenten den Schutz erklären könne.

„In großen Studien ist klar belegt, dass Vitamine und andere Nahrungsergänzungsmittel weder Schlaganfall noch Herzinfarkt verhindern“, sagt Diener. Wer etwas für seine Gefäße tun will, sollte sich viel bewegen, nicht rauchen und sich gesund ernähren, ganz im Sinne der Mittelmeerküche. Im Supermarkt heißt das, nicht beim Pillenregal, sondern bei Obst, Gemüse und an der Fischtheke vorbeizuschauen.

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