Kurzurlaub in Havelberg : Vom Fluss umschlungen

Havelberg in Sachsen-Anhalt hat etwas Besonderes: Die hässlichen Seiten sind geschickt versteckt.

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Idyll mit Wucht: Blick auf Havelberg, im Hintergrund schaut der Dom heraus.
Idyll mit Wucht: Blick auf Havelberg, im Hintergrund schaut der Dom heraus.Foto: Hansestadt Havelberg

Von oben betrachtet hat sich Havelberg in den vergangenen 100 Jahren wahrscheinlich gar nicht verändert. Oben, das ist der Berg, der der Stadt den Namen gegeben hat. Eigentlich ist es nicht mehr als ein Hügel, rund 40 Meter hoch, aber die wollen über eine ziemlich steile Treppe erst einmal erklommen werden. Gekrönt vom Dom, ein wuchtiges Ziegelsteingebirge, dessen ältester Teil seit 900 Jahren mehr Burg als Kirche ist, mit Fensterschlitzen wie Schießscharten. Und dabei zeigt sich der Dom von innen doch so luftig mit seinen hoch aufragenden gotischen Spitzbögen.

Unten ducken sich die Dächer der Bürgerhäuser auf ihrer Insel zusammen, von der Havel umklammert, die sich teilt und unweit von hier in die Elbe mündet; entweder auf kurzen zwei Kilometern über den Elbe-Havel-Kanal oder auf verschlungenem Weg durchs Biosphärenreservat.

Jenseits des Flusses ist einfach Schluss, geht es nicht weiter mit dem üblichen Kordon aus Supermärkten und Einfamilienhäusern, der Städte heutzutage normalerweise umgibt. Natürlich hat Havelberg so etwas auch. Man sieht sie nur nicht, die Plattenbauten und die Supermärkte. Sie verstecken sich irgendwo jenseits des Domes. Das macht Havelberg so besonders.

Downtown Havelberg konnte nicht wachsen

Solche Städte gibt es sonst gar nicht mehr. Was nämlich lange ein Vorteil war: Fluss drum herum, Zugbrücke hoch und keiner kommt mehr rein, wurde irgendwann zum Problem. Downtown Havelberg, eine der ältesten Städte der Mark Brandenburg – auch wenn sie inzwischen in Sachsen-Anhalt liegt – konnte nie größer werden. 400 Meter im Durchmesser, dann steht man an einem Ufer und kann den Weiden beim Hängen zuschauen. Was auf all jene, denen gerade nicht nach Betriebsamkeit zumute ist, sehr entspannend wirkt. Und man ahnt, dass vielleicht der Tag nicht fern ist, wo Havelbergs Problem sich wieder auszahlen könnte.

Für die Geschäftsleute ist das natürlich schwierig. „Kommt doch kein Lieferwagen durch“, sagt die Blumenfrau in der Langen Straße. Solche engen Kopfsteinpflastergassen wurden einst für schmale Karren konzipiert. Heutzutage findet sogar der traditionsreiche Pferdemarkt drüben auf dem Festland statt. Das größte Fest am Ort. Wo die Bauernburschen der Umgebung sich nicht nur für Pferde interessierten, sondern auch nach ihrer Zukünftigen schauten.

Zum Glück gibt es Karina Boensch

Und so müsste man sich eigentlich Sorgen machen um die 6000-Einwohner- Stadt. Doch dann sind da Leute wie Karina Boensch, hier geboren, die sogar das Wort „Boom“ in den Mund nimmt, wenn sie von der Stadtinsel spricht. Die 42-Jährige im schwarzen T-Shirt findet die Stadt zwar immer noch ein wenig verschlafen. Aber das sei ja genau das Schöne.

Und ein bisschen erstaunlich ist es auch. Immerhin sollte Havelberg im vergangenen Jahr mit aller Macht geweckt werden. Da war Bundesgartenschau (Buga) im Havelland, verteilt auf fünf Standorte, von der Stadt Brandenburg im Süden bis nach Havelberg im Norden.

Offiziell war man dann ein wenig enttäuscht über die Bilanz im Herbst 2015, weil statt der erwarteten anderthalb Millionen nur eine Million Besucher kamen. War super, findet dagegen Karina Boensch, die eigens das alte Wasserwerk zur Pension umgerüstet hatte, „wir waren praktisch immer ausgebucht“.

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