Liebesbräuche in aller Welt : Von der Magie der Achselhöhle

Wie kriegt man raus, ob der Partner zu einem passt? Jedes Volk kennt da ganz eigene Tricks, ganz eigene Liebesbräuche. Zum Beispiel: Schnuppern an der Achselhöhle. Ein Vorabdruck.

Wie kriegt man raus, ob der Partner zu einem passt? Jedes Volk hat da eigene Bräuche.
Wie kriegt man raus, ob der Partner zu einem passt? Jedes Volk hat da eigene Bräuche.Foto: imago/Westend61

Blüte der Jugend oder Ziege in der Achselhöhle: Der Duft, der aus dieser zarten Wölbung unter den Armen hervorströmt, hat es in sich. Man muss ihn nur richtig einsetzen. Aus Niederösterreich ist die Sitte mit dem Apfelschnitz bekannt, den Mädchen beim Tanzen in ihrer Achselhöhle trugen und danach dem Burschen ihrer Wahl zu essen gaben. Aber auch in Finnland oder im Elisabethanischen Zeitalter kannte man diesen Brauch. Im Baltikum behalf man sich mit einer Kartoffel, und im Wendland konnte es auch ein Brötchen oder Zwieback sein: „Wenn ein Mädchen die Liebe eines Jungen haben will, so soll sie etwas Essbares unter den Arm (in die Achsel) thun, dasselbe durchschwitzen und dann zu essen geben.“
Eine etwas elegantere Variante dieses Brauches kannte man in italienischen Dörfern, wo die Jungen beim Tanz ein Tuch unter ihre Achseln klemmten und diese olfaktorische Wunderdroge danach den Mädchen ins Gesicht wedelten. Selbst im prüden Amerika wurde der betörende Duft eingesetzt. Ein Eintrag aus dem Journal of American Folklore von 1899: „Wenn du ein Mädchen dazu bringen willst, dich zu lieben, so steckst du ein Bonbon oder etwas anderes, das sie essen wird, in deine Achselhöhle, dass es deinen Geruch annehme.“ Vor gar nicht allzu langer Zeit widmete sich das Sexualkundebuch „The Joy of Sex“ von 1972 den Achseln. Hier wird geraten, sich die Achselhöhle nie zu rasieren: „Ein klassischer Ort, um Küsse zu platzieren. In tropischem Klima, wo es kein fließendes Wasser gibt, mag man das Rasieren der Achselhöhle vielleicht verzeihen, in unseren Breitengraden ist es aber schierer Vandalismus.“ Schade eigentlich, dass heute zwischen L.A. und Moskau kaum eine Frau mehr Achselhaare hat.

Der Achselgeruch gibt Rückschlüsse auf die Gesundheit der gemeinsamen Kinder

In der Dramaturgie des sexuellen Kennenlernens kommt es unausweichlich zum Austausch von Körperflüssigkeiten. Speichel, Schweiß, Vaginalflüssigkeit, Ohrwachs, Sperma, Milch, Urin, Menstruationsblut – ob man dieses Riechen und Schmecken ganz an den Anfang stellt, als Teil des Sich-Kennenlernens, oder damit wartet, kann man handhaben, wie man will. Aber es sprechen einige Fakten dafür, es möglichst bald zu tun. Der Achselschweiß steckt voller Pheromone, den Botenstoffen, die uns in Sekundenschnelle Dinge mitteilen, für die wir mit dem Intellekt womöglich Jahre benötigen würden.
Die deutsche Kulturanthropologin Ingeborg Ebberfeld bestätigt, dass Frauen vom Achselgeruch der Männer nicht nur sexuell erregt werden, sondern daran auch den richtigen Partner für ihre und die Gesundheit ihrer gemeinsamen Kinder identifizieren können. So bevorzugen Frauen, die die Antibabypille einnehmen, Männer mit genetisch ähnlichem Geruch, während Frauen, die keine Östrogene zu sich nehmen, sich von Männern angezogen fühlen, deren genetischer Code ihre genetische Vielfalt und somit auch das Immunsystem optimiert. Es geht sogar so weit, dass der regelmäßige Konsum von männlichem Achselschweiß auf der Oberlippe – wie beim Liebesspiel – zu einer regelmäßigen Menstruation führt.

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