Magazin : Manche mögen’s heiß

So will es das Gesetz: Eine neue Heizung soll her! Öl, Gas, Pellets – oder gar ein eigenes Kraftwerk? Ein aktueller Ofen-Report.

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Wenn der Radiator leise gluckert. Dann ist Luft im Heizungssystem – auch kein gutes Zeichen.Foto: Photocase/Susann Städter
Wenn der Radiator leise gluckert. Dann ist Luft im Heizungssystem – auch kein gutes Zeichen.Foto: Photocase/Susann Städter

Neulich auf einer Party hatte Freund R. unser Mitgefühl. Seine Heizung war ausgefallen. An einem Freitag. Das war ärgerlich, weil der Notdienst rasch feststellte, an seiner Gastherme sei irgendein Teil kaputt, das auf die Schnelle in Berlin nicht beschafft werden könne. Bis Montag werde es schon dauern. Mindestens. R. erzählte uns, es sei erstaunlich, wie schnell eine Wohnung selbst bei diesen vergleichsweise milden Wintertemperaturen auskühle.

Rasch verwickelten wir uns in ein Heizungsfachgespräch. Dabei verriet ich, wie alt der Kessel unserer Ölzentralheizung sei, was mir hämische Kommentare einbrachte – obwohl ich keineswegs einer Randgruppe angehöre. Jede achte Heizung in Deutschland ist älter als 25 Jahre, behauptet der Bundesindustrieverband Haus-, Energie- und Umwelttechnik.

Anlagen, die vor 1985 installiert wurden, sind ein Fall für die von Mai an geltende Energieeinsparverordnung. 2015 darf sie nicht mehr betrieben werden. Theoretisch wenigstens. Praktisch gibt es verschiedene Ausnahmen, ich darf weiter heizen, weil wir unser Haus schon vor 2002 besaßen. Wegen Leuten wie mir spricht die Branche von einem Sanierungsstau. Ich soll mitschuldig sein, wenn die Bundesrepublik die Klimaschutzziele nicht einhält.

Das nagt an mir. Außerdem wird das Ding irgendwann den Geist aufgeben. Und zwar im Winter. Heizungen gehen immer im Winter kaputt, im Sommer laufen sie ja nicht. Dann gerät man wie Freund R. enorm unter Handlungsdruck.

Ich war schon in meiner ersten Wohnung für den Klimaschutz – als ich noch Ofenheizung hatte. Ende der 70er und zu Beginn der 80er Jahre hatten rund 50 Prozent aller Wohnungen in Kreuzberg und Neukölln Ofenheizung. Man roch es, der Dunst von Kohlebrand hing jeden Winter schwer in den Straßen. Aus Kostengründen habe ich damals zuweilen Teile meiner Wohnung dem Frost überlassen und nur noch einen Ofen beheizt. Ich war Student und sparte ohnehin, wo es nur ging.

Nostalgiker halten die Ofenheizung für eine großartige Sache. Manche stellen sich heute noch freiwillig einen Kamin ins Zimmer, verbrennen darin allerhand Holz, unglaublich, wie viel Holz so ein Ding schluckt, und erfreuen sich daran, durch eine kleine Scheibe ins Feuer zu schauen. Ich bin da allergisch. Ich erinnere mich an den Staub, den eine Ofenheizung verbreitet. Und an Susanne, meine erste richtige Freundin.

So eine Ofenheizung war gar nicht leicht zu betreiben. Man konnte sie nicht morgens einfach anzünden und aus dem Haus gehen. Man musste warten, bis es richtig glühte, und dann die Sauerstoffzufuhr reduzieren. Das dauerte. Es empfahl sich also, ein wenig früher aufzustehen, um die Glut anzufachen. Mit Glück hielt ein mit Briketts befüllter Kachelofen bis abends durch, mein vorzugsweise mit Eierkohlen betriebener Allesbrenner nicht, der war abends aus.

Einmal kam ich also mit Susanne in die kalte Wohnung. Die Kohlen lagen in einer dafür vorgesehenen Kiste in der Küche. Natürlich war die Kiste meistens leer. Dann musste ich in den schlecht beleuchteten Keller, in dem die Ratten durch die Gänge huschten, Kohlen in eine Kanne schaufeln und nach oben tragen. Eine Aufgabe, die nach Mitternacht einige Überwindung kostete. „Was hältst du davon, wenn wir den Ofen kalt lassen und eine Bettdecke mehr auflegen?“ schlug ich also vor. Susanne forderte mich ultimativ auf, in den Keller zu gehen. Unsere Beziehung hielt dann auch nicht mehr lange.

Die nächste Wohnung hatte zwei alte Kachelöfen und eine neue Gasetagenheizung. Gas war erheblich teurer als Kohle. Trotzdem benutzte ich die Öfen entgegen meinem Vorsatz nur drei-, viermal, dann nahmen wir die Gasheizung in Betrieb. Großartig. Wärme im Handumdrehen. Allerdings war meine neue Freundin ein wenig nervös und verfolgte sehr aufmerksam, wenn es irgendwo auf dieser Welt einen Unfall mit Gas gab. Vor allem, wenn dabei ganze Häuser in die Luft flogen. Meinen Einwand, dass das doch eigentlich nur passiert, wenn irgendjemand daran rumschraubt, der das nicht hätte tun sollen, ließ sie nicht gelten.

Heute haben wir Ölzentralheizung. Fantastisch. Sie kommt meinem tief verwurzelten Streben nach Autarkie ziemlich nahe. Ich bin in West-Berlin geboren, meine Eltern haben noch die Blockade erlebt. Die dauerte anderthalb Jahre, mein voller Öltank hält zwei. Wenn nur der Klimaschutz nicht wäre. Außerdem macht einen die Ölheizung zum Spekulanten.

Früher hieß es, im Sommer ist Öl am billigsten. Stimmt schon lange nicht mehr. Aber bis ich das gemerkt habe, habe ich draufgezahlt. Dann las ich, dass heutzutage Heizöl am günstigsten Ende Mai, Anfang Juni sei. Ich bestellte also Anfang Juni den Tankwagen, beobachtete zufrieden, wie die Preise den Sommer über stiegen. Doch vor Weihnachten wurde Öl billiger als im Juni. Ich war enttäuscht.

Jetzt hörte ich vom Mikro-Blockheizkraftwerk und war fasziniert. Im Grunde handelt es sich um eine Art Motor im Keller, mit dem man Wärme und eigenen Strom produziert. Ich erkundigte mich. Till Usadel vom Ingenieurbüro delta-i in Berlin plant nicht nur Heizungsanlagen, er hat auch so ein kleines Kraftwerk, allerdings hängen drei Verbraucher dran.

Usadel sagt, man sei keineswegs unabhängig, denn der Motor läuft mit Treibstoff, zum Beispiel Diesel oder Gas. Und er produziert auch nicht immer genau den Strom, den man benötige. Es ist entweder zu viel, dann muss ich den einspeisen, wofür man übrigens ein Gewerbe anmelden und die Einspeisevergütung versteuern muss. Oder dazukaufen. Im Sommer zum Beispiel, wenn ich gar nicht heize. Im Grunde lohnt sich das also nur für größere Verbraucher, Industrie oder Gewerbe, die auch im Sommer Energiebedarf haben. Ich könnte einen Swimmingpool anlegen, der ganzjährig beheizt wird. Kurz, aber wirklich nur sehr kurz, dachte ich über einen Swimmingpool nach.

Kollege H. hat eine ganze Industrieetage saniert und beheizt die per Wärmepumpe. Er holt sich die Wärme gewissermaßen aus der Luft. Das Gerät funktioniert mit einem Kältemittel, das bei sehr geringen Temperaturen verdampft und Wärme abgibt. Wie ein Kühlschrank, der ja auch nach außen wärmt. H. beheizt 230 Quadratmeter Fläche, 80 mehr als wir, und wendet dafür weniger Geld auf.

Lautlos arbeitet das System offenbar nicht. „Uns erreichen immer wieder Beschwerden von Nachbarn“, sagt Erhard Bülow von der Berliner Verbraucherzentrale. Wer über eine neue Heizung nachdenkt, kann sich dort beraten lassen (vz-berlin.de). Zwar hätten Messungen ergeben, dass das Geräusch der Wärmepumpe, wenn sie der Umgebung Luft entzieht, absolut in der Norm sei, man könne es aber durchaus hören. Ich stellte mir so etwas wie Tinnitus vor.

Natürlich kann man auch auf Erdwärme setzen, dazu müssen Löcher in den Garten gebohrt werden, bis zu 100 Meter tief. Voraussetzung ist ein geologisches Gutachten und die Zustimmung der Wasserbehörde. Wahrscheinlich braucht es mindestens zwei Bohrungen. Weil dem Boden Wärme entzogen wird, kann es im ungünstigen Fall passieren, dass der Boden vereist. Sonne kommt ja da nicht hin. Dann geht die Effektivität der Anlage irgendwann gegen null, warnt Reiner Miethe, Technischer Referent der Heizungsbauer-Innung, wo man sich ebenfalls Rat holen kann (www.shk-berlin.de).

Ansonsten könne die Wärmepumpe eine prima Sache sein, funktioniert aber nur in Verbindung mit Flächenheizungen – also in Wand oder Fußboden. Die arbeiten mit deutlich geringerer Vorlauftemperatur. Flächenheizungen sind nicht nur effektiv, sie sind auch toll, weil die Strahlungswärme als angenehmer empfunden wird. Allerdings muss man bei Wandheizungen schon sehr aufpassen, wenn man künftig ein Bild aufhängen will. Und bei nachgerüsteten Fußbodenheizungen erhöht sich der Estrich um sechs Zentimeter. Die fehlen dann unter den Türen. Beides ist also eher etwas für den Neubau. Natürlich ginge auch eine Deckenheizung, aber Wärmestrahlung von oben wird oft als nicht ganz so angenehm empfunden.

Ich wandte mich der Pelletheizung zu. Pellets sind kleine, aus Holz gefertigte Würmchen. Die Heizung funktioniert vollautomatisch, das Zeug kommt mit dem Tankwagen ins Haus. Der Energieeinsatz bei Pellets ist bei vergleichbarer Leistung halb so teuer wie bei Öl.

Hubertus Krauth, oberster Forstdirektor Brandenburgs, gibt zu bedenken, dass alle Wälder Deutschlands nicht ausreichen würden, den Energiebedarf des Landes zu decken. Deutschland ist zwar nach den USA der weltgrößte Hersteller, das Holz kommt aber nicht unbedingt von hier. Wer weiß, was Pellets kosten, wenn die Wälder erst einmal weg sind?

Bleibt Fernwärme, bei uns in der Nähe ist aber keine Leitung. Oder wieder Gas. Verbraucherberater Bülow und Ingenieur Usadel halten eine moderne Gasbrennwert-Heizung für mich als Kleinverbraucher für die günstigste Lösung, Innungsreferent Miethe stimmt zu, wenn man die niedrigeren Anschaffungskosten berücksichtigt.

Allerdings hat auch meine Frau ein bisschen Angst vor Gas. Sie ließe sich jedoch umstimmen, wenn sie den Platz nach ihrem Willen gestalten dürfe, der durch den demontierten Öltank frei würde. Ich tendiere zum Nachgeben. Will ja nicht wieder wegen der Heizung eine Beziehung aufs Spiel setzen.

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