Meine Frau, ihr GARTEN… : Rose des Winters

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Neulich sagte meine Frau, während sie in den verschneiten Garten schaute, „so ein Wintergarten wäre ja schon nicht schlecht“. Finde ich gar nicht. Ich meine, der würde sich doch da befinden, wo jetzt die Terrasse ist, und die käme dann erst dahinter. Und überhaupt, so lange dauert der Winter jetzt auch wieder nicht. Im Sommer aber braucht kein Mensch einen Wintergarten.

„Was man da alles an Pflanzen reinstellen könnte“, ließ meine Frau nicht locker, „eine Kamelie zum Beispiel.“ Sie hatte mal eine, fand sie wunderschön, brachte sie aber nicht durch den Winter, was in unseren Breiten auch schwierig ist. Anders in England, da gedeiht sie an geschützten Standorten sogar im Freien.

Hierzulande muss man ein wenig mehr Aufwand treiben. Im Park von Schloss Pillnitz in Dresden steht eine, die zu den ältesten in Europa gehört und sich in 230 Jahren mit beinahe zehn Metern Höhe zur Baumgröße ausgewachsen hat. Wenn sie von Februar bis April blüht, ist das ein Spektakel, sie bringt es nämlich auf bis zu 35 000 Blüten. Allerdings wäre auch die Pillnitzer Kamelie wohl längst mausetot, wenn man ihr nicht eigens ein fahrbares Gewächshaus gebaut hätte, mit dem man sie von Oktober bis Mai vor Frost schützt.

Das Feuerwerk, das die Kamelie ausgerechnet in der kalten Jahreszeit abbrennt, hat dem immergrünen Gehölz im Volksmund den Ehrentitel „Rose des Winters“ eingebracht. Ihre üppige Pracht kommt daher, dass sie nicht nur an den Triebenden blüht, sondern bis in die Blütenzweige.

Bewundern kann man sie auch im Kamelienhaus des Berliner Botanischen Gartens. Diesen Sonntag führt dort Beate Senska durch das Haus, Treffpunkt ist bereits um zehn Uhr am Eingang Königin-Luise-Platz (fünf Euro plus ermäßigter Eintritt). Allerdings schwächeln die Kamelien noch ein wenig, es war ihnen in den Wochen vor dem großen Frost wohl zu warm, um zu richtig großer Form aufzulaufen, sagt Frau Senska. Am 26. Februar um 14 Uhr führt sie noch einmal, vielleicht bringt es Dramagirl, der pinkfarbene Star im Kamelienhaus, bis dahin wieder auf einen Blütendurchmesser von zehn Zentimetern wie im letzten Jahr.

Ihren Namen hat die Kamelie nach Georg Joseph Kamel, einem Jesuitenpater, der im 17. Jahrhundert nach Manila reiste und sich dort als Naturforscher hervortat. Leider nahm es kein gutes Ende. Kamel fing sich ein tödliches Fieber ein, seine Sammlung wurde von chinesischen Piraten in alle Winde zerstreut. Doch um ihn zu ehren, gab Karl von Linné der Gattung Camellia aus der Familie der Teestrauchgewächse seinen Namen.

Bei aller Schönheit, die Kamelie ist ein wenig heikel, mag es nicht frostig, aber kühl. Im Botanischen Garten gedeiht sie gut, weil im Gewächshaus nicht über 14 Grad herrschen. Spricht auch gegen den heimischen Wintergarten, mir wäre es jedenfalls ein bisschen zu wenig, um auch mal darin zu sitzen.Andreas Austilat

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