Meine Frau, ihr GARTEN… und ich : Ein Stinker bewährt sich

Ich glaube, ich habe das schon mal angedeutet: Meine Frau kann sehr streng sein, jedenfalls im Garten.

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Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Wer sich nicht bewährt, fliegt raus. Umso überraschender, folgende Begebenheit.

Sie: „Stell dir vor, sie blüht.“ Ich: „Ach.“ Blüht ja jetzt eine ganze Menge da draußen. Sie: „Die Kaiserkrone, zum ersten Mal.“ Kurz warKaiserkrone ich verwirrt, weil ich die für eine Birne hielt. Es gibt tatsächlich eine Birnensorte dieses Namens. Wir haben aber keine Birnen mehr, seit ich meine Niederlage im Kampf gegen den Birnengitterrost eingestehen musste. Aber das ist eine andere Geschichte. „Die Kaiserkrone hinten in der Ecke, die, die immer nur stinkt und noch nie geblüht hat.“

Nun war ich doch neugierig. Eine Pflanze, die stinkt und nie blüht, was macht die in unserem Garten?

Draußen stand ich dann vor einer kleinen Staude, deren sternförmig angeordnete Blätter mir bisher nur dadurch aufgefallen waren, dass sie immer so sattgrün aussahen. Ich dachte, das ist alles, was sie können. Jetzt hatte ein kleiner grauer Stängel den obersten Blätterkranz wie einen Deckel angehoben, und darunter hingen kopfunter leuchtend orange Blütenblätter. Ich beugte mich mit der Nase hin, roch aber nichts.

„Die stinkt ja auch nicht immer“, sagte meine Frau. Im Internet las ich, dass die Zwiebeln der Kaiserkrone mit ihrem Geruch sogar Wühlmäuse vertreiben könnten. Wir haben keine Wühlmäuse. Vielleicht deshalb?

Warum unsere Kaiserkrone noch nie blühte und jetzt aber doch, konnte ich nicht klären. Wahrscheinlich, weil ihr bisher etwas gefehlt hatte. Dünger oder Sonne. Vielleicht kriegt sie mehr Sonne, der Nachbar hat seine Erle gestutzt.

So eine Blüte ist ja ein ungeheurer Kraftakt für eine Pflanze. Das macht sie überhaupt nur, wenn sie Reserven übrig hat. Manchmal verausgabt sie sich dabei sogar derart, dass sie stirbt. Immerhin hat die Pflanze in dem Moment, wo sie für Nachkommen gesorgt hat, ihre biologische Bestimmung erfüllt. Die Agave zum Beispiel blüht einmal und Feierabend. Oder ich. Zuweilen habe ich den Eindruck, dass ich meiner Mutter wichtiger war, als ich noch keine Kinder hatte. Seit ihre Enkel da sind, bin ich nicht mehr ganz so wichtig. Ach, die Natur.

Im Botanischen Garten haben sie übrigens eine Riesenblume, die blüht nur alle Jubeljahre: den Titanenwurz. Das letzte Mal hat er dieses Kunststück vor vier Jahren geschafft. Und dabei stank er wie Hölle. Der Titanenwurz ahmt den Geruch verwesender Kleintiere nach, lockt auf diese Weise Aasfliegen an, die beim Bestäuben helfen. Schon lustig, auf welche Weise sich manch einer attraktiv macht.

Ich schaute wieder auf unsere Kaiserkrone. Wir haben die schon seit Jahren. Erstaunlich, dass meine Frau die überhaupt so lange hat gewähren lassen. Was wohl wird, wenn sie die Blüte nicht wiederholen kann? Andreas Austilat

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