Meine Frau, ihr GARTEN … : Weihnachten – fiesta mexicana!

…,ich

Ich hatte erwogen, unsere Säulenbirne zum Weihnachtsbaum umzudekorieren. Wie ich so zum Schuppen stapfte und mir der Morast schmatzend an den Sohlen kleben blieb, war ich mir aber nicht mehr sicher, ob eine Lichterschlange um das immer noch mickrige Birnbaumstämmchen unserem derzeit sumpfigen und wenig winterlichen Garten festlichen Glanz verleihen würde. Hab den Gedanken also wieder verworfen.

Im Haus ist botanisch auch nicht viel los. Früher hatten wir einen Weihnachtsstern, der gemeinhin im Dezember zu Hochform auflief und dann tiefrot blühte. Wobei das gar keine wirklichen Blüten, sondern sogenannte Hochblätter sind, die dem Stern Farbe verleihen.

Es war auch nicht immer derselbe Stern, sondern jedes Jahr ein neuer. Wir sind ein bisschen davon abgekommen, weil der jährliche Weihnachtsstern regelmäßig zum Winterende schlapp machte. Ende Februar hatte er keine Blätter mehr, sah aus wie eine Antenne und landete auf dem Kompost. Es ist uns nie gelungen, ein einziges Exemplar bis in die nächste Saison zu retten. Wobei ich mir habe sagen lassen, diejenigen, die dieses Kunststück vollbracht haben, wurden mit ihrem Topf auch nicht richtig glücklich. Weil, wenn der Weihnachtsstern seine Farbe verliert, und das tut er in der Regel im Februar, sieht er nicht mehr besonders attraktiv aus.

Ich habe unseren gärtnerischen Misserfolg auf eigenes Unvermögen zurückgeführt. Vielleicht zu Unrecht, wie ich glaube, seit mir ein Beitrag von Hans Walter Lack, Direktor am Botanischen Museum Berlin, in die Hände gefallen ist.

Der Weihnachtsstern kommt ursprünglich aus Mexiko. 1788 pflückte ihn dort der Spanier Martin de Sessé y Lacosta, versah ihn mit dem Hinweis „blüht im Dezember und wird daher von den Einheimischen als Weihnachtsblüte bezeichnet“ und brachte die Kenntnis als Erster nach Europa. Lacostas Herbarium ging allerdings in den Napoleonischen Kriegen verloren, erhalten blieb nur ein hübsches Aquarell. Gut zehn Jahre nach Lacosta kam Alexander von Humboldt. Sein getrocknetes Weihnachtsstern-Blatt, ebenfalls aus Mexiko, liegt heute im Keller des Berliner Botanischen Museums. Zur wissenschaftlichen Erstbeschreibung kam der viel beschäftigte Humboldt nicht.

Das schaffte erst 1834 Johann Friedrich Klotzsch, auch er Mitarbeiter des Berliner Botanischen Gartens. Sichtlich beeindruckt von der überbordenden Pracht des ziemlich großen Strauchs gab Klotzsch ihm den wissenschaftlichen Namen Euphorbia pulcherrima, was so viel wie „allerschönste Wolfsmilch“ bedeutet.

Fürs Wohnzimmer war der Strauch weniger geeignet, weshalb die Gärtner der nächsten Generationen viel Mühe darauf verwandten, ihn mit Wachstumshemmern zu behandeln und auf ein handlicheres Format zu bringen. So wurde er ein Verkausschlager. Aber vielleicht auch ein bisschen empfindlich. Andreas Austilat

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