Meine Frau, ihr GARTEN…und ich : Vorsprung durch Technik

Meine Frau und ich betrachten den Garten ja mit ganz unterschiedlichen Augen.

von
Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Während sie eher von einem Blütenmeer träumt, hat er mir die Tür zu einer Welt geöffnet, von deren Existenz ich vorher keine Ahnung hatte: Der Abteilung für schweres Gerät im Baumarkt unseres Vertrauens .

Zum Beispiel hatte ich früher keine Axt. Wozu auch. Heute habe ich sogar eine sehr große. Und ich bedaure ein wenig, dass wir im Moment gar kein Holz zum Zerkleinern mehr besitzen. Alles schon erledigt. Ehrlich gesagt, macht es einen Heidenspaß, die Axt zu schwingen. Wenn ich manchmal vorne aus dem Haus trete und den Hackklotz sehe, möchte ich sie einfach mal da reindonnern.

Dicht gefolgt in meiner Wertschätzung wird die Axt von der Kettensäge. Ich besitze eine mit Teleskop, da kann ich noch Äste absägen, die vier, fünf Meter entfernt sind. Eine Kettensäge zu starten, auch ein gutes Gefühl. Leider gibt es im Moment draußen gar nichts mehr zu sägen.

Das bringt mich zu einer Meldung, die kürzlich in dieser Zeitung stand: Eine 95-jährige Grundstücksbesitzerin wollte wegen ihres fortgeschrittenen Alters von der Straßenreinigungspflicht entbunden werden. Das Verwaltungsgericht lehnte ab, sie könne ja eine Firma beauftragen. Stimmt natürlich. Andererseits rechne ich stündlich mit dem Wintereinbruch. Und dann wird es für die alte Dame richtig ernst.

Früher, vor der 7. Novelle des Berliner Straßenreinigungsgesetzes am 2. November 2010, war es ja so, dass man seine Schneereinigungspflicht einer Firma überantwortete, und damit war gut. Heute kann man das immer noch tun, aber wenn die Firma nicht kommt, bleibt die Gehwegreinigungspflicht bestehen – dazu gehört auch, etwaige Eisschichten zu beseitigen. Das Bußgeld im Falle eines Verstoßes zahlt nicht die saumselige Firma, sondern der Grundstückseigner. Will die 95-Jährige das nicht riskieren, muss sie selbst raus aufs Eis.

Einen Tag nach Erscheinen des Artikels wurde ich Ohrenzeuge eines Gesprächs unter Nachbarn. Siggi und Volker – die Namen sind geändert, weil die beiden keinen Ärger mit den Schneereinigern kriegen wollen – diskutierten, ob die Novelle zur Motivation der professionellen Schneereiniger beitragen würde, wenn deren Nichtstun im Ernstfall folgenlos bliebe. Jedenfalls hatte Siggi eine Schneefräse im Sonderangebot des Baumarktes gesehen. Wenn man zusammenlegte und dafür auf die Schneereiniger verzichtete, hätte man die in nur einem Jahr wieder drin.

Eine eigene Schneefräse, dachte ich, ist nicht so gut wie eine Kettensäge, aber auch irgendwie archaisch. Immerhin trotzt man mit dem Ding unter widrigen Bedingungen den Elementen. Ich stellte mir die Fräse in den Händen einer 95-Jährigen vor. Ja, so ein Garten, das ist schon auch Natur. Und die ist mitunter hart. Wahrscheinlich wollten die Richter ihr das klarmachen.

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