Mit einem VW T3 durchs Umland : Bulli für Anfänger

Minischweine, Dosensuppe, Brandenburger Gastfreundschaft: Ein Ausflug im VW T3 California erfordert nicht nur Geschick beim Schalten. Eine Testfahrt.

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Rotes Raumwunder. Vier Menschen passen in einen VW T3 (3. Generation Transporter). Sie sollten allerdings nicht sehr groß sein.
Rotes Raumwunder. Vier Menschen passen in einen VW T3 (3. Generation Transporter). Sie sollten allerdings nicht sehr groß sein.Foto: Esther Kogelboom

Schalten!“ – „Wie bitte?“ – „Du musst dringend SCHALTEN!“ Auf der Rückbank hört man die hochtourigen Hilferufe des Heckmotors besser als auf dem Fahrersitz. Ich lockere den Beckengurt und angle zum Beweis nach dem laminierten Merkblatt, das auf dem Kühlschrank hin- und herrutscht. Da steht es: „Maximal 2300 Umdrehungen.“ Eine entspannte Beifahrerin war ich noch nie.

Unwillkürlich lächelt man, wenn man einen VW T3 sieht. Puppenstuben-Gefühl beim Einräumen. Ah, hier passt ein Gläschen Pesto hin, hier der Instant-Kaffee! Unser Windelvorrat eignet sich zum Ausstopfen von Hohlräumen im Schrank. Bettwäsche, Badetücher, Klamotten, Spielzeug, Schwimmflügel, Kulturbeutel – alles haben wir in Ikea-Tüten aus der Wohnung in den Bulli geschleppt.

Das sollte für vier Wochen reichen. Wir sind vier Tage unterwegs.

Wir machen alles falsch

Als Bulli-Anfänger machen wir erstmal alles falsch. Wir packen zu viel ein (Kulturbeutel, ha ha). Wir brettern auf die Autobahn (Viel zu hektisch, wenn man nur 100 fahren kann). Wir versuchen, uns vom GPS leiten zu lassen (Kein Netz! Landkarte!). Wir streiten rum (Hang loose! Es ist ein T3 California!).

Eine Sache machen wir richtig: Wir steuern an Tag 1 die Ziegenkäserei Karolinenhof in Kremmen an. Die Landvergnügen-Vignette klebt auf der Windschutzscheibe. Mit ihr können wir auf jedem gelisteten Hof nach Voranmeldung kostenlos übernachten.

Natürlich sei es im Gegenzug gern gesehen, wenn man im Hofladen einkaufe und die landwirtschaftlichen Abläufe nicht störe, steht in den Landvergnügen-Statuten.

Gegen 11 Uhr rumpeln wir über eine kleine Straße auf den Parkplatz. Eine Frau zeigt den Stellplatz und warnt: „Vorsicht, die Bremsen sind ganz schlimm.“ Bremsen? Ach so, sie meint die Stechviecher. Ich frage, ob wir etwas Käse kaufen dürfen. „Morgen.“ Brandenburger Gastfreundschaft.

In der Besteckschublade ein kraftloser Dosenöffner

Wir stellen den Klapptisch auf und rollen die Markise aus. Die Kinder (2 und 4 Jahre alt) sind wie Wellensittiche, denen man die Käfigtür geöffnet hat. Ganz vorsichtig erkunden sie die große, von alten Bäumen umkränzte Wiese mit dem Trampolin und dem Sandkasten am geschlossenen Hofcafé, die Weide mit Esel, Pferd und hunderten Ziegen. Es duftet nach gemähtem Gras. Es ist herrlich – und doch fühlen wir uns wie geduldete Eindringlinge. Das muss man aushalten.

„Tiger gucken!“ – „Ziege?“ – „Ja-ha, Mama, Tiger gucken! Katze auch! Hunger!“ Das war zu befürchten. Der Ernstfall ist eingetreten.

Auf dem Karolinenhof bei Kremmen leben hunderte Ziegen und ungezählte Bremsen.
Auf dem Karolinenhof bei Kremmen leben hunderte Ziegen und ungezählte Bremsen.Foto: Esther Kogelboom

Ich klappe die Schutzplatte über dem zweiflammigen Gasherd hoch und öffne das quietschende Schiebefenster. In der Besteckschublade sollte ein Dosenöffner sein – oh, es ist ein kraftloses Plastikmodell. Wird es den Kampf gegen die beiden Dosen Gemüseeintopf gewinnen? Es geht.

Umbau zum Schlafparadies

Nach dem Essen denke ich an meine Mutter. Wie oft sah ich sie als Kind mit einer roten Plastikschüssel voll schmutzigem Geschirr zum Abspülbecken eines Campingplatzes verschwinden? Damals fand ich das normal, heute kann ich ihren Gesichtsausdruck besser deuten: Camping mit Kindern ist die Fortsetzung des Alltags unter erschwerten Beding … aua, ein Bremsenstich. Autan!

Ein Höhepunkt steht noch bevor: Der Umbau des T3 zum zweistöckigen Schlafparadies. Die Kinder – von Natur aus begeisterte Höhlenbauer – jubeln. Nie war es leichter, sie zum Zähneputzen zu überreden. Nie war es schwerer, sie zum Einschlafen zu bringen. Die Sonne lässt sich mit den hübschen blau-weiß-karierten Vorhängen nicht aussperren.

Schließlich ist alles ruhig und dämmerig. Wir Erwachsene sitzen im Schein eines Teelichts auf Klappstühlen vor dem Bulli. Kraniche flattern über uns, Baumkronen bewegen sich sanft. Über dem Ziegenstall geht ein riesiger Vollmond auf. Im Mondschein entziffern wir, wohin es morgen gehen soll: über Waldwege etwa 50 Kilometer Richtung Nordwesten nach Bantikow.

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