Rapper Samy Deluxe im Interview : "Auch Idioten brauchen ein Zuhause"

Von der Schule geflogen, schon morgens Joints geraucht – das fing ja gut an. Musiker Samy Deluxe über Steuerschulden, faule Kartoffeln und sudanesische Clans.

von und
Samy Deluxe, Rapper aus Hamburg.
Samy Deluxe, Rapper aus Hamburg.Foto: Thilo Rückeis

Samy Sorge, 38, ist als Samy Deluxe einer der erfolgreichsten deutschen Rapper. Er hat Preise wie den Echo gewonnen und mehr als eine Million Platten verkauft. Derzeit tritt er in der Sendung „Sing meinen Song“ auf. Gerade erschien sein Album „Berühmte letzte Worte“. Sorge lebt in Hamburg.

Herr Sorge, Sie stehen seit 21 Jahren als Samy Deluxe auf der Bühne. Schon Altersbeschwerden?

Im letzten Jahr habe ich mir zwei Mal den Bauchnabel gebrochen, als ich live zu viel Power gegeben habe. Mein Hauptmuskel ist mein Zwerchfell. Ich rappe nicht aus dem Hals, bin ja alte Schule. Der Nabel war entzündet, weil da die ganze Zeit irgendwelche komischen Darmteile rausgepresst wurden.

Ihr Kollege Marteria rappt: „Jeder geht jetzt joggen, redet über seinen Bauch.“ Ist das Hip-Hop 2016 – eine in die Jahre gekommene Subkultur?

Ich spiele Touren, werde auf Festivals gebucht, aber einen Draht zum Schulhof haben heute andere. Mit neuen Werten: dieses Fitnessding ...

... Sie meinen den muskulösen Rapper Kollegah.

Ja, dafür stand niemand in meiner Generation. Heute ist es ein Kriterium für einen guten Rapper, wie groß sein Bizeps ist. Bei vielen sind Image und YouTube-Clips schon alles. Ist für mich okay, wenn das Abnehmer findet. Genau wie die rechten Parteien. Idioten brauchen auch ein Zuhause.

Zu Ihrer Zeit war authentisch sein, real sein, das Wichtigste. Gilt das noch?

Bei YouTube fragen die Kids in der Kommentarspalte: Wie viel Geld verdient Farid Bang? Dann rechnen die sich das anhand von Verkäufen, Vertriebspreisen aus. Warum nicht mit dem, was man gut und gern macht, auch Geld verdienen? In meiner Generation galt: Sobald Peggy, die Frisörin, das auch kannte, war es einfach nicht mehr cool.

Ihr aktuelles Album heißt „Berühmte letzte Worte“. Was waren Ihre ersten?

Ich habe anfangs auf Englisch gereimt. In der siebten Klasse war ich nach dem ersten Halbjahr aus der Schule geflogen, musste das zweite füllen. Da bin ich für ein paar Monate nach England, Cornwall, am äußersten Zipfel der Insel. Von einer Millionenstadt in so ein Dorf – sehr therapeutisch.

Oder sehr langweilig.

Ich habe gelernt, wie ich mich mit mir selbst beschäftige. Wenn morgen alle sterben, komme ich gut allein zurecht. Ich habe viel gelesen, „Herr der Ringe“, mich voll in diese Fantasiewelt geflasht. Ich hatte noch einen Dude, einen meiner Lehrer. Wir sind an den Stränden rumgelaufen, haben Treibgut gesammelt, uns überlegt, was das sein könnte. Mich hat das motiviert, kreativ zu denken. Ein Stück Holz war die Keule von einem Ork.

Moment! Wie fliegt man denn aus der siebten Klasse?

0 Kommentare

Neuester Kommentar