Sauvignon Blanc : Gras im Glas

Der aromatische Weißwein Sauvignon Blanc wird weltweit angebaut und in Deutschland immer beliebter. Ein Rebenreport plus Test.

von
Im Sommer steigt die Lust auf Weißwein. Häufig wird dann ein Sauvignon Blanc geöffnet - zu Recht.
Im Sommer steigt die Lust auf Weißwein. Häufig wird dann ein Sauvignon Blanc geöffnet - zu Recht.Foto: Imago

Die Münchener Weinkellnerin Paula Bosch ist schuld. Die bekannte Sommelière servierte 1997 in einem Münchner Restaurant dem Pfälzer Hansjörg Rebholz einen Sauvignon Blanc, der den Weinmacher aus Siebeldingen schlicht umhaute. So etwas duftig Feines mit mineralischem Biss wollte er auch haben. Drei Jahre später erntete Rebholz seinen ersten Sauvignon, heute zählen seine Weine aus der Loiretraube zu den schönsten in deutschen Landen. „Die Rebsorte fühlt sich wohl in unserem Klima“, sagt Rebholz.
Das haben inzwischen auch viele andere Weinmacher erkannt. Auf einer Fläche von fast 900 Hektar wird die Traube in Deutschland inzwischen angebaut, Tendenz: weiter steigend. Vor allem in der Pfalz, in Baden, Schwaben und Rheinhessen hat die Französin mächtig zugelegt. Obwohl sie erst ab 1999 schrittweise von Anbaugebiet zu Anbaugebiet zugelassen wurde, hat sie mit dem alteingesessenen Gewürztraminer gleichgezogen und andere Newcomer wie die Rotweintrauben Merlot (600 Hektar) oder Cabernet Sauvignon (360 Hektar) abgehängt.

Sauvignon Blanc im Test
Der Sieger. 2015 SB „Aufwind“, Weingut Hensel, Pfalz: Feine, diskrete und komplexe Aromen von Muskat, Frühlingskräutern, Limone, Litschi bis zu Jasmin. Beschwingt, sehr süffig. 11,90 € bei Hammers, Körtestr. 20, Tel: 69 81 86 77.Alle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: Mike Wolff
06.05.2016 10:11Der Sieger. 2015 SB „Aufwind“, Weingut Hensel, Pfalz: Feine, diskrete und komplexe Aromen von Muskat, Frühlingskräutern, Limone,...

Ein leichter Sommerwein, kein Bodybuilder

Vor allem in süddeutschen Anbauregionen zeigt der Sauvignon blanc seine Facetten: als leichter erfrischender Sommerwein, als Fischbegleiter mit mineralischem Unterbau oder als Spitzenwein mit dem Kuss des Eichenholzes. Nur eines kann er nicht: Bodybuilding! Zum muskulösen Brummer taugt er nicht. Die meisten Abfüllungen haben 11,5 bis maximal 13 Prozent Alkohol. „Überreif gelesener Sauvignon wird schnell langweilig“, sagt der schwäbische Topwinzer Rainer Schnaitmann. Auch er zählt zu den Pionieren. In Neuseeland und Südtirol hat er in seinen Weinwanderjahren die Rebsorte kennengelernt. 1994, noch vor der offiziellen Zulassung, pflanzte er die ersten Stöcke als Versuchsprojekt „in einer nicht zu hitzigen Lage, sonst kriegen Sie keine gute Aromatik“.

Noch vor zehn Jahren musste Schnaitmann den Wein unter der Verkaufstheke verstecken und ihn auf der Preisliste totschweigen, so gering war die Menge. Die Kunden jammerten nach Kräften, um zwei Fläschchen zugeteilt zu bekommen. Heute gibt es ausreichende Mengen. Vom Jahrgang 2014 hat Schnaitmann sogar erstmals zwei Versionen produziert: eine grasig-knackige für die Terrasse und eine komplexe für den anspruchsvollen Genuss. Einmal eher grüne, einmal gelbe Aromen – typisch Sauvignon blanc.

Ein Weltbürger, aber im Herzen Franzose

In den 1830er Jahren soll die Traube auf dem Weingut Graf Wolff Metternich im badischen Durbach erstmals in deutscher Erde Wurzeln geschlagen haben, schreibt die Sauvignon-Expertin Sabine Mosbacher-Düringer. Freiherr Ernst Maximilian Zorn von Bulach hatte einige Reben aus Frankreich mitgebracht und zwar vom noblen Chateau d’Yquem, das einen der teuersten Weine der Welt aus den beiden Rebsorten Sauvignon blanc und Semillon keltert. Der Freiherr war in den Sauvignon vernarrt und riet, man solle diese Spezialität „nicht ausgehen lassen und stets sorgfältig pflegen“.
Auch aus der Pfalz wird eine frühe Anpflanzung von 1853 berichtet. Doch die Traube konnte sich nicht durchsetzen und geriet in Vergessenheit. Vielleicht lag es an ihrer Dünnhäutigkeit und damit an ihrer Neigung zur Fäulnis, vielleicht an ihren vorlauten Aromen. Oder es war ihr im 19. Jahrhundert bei uns schlicht zu kalt; bei Winterfrost macht die Rebe schnell schlapp.
Dabei ist Sauvignon blanc ein echter Weltbürger. Er wächst in fast allen Anbauregionen und ist mit 112 000 Hektar globaler Anbaufläche nach dem Chardonnay die zweitwichtigste weiße Traube. Die Heimatregion Frankreich behauptet mit über 25 000 Hektar souverän den Spitzenplatz vor Neuseeland (20 000), Südafrika (9600) und Chile (8700 Hektar).

0 Kommentare

Neuester Kommentar