Schauspieler Mario Adorf : "Mit den Italienerinnen war es nicht einfach"

Er gilt als Gran Signore des deutschen Films, brillierte oft in der Rolle des Schurken. Mario Adorf über Kir Royal, Eifersucht – und Schlussmachen.

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Mario Adorf, 86, wurde 1930 in Zürich in der Schweiz als Sohn eines Italieners und einer Deutschen geboren.
Mario Adorf, 86, wurde 1930 in Zürich in der Schweiz als Sohn eines Italieners und einer Deutschen geboren.Foto: imago

Herr Adorf, in Ihrem neuen Film „Schubert in Love“ spielen Sie einen Patriarchen, der sein Erbe sichern will. Sind das Gedanken, die Sie beschäftigen?

In dieser Filmkomödie spiele ich einen autoritären Vater, dem es um die Fortsetzung einer über tausend Jahre alten Familientradition durch einen männlichen Erben geht. Diesen hehren Anspruch habe ich nicht. Mir genügen geordnete Verhältnisse. Daher habe ich schon vor Jahren ein Testament gemacht.

Sie haben ja schon reichlich deutsche Filmgeschichte geschrieben: mit „Nachts, wenn der Teufel kam“, „Die Blechtrommel“ – oder „Winnetou“. Mit diesem Film wurden Sie 1963 sogar zum Schrecken einer ganzen Generation.
Ich habe Nscho-tschi erschossen, Winnetous Schwester. Danach hing mir das Klischee des Schurken an. Ich will nicht jammern, das sind meist sowieso die besseren Rollen.

Weihnachten sind Sie auch in der Neuverfilmung des Karl-May-Stoffs auf RTL zu sehen.
Da kehre ich zwar nicht als Santer zurück, darf aber als dessen Vater einen weiteren Schurken hinzufügen. So schließt sich nach über 50 Jahren der Kreis. Ich sah eben nie wie der blonde jugendliche Held aus. Meine schwarzen Haare, der sprießende Bart ...

... da unterstellte das Publikum Ihnen sofort Bösartigkeit. Ganz schön rassistisch.
Das hat sich natürlich geändert. Früher hieß es: Mit dunklen Haaren machst du keine Karriere. Adrian Hoven war der erste in den 50er Jahren, der keine blonden Haare hatte und trotzdem erfolgreich war. Da waren die Leute erstaunt.

Das hat Sie nie genervt?
Anfangs am Theater in München habe ich die Naturburschenrollen gespielt, das waren noch sympathische Männer. Früher ging man nach einer Premiere an das schwarze Brett, und dort stand dran, wer in der nächsten Produktion für welche Rolle vorgesehen war. Einmal bat ich Hans Schweikart, meinen Regisseur, mir eine größere Rolle zu geben, ich hätte doch schon einen Film gemacht. Da sagte er: „Herr Adorf, im Film verdient man, im Theater dient man.“

Wir sitzen zusammen im Hotel Bayerischer Hof in München. Da fällt einem sofort die Serie „Kir Royal“ ein, die hier 1985 gedreht wurde.
Eine glückliche Drehzeit! Der Regisseur Dietl hat sich nie mit dem Erstbesten zufrieden gegeben. Es gab eine Szene, in der ich betrunken durch die Drehtür des Hotels hereinstolpern sollte. Ich hatte einen Regenschirm in der Hand, dachte mir aus, anstatt nur hinein zu torkeln, verklemme ich mich mit dem Schirm und drehe eine Extrarunde in der Tür. Ganz stolz war ich auf meine Idee. Dietl kam nach der Aufnahme zu mir und sagte: „Zwei Mal drehen ist nicht gut.“ Ich dachte, er wolle meinen Extradreh streichen. Er aber erstaunte mich: „Nicht zwei Mal, drei Mal musst du es schaffen, dann wird ein Schuh draus.“

Berühmt ist Ihr Satz „Ich scheiß dich zu mit meinem Geld.“ Stimmt es, dass Sie für die Rolle des Industriellen Haffenloher ein Vorbild hatten?
Ja, einen rheinländischen Industriellen mit Lackfabrik – keine Klebstoff-Fabrik wie in der Serie. Auf einem Münchner Filmball kam er mal zu mir und sagte: „Herr Adorf, die Nastassja Kinksi, dat is ja ’n dolles Weib, könnense misch der niddens mal vorstellen?“

Mario Adorf

Der Schauspieler wurde bekannt mit seiner Darstellung eines Frauenmörders in „Nachts, wenn der Teufel kam“. Für diese Rolle erhielt er 1957 den Bundesfilmpreis. Seitdem ist er fester Bestandteil der deutschen und europäischen Kinolandschaft. Er hat mit Regisseuren wie Billy Wilder, Volker Schlöndorff und Helmut Dietl gedreht. Als Adorf in München durch das Atrium des Hotels Bayerischer Hof schreitet, ist er ganz Gentleman: schwungvoller Gang, graues Haar. Er setzt sich auf sich auf die Couch vor den Kamin und redet sofort los. „Tagesspiegel?“, fragt er. „Da hat mich doch einer mal als Prahlhans bezeichnet. Das fand ich nicht schön.“ Er kann sich gut an Begegnungen aus vergangenen Zeiten erinnern. Nicht jede von der Geschichten, sie aus seinem Mund sprudeln, will er später in der Zeitung sehen.

Im Lauf seiner bisherigen Karriere hat Mario Adorf in unzähligen Film-, Fernseh- und Theaterproduktionen mitgewirkt.
Im Lauf seiner bisherigen Karriere hat Mario Adorf in unzähligen Film-, Fernseh- und Theaterproduktionen mitgewirkt.Foto: imago

Haben Sie es gemacht?
Ich glaube nicht, doch der Satz blieb mir im Ohr, und ich benutzte seinen dicken Kölner Dialekt für die Rolle des Haffenloher.

In Ihren Münchner Sturm- und Drangjahren Ende der 50er Jahre haben auch Sie sich gegenüber Frauen nicht immer korrekt verhalten. Ihre Mutter warf Ihnen mal vor, Sie würden sich „wie die Axt im Walde“ benehmen.
Sie war eine sehr geprüfte Frau und hatte keine guten Erfahrungen mit Männern gemacht.

Ihr Vater war ein verheirateter italienischer Arzt, er ließ Ihre Mutter sitzen.
Nach meiner Geburt ist sie meines Wissens ihr Leben lang ohne Mann geblieben. Es gab zwar Anwärter, mal einen wohlhabenden Bauern, mal einen Friseur, doch sie fand „Der stinkt nach Pferd“ oder „Der lackiert sich die Haare.“ Sie war empfindlich. Ihr Motto: Ich würde nie einem Mann die Schuhe putzen. Meine putzte sie! Zu ihr kamen irgendwann manche meiner gekränkten Freundinnen und beschwerten sich.

Worüber denn?
Ich habe zum Beispiel einmal eine Affäre beendet, indem ich die Wagentür öffnete und sagte: „Bitte, das war’s.“

Nicht besonders feinfühlig.
Nein, das war es nicht. Später schämte ich mich dafür. Ich habe sie übrigens nach einiger Zeit wiedergesehen, und wir lachten darüber. Man war schnell und leichtfertig damals. Ich kannte in Schwabing einen jungen Burschen, den ich bewunderte. In einer Bar saß an einem Tisch ein älterer Herr mit einer jungen Dame. Dieser Kerl legte dem Mann die Hand auf die Schulter: „So, Opa, du bist müde, du gehst jetzt gleich in die Heia!“ Der ging, sie blieb. So ein Aufreißer war ich nie.

Sie schmissen nur Frauen aus Autos.
Ich habe sie nicht rausgeschmissen, sondern höflich rausgewunken. Aber das war einmal! Ich musste lernen, wie man Frauen richtig behandelt. Als ich 1965 nach Rom gezogen bin, änderte sich mein Verhalten. Da war ich nicht mehr so wahllos. Mit den Italienerinnen war es auch nicht so einfach.

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