Schauspielerin Jördis Triebel : „Sich verabschieden müssen, damit bin ich groß geworden“

Jördis Triebel wuchs in der DDR auf – in einer Zeit der Abschiede. Noch heute vermisst sie die Papierrollen an den Wohnungstüren.

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Jördis Triebel, Schauspielerin
Jördis Triebel, SchauspielerinFoto: Sven Darmer

Frau Triebel, rauchen Sie?
Wie kommen Sie denn darauf?

Wir haben Sie in „Westen“ gesehen, für den Sie vergangenes Jahr die Goldene Lola als beste Schauspielerin bekommen haben. Da rauchen Sie eine nach der anderen, bis einem allein vom Zuschauen schon schwindlig wird.
Der Film spielt 1975, da war das so. Stimmt, Rauchen vor der Kamera ist immer schwer, da können Sie kaum so tun als ob. Mir wurde selbst richtig schlecht.

Sie geben offenbar immer alles. Obwohl Sie eine Tierhaarallergie haben, spielten Sie in „Emmas Glück“ an der Seite von Jürgen Vogel eine Schweinezüchterin.
Ich habe sogar vorher ein dreiwöchiges Praktikum in einem Schweinemastbetrieb gemacht. Ich hatte damals gelesen, dass es helfen würde, wenn man zum Beispiel Kinder, die zu Allergien neigen, einfach mal einen Sommer lang auf einen Bauernhof schickt. Also dachte ich, ich immunisiere mich selbst, indem ich mich da voll reinschmeiße.

Hat es geklappt?
Meine Allergie ist seitdem nicht mehr so stark.

Hatten Sie als Kind ein Haustier?
Eines? Ich und meine Schwester, wir hatten Kaninchen, Meerschweinchen, Mäuse, Papageien, eine Schildkröte, wir hatten alles.

Was in Berlin von der DDR übrig blieb
Kleiner Exkurs ins Berliner Umland: Im Luftfahrtmuseum Finowfurt bei Eberswalde steht noch eine Lenin-Statue. Sie stand einst vor dem inzwischen abgerissenen Offizierscasino der russischen Streitkräfte in Eberswalde. Es war am 8. Mai 1975 feierlich enthüllt worden.Weitere Bilder anzeigen
1 von 158Foto: Jürgen Ritter/Imago
30.08.2017 08:37Kleiner Exkurs ins Berliner Umland: Im Luftfahrtmuseum Finowfurt bei Eberswalde steht noch eine Lenin-Statue. Sie stand einst vor...

Sie sind in der DDR groß geworden. Kaninchenzüchten war dort ein populäres Hobby, um die Tiere irgendwann zu schlachten.
Unsere Kaninchen waren zum Kuscheln da. Schlachten, das geht ja gar nicht. Obwohl, das Meerschweinchen ... das war allerdings eher ein Unfall. Und ich war noch ganz klein, höchstens drei. Ich wollte mit ihm Fangen spielen, mit einem Würfel, den das Meerschweinchen zurückwirft. Das hat nicht so gut geklappt.

In Ihrem neuen Film „Das Familienfest“ ist die Familie der Ort des größten Horrors.
Mir persönlich bedeutet Familie sehr viel, vor allem, seit ich eine eigene habe. Danach habe ich mich immer gesehnt, weil ich dann das Gefühl habe, im wirklichen Leben angekommen zu sein.

Im Film wird der 70. Geburtstag des Patriarchen gefeiert, eines echten Tyrannen, und die Sache läuft aus dem Ruder. Haben Sie solch einen Albtraum schon einmal erlebt?
Nicht einmal ansatzweise, Sie vielleicht?

Streit kommt in den besten Familien vor.
Also, meine Eltern sind getrennt, insofern muss ich immer alles doppelt feiern, was aber auch nicht so schlecht ist. Mein Vater hat eine große Familie, meine Mutter auch, da hat dann jeder seine eigenen Feste.

Ihre Filmfigur ist Krankenschwester und lässt sich von einem ihr bis dahin Unbekannten auf ein Familienfest mitnehmen. Der entpuppt sich als todkrank, das Fest ist grauenhaft, sie bleibt trotzdem. Ist das nicht seltsam?
Ich fand das faszinierend, dass sich Menschen in einen Sterbenskranken verlieben. Und vergessen Sie nicht, meine Figur ist Krankenschwester. Außerdem ist der Max, den Lars Eidinger spielt, ja auch ganz schön schnuckelig. Von einem interessanten Mann eingeladen zu werden, ich wünschte, das würde mir öfter passieren. Ich wäre da auch mitgegangen.

Sie kokettieren! Stimmt es, dass Sie schon als Kind Ihren ersten Schauspielpreis bekommen haben?
Naja, nicht ganz. Als ich klein war, fungierte mein Vater in der DDR als Ferienlagerleiter seines Betriebes, und ich durfte immer mit. Ich war allerdings jünger als die anderen Kinder und bei den Wettbewerben nicht wirklich konkurrenzfähig. Weil ich ständig tanzte, arrangierte mein Vater das so, dass ich einen Trostpreis als Tanzmaus bekam.

Zu welcher Musik tanzen Sie?
Damals war es Disco, heute eher Soul und Funk. Dazu tanze ich auch zu Hause durch die Wohnung. Und ich habe eine große Wohnung. Was stimmt: Ich wollte schon immer Schauspielerin werden, seit meiner Kindheit.

Sie haben im Schultheater brilliert.
Leider nicht. Ich war zwar recht aufmüpfig, sehr laut, sehr frech, aber auf der Bühne war ich furchtbar schüchtern. Damit habe ich heute manchmal noch Probleme. Obwohl mich meine Mutter immer wahnsinnig unterstützt hat.

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