Schlosshotel Grunewald : Icke bei den Gatsbys

Wer nach Einbruch der Dunkelheit durch das schwere schmiedeeiserne Tor fährt, schwelgt in Träumen.

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Der Gatsby-Flair. Das Schlosshotel in Berlin-Grunewald erinnert an die goldenen 20er Jahre.
Der Gatsby-Flair. Das Schlosshotel in Berlin-Grunewald erinnert an die goldenen 20er Jahre.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Manche Menschen haben einfach Glück. Sie sind Juristen. Walter von Pannwitz hatte noch mehr Glück, denn er war, außer, dass er ein angesehener Strafverteidiger war, auch noch mit dem Kaiser vertraut. Und damit nicht genug. Als Kunstsammler hatte er Glück, und mit einer bildhübschen Frau war er auch noch verheiratet. Catalina Roth brachte sogar ihrerseits eine umfangreiche Kunstsammlung in die Ehe mit ein.

Im Jahr 1910 trug sich das Paar mit dem Gedanken, von München nach Berlin überzusiedeln. Mit seinen Kunstwerken, versteht sich. Für diese brauchte es nun ein passendes Haus, ein Palais würde wohl gerade ausreichen, um all die schönen Stücke unterzubringen, die die Pannwitzens angehäuft hatten. Zehn Millionen Goldmark gaben sie für den Bau aus. Aber als der Kaiser 1914 zum ersten Mal vorbeischaute, soll er Augen nur für eines gehabt haben: die Gattin des Hausherrn, die er „meine Freundin Panni“ nannte.

Was man natürlich alles nicht wissen muss, wenn man nach einbrechender Dunkelheit durch das schwere schmiedeeiserne Tor des Schlosshotel Grunewald fährt, um eine Nacht in vollendeter Gatsby-Kulisse zu verbringen. Auch Berlin hatte seine großen Gatsbys. Es hat sie nun wieder. Wer wollte nicht einmal nächtigen, wo es den Kaiser hinzog?

Alles Neue ist Schwarz, Weiß oder Grau

Das Schlosshotel im Grunewald hat viele berühmte Menschen beherbergt. Übrigens den anderen Kaiser auch, der dem Land 2006 die Fußball-WM beschert hat. Und es hat viele Besitzer gehabt. Zuletzt hat es Modedesigner Patrick Hellmann übernommen. Der gestaltet die Zimmer nun sukzessive um, was den Prunk alter Tage mit einem gewissen modischen Chic verbindet.

Auch Hellman scheint Kunstsammler zu sein. Im Treppenhaus hängt abstrakter Schwarzweiß-Minimalismus, darunter Entwurfszeichnungen des Modedesigners. Überhaupt ist alles Neue entweder Schwarz, Weiß oder Grau. Alles Alte ist alt.

Die dicken Vorhänge vor den himmelwärts ragenden Fenstern polstern die Seele. Und das ist gut in dieser Fremde, die wegen der absurd kurzen Distanz zum eigenen Heim ja etwas an sich schon Fragwürdiges hat. Die klassizistischen Möbel, Gemälde und Leuchter geben einem das Gefühl, in einem Gästezimmer zu sein. In ihm wurde gelebt, denke ich, und das Mobiliar ist eine Art Treibgut der Geschichte.

Ich überlege, ob ich den Fernseher anschalten sollte, wie ich es sonst in Hotels sofort mache, um die Beliebigkeit des Ortes zu bezwingen. Aber da schlafe ich bereits.

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