Schwule, Lesben und Migranten als Schützenkönig : Querschläger im Schützenverein

Im westfälischen Werl wurde ein Muslim Schützenkönig. Heimatverbundene Christen lärmen: Das geht nicht! Es ist nicht der erste Zwist. Eine kleine Skandalbilanz.

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Emin Özel mit seiner Frau Nilgün.
Emin Özel mit seiner Frau Nilgün.Foto: pa/dpa

Fall 1: Die Lesbe. Am Montag wurde sie Königin, am Dienstag kam der Anruf vom Bundesverband. Eine Lesbe als Schützenkönigin im niederrheinischen Haffen? Das darf nicht sein. Noch in derselben Woche, im August 2012, musste eine Abordnung ihrer St.-Lambertus-Schützenbruderschaft nach Leverkusen reisen, dort hat der Bund Historischer Schützenbruderschaften seine Geschäftsstelle. Die Delegation kehrte geknickt heim, erinnert sich Margret Derksen. „Üble Schelte gab’s.“ Ihrem Verein drohte der Rausschmiss. Denn im Regelwerk stand: Homosexuelle dürfen zwar am Vereinsleben teilnehmen und auch um den Titel des Schützenkönigs mitschießen – aber sollten sie Erfolg haben, dürfen sie auf keinen Fall gemeinsam mit dem gleichgeschlechtlichen Partner in der Öffentlichkeit auftreten. Die St.-Lambertus-Schützenbruderschaft gibt es seit 1976, sie hat derzeit 240 Mitglieder, ein Fünftel der gesamten Dorfbevölkerung. Wer das Leben in Haffen mitgestalten will, sollte im Schützenverein aktiv sein. Für die katholischen Traditionalisten war Margret Derksen gleich in mehrfacher Hinsicht eine Reizfigur: nicht nur lesbisch, auch protestantisch und zu allem Überfluss bei den Grünen. Am meisten fürchtete der Bundesverband, Margret Derksen könne beim Bezirkskönigsschießen negativ auffallen. Dort treten die Schützenkönige der Umgebung gegeneinander an. Im Vorfeld reiste extra der Hochmeister, wichtigster Amtsträger des Bundes, nach Haffen, forderte einen Kompromiss: Derksens Partnerin solle sich beim Bezirkstermin im Hintergrund halten. Weil die Königin keine Kollektivstrafe riskieren wollte, stimmte

Margret Derksen.
Margret Derksen mit Partnerin.Foto: privat

sie zu. „Wer verändern möchte, braucht Geduld“, sagt sie heute. In den vergangenen 30 Jahren seien schon etliche Tabus aufgeweicht worden, immer dadurch, dass Vereine an der Basis Tatsachen schafften, die Oberen irgendwann die Realität anerkannten. Erst durften Geschiedene und Wiederverheiratete mitschießen, später sogar Protestanten. Seit 2006 können in Haffen auch Frauen Vollmitglied werden, seitdem ist Derksen dabei.

Dass der Bundesverband auch im aktuellen Fall – bei dem Muslim aus Werl – in dieser Woche eingelenkt hat und dem Mann seine Königswürde lässt, freut Derksen sehr. Sie selbst hat sich vor zwei Monaten übrigens zur Ortsvorsteherin wählen lassen. Der ersten seit Jahrzehnten ohne CDU-Parteibuch. Im Schützenverein ist sie immer noch Schriftführerin.

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