Sebastian Leber schaltet nie ab : Warum Angela Merkel einmal betrunken vom Boot kippte

Im Internet verstecken sich Schätze. Um sie zu bergen, muss man tief tauchen. Aber es lohnt sich.

von

Unseriöse Zeitungen neigen bekanntlich zu Sensationsüberschriften, die mehr versprechen, als der folgende Artikel hält. Viele Online-Medien tun dies ebenso, dort heißt die Taktik clickbaiting, zu Deutsch: klickködern. Doch nicht so Ihr Tagesspiegel. Angela Merkel ist tatsächlich betrunken vom Boot gekippt, und hier wird verraten, wieso.

Mindestens so alt wie Facebook sind die Belehrungen junger Menschen, bloß keine Fotos von Saufgelagen ins Netz zu stellen. Weil man diese dort nie wieder rauskriegt, und eines Tages entdeckt sie wer, der sie nicht entdecken sollte, zum Beispiel die Personalabteilung der Firma, bei der man sich gerade bewirbt.

Prominenten ergeht es ähnlich. In frühen Jahren, in denen sie noch keine Berater hatten, um Peinliches zu verhindern, haben sie Spuren hinterlassen. Die sind heute im Kollektivgedächtnis unserer Zeit abgespeichert, also im Internet. Es gleicht einem gigantischen Ozean, der ständig wächst, weil ihm zahllose Flüsse weiteres Wasser zuführen. Unter der Oberfläche verstecken sich Schätze, für die man tief tauchen muss, um sie zu bergen.  Aber es lohnt sich. Hier die fünf schönsten Fundstücke meiner letzten Tauchgänge.

5. Im Mai 1976 porträtiert die „New York Times“ den Bodybuilder Arnold Schwarzenegger. Zuerst wundert sich der Reporter, dass ein Mensch überhaupt so heißen kann. Dann spricht Schwarzenegger offen über seinen Steroidkonsum. Und dass seine Muskeln am Strand Frauen verschrecken.

4. Der junge Bundestagsabgeordnete Horst Seehofer schlägt 1987 radikale Maßnahmen gegen HIV vor: Er will das Bundesseuchengesetz auf Aidskranke anwenden. Und fordert, Infizierte „in speziellen Heimen zu konzentrieren“. Sein Parteifreund Peter Gauweiler will Zwangstests für Risikogruppen und angehende Beamte, infizierte Nichtdeutsche sollen ausgewiesen werden.

3. Anfang 1994 lässt sich die damalige Jugendministerin Angela Merkel im „Spiegel“ von Tote-Hosen-Sänger Campino interviewen. Sie erinnert sich an ihr Partyverhalten als Schülerin („Ich war immer das Mädchen, das Erdnüsse isst und nicht tanzt“) und verrät ihre übelste Rauscherfahrung: Im Alter von 18 Jahren sei sie auf der Abiturfeier um vier Uhr nachts nach zu viel Kirsch-Whisky aus einem Boot gekippt. Zitat: „Für einen Moment hatte ich vergessen, dass ich ins Wasser falle, wenn der neben mir aufsteht.“

2. Noch einmal Angela Merkel. 1992 tritt die Ministerin in der RTL-Pöbel-Show „Explosiv – Der heiße Stuhl“ zum Streitgespräch an, trifft dort auf den jungen Horrorfilm-Regisseur Christoph Schlingensief. Der berichtet süffisant von seinem Werk „Das deutsche Kettensägenmassaker“, in dem naive Ostdeutsche von einer westdeutschen Metzgerfamilie abgeschlachtet werden. Angela Merkel ist empört. Sie sagt, einen solchen Film könne nur drehen, wer nie in der DDR gelebt habe! So streitlustig, forsch und schlagfertig wird man sie in der Öffentlichkeit nie wieder sehen.

1. Im Dezember 1993 veröffentlicht die britische Tageszeitung „Independent“ ein wohlwollendes Porträt über einen saudischen Unternehmer, der gerade als Bauingenieur eine 500 Kilometer lange Schnellstraße durch den Sudan baut. Der Reporter beschreibt ihn als schüchtern und genügsam, darf ihm sogar beim Zähneputzen zuschauen. Der Name des Mannes: Osama bin Laden.

PS: Tauchen Sie auch gerne tief? Dann schicken Sie uns doch Ihre Schätze – per Mail an Sebastian (punkt) Leber (at) tagesspiegel (punkt)de

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar