Tiere im Dialog : Die Papageien-Protokolle

Es ist keine neue Abhöraffäre, aber dennoch spektakulär: Weil die Halter sprachbegabter Vögel gern behaupten, ihre Papageien würden nicht nur dumm nachplappern, haben wir bei drei Gesprächen mitgelauscht.

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Manche Papageien haben die kognitiven Fähigkeiten eines dreijährigen Kindes, sagen Forscher.
Manche Papageien haben die kognitiven Fähigkeiten eines dreijährigen Kindes, sagen Forscher.Foto: Mauritius

Seit Familie Szelies zwei Graupapageien im Wohnzimmer hält, bleibt der Fernseher aus. Waltraud und Coco sind Geräuschkulisse genug. Wobei Waltraud ursprünglich ebenfalls Coco hieß: Als Annette Szelies den Vogel bei sich aufnahm, musste zur besseren Unterscheidbarkeit ein neuer Name her – zum Glück sprach der eine Coco den anderen von sich aus mit Waltraud an, sodass die Frage rasch geklärt war. Jetzt imitieren und kommentieren sie in einem fort. Annette Szelies behauptet: Es ist nicht nur Blödsinn dabei.

Tatsächlich sind sich Verhaltensbiologen inzwischen einig, dass Papageien menschliche Sprache bewusst einsetzen, Bedeutungen einzelner Wörter erkennen und für ihre Interessen nutzen können. Aufsehen haben Studien der Forscherin Irene Pepperberg aus Massachusetts erregt: Ihr Versuchsobjekt, Graupapagei Alex, verstand 500 Wörter, konnte 200 davon selbst aussprechen. Einen anderen, weniger talentierten Vogel herrschte er zuweilen mit „Rede deutlich!“ an. Pepperberg bescheinigte Alex die kognitiven Fähigkeiten eines dreijährigen Kindes. Gerade deshalb warnen Tierschützer davor, Papageien als Bespaßungsmaschinen zu sehen. Sie benötigten täglich drei bis vier Stunden Zuwendung, ohnehin müsse man sie wenigstens paarweise halten, ansonsten vereinsamten die Tiere.

Sind Fremde im Raum, verstummen sie leider oft. So lassen sich Beteuerungen der Halter, wie intelligent ihre Vögel seien, kaum überprüfen. Außer man lässt Tonbänder mitlaufen.

Wir wollten es wissen. Auf den folgenden Seiten finden Sie drei Abschriften unserer Lauschangriffe. 

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