Tourist in der eigenen Stadt : Eine Nacht im Hotel de Rome

Ungeheuer oben - für unsere Kolumne "In Fremden Federn" nächtigte unsere Autorin in einem der luxuriösesten Berliner Hotels.

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Dezent luxuriös. Unter 300 Euro pro Nacht geht im Hotel de Rome nicht viel. Foto:Johannes Eisele/AFP
Dezent luxuriös. Unter 300 Euro pro Nacht geht im Hotel de Rome nicht viel.Foto:Johannes Eisele/AFP

So. Jetzt einfach einen gaanz langen Arm machen, knick knack, und sich das Goldkreuz wie eine Blume pflücken. Nicht irgendeins. Sondern das, was auf der grandiosen Kuppel der Sankt-Hedwigs-Kathedrale hoch über dem Bebelplatz wacht. Von der „Rooftop Terrace“ auf dem Hotel de Rome aus scheint das ganz leicht möglich zu sein.

Hier auf einem Rattansofa lümmeln und mit der Ingwer-Limonade in der Hand die Abendsonne hinter dem Zeughaus versinken zu sehen, befeuert Allmachtsfantasien. Sicher tragen die lässige Eleganz der Luxusherberge und die ringsum tanzenden Baukräne der alten und neuen Stadtmitte Schuld daran, dass Rainald Grebes Song „Oben“ im Gehirn erklingt: „Oben, Ich bin oben / Ich hab’s geschafft / Ich les’ grad’ ein Buch: ,Die klassenlose Gesellschaft‘ / Ich hab sehr gelacht.“

Ja, Sir Rocco Fortes dezentes Nobelhotel, das 2006 in der Behrenstraße in der einstigen Geschäftszentrale der Dresdner Bank eröffnete, nimmt keine Jedermann-Preise. Unter 300 Euro pro Nacht geht nicht viel. Und in den holzvertäfelten meterhohen Suiten, die einst Direktorenzimmer waren, kann die Nacht schnell vierstellig werden.

Große Aussicht. Sir Rocco Forte 2005 bei der Baustellenbesichtigung des Hotel de Rome. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Edle Aussicht. Sir Rocco Forte 2005 bei der Baustellenbesichtigung des Hotel de Rome.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Doch hat man, von den „Linden“ kommend, erst den steinernen Bebelplatz passiert und das von Geisterhand aufschwingende Portal samt Eingangstreppe überwunden, herrscht betont unaufgeregte Herzlichkeit. Die Rezeptionistin geleitet zum Zimmer. Jeden? Immer? Sie nickt. Außer, der Ankömmling wünscht es nicht. Die vorab erbetene Hotelführung streift den prächtigen, von Stuck und Sandstein dominierten Ballsaal, der einst der zweigeschossige Kassensaal der Bank war, den Spa-Bereich, dessen dicke Metalltüren von der einstigen Funktion als Tresorraum künden, und die mit Extrazimmer für Nanny oder Bodyguard ausgestattete Suite, die einst Tom Jones bewohnt hat. Statt Plüsch regieren Design und geschichtsträchtige Aura.

Der Balkonblick auf den nahen Gendarmenmarkt und der Terrassenblick auf den Lustgarten sind so sehr und so gar nicht Berlin. Die Giebelplastiken der Museen, die Kupferdächer – fast wie in Rom. Eine Assoziation, die auch der Hotelname, gewählt in Erinnerung an das 1910 abgerissene legendäre Grand Hotel de Rome Unter den Linden, nahelegt.

Vor einem aprikotfarbenen Himmel ziehen Schwärme von Vögeln über den Himmel. Der „Rooftop“-Saxofonist spielt „Summertime“, eine leichte Brise kräuselt bunte Sonnenschirme. Ein Abend wie am Meer. Oder wie Rainald Grebe weiß: „Oben, das wissen auch die Vögel, / Fliegt sich’s einfach viel entspannter.“

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