Tourist in der eigenen Stadt : Eine Nacht im Savoy

Das Savoy liegt in der neuen City-West, setzt aber auf Traditionen. Mit Zigarren und schweren Möbeln.

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Das Savoy in der Fasanenstraße gibt es seit 85 Jahren.
Das Savoy in der Fasanenstraße gibt es seit 85 Jahren.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Nach Charlottenburg also. Dahin, wo der Berliner Westen mit Kranzler-Eck und Ku’damm für Jahrzehnte das Bild der alten und neuen Hauptstadt prägte. Und wo heute die Galerien am Savignyplatz und das Bikini-Haus die neue City-West ausgerufen haben. Dorthin also, wo sich die eigene Stadt auch für Ur-Berliner von einer anderen Seite als Metropole bestaunen lässt – in Kreuzberg, in Neukölln und ganz sicher in Prenzlauer Berg herrscht ja eher kleinstädtisches Gefühl, in Köpenick oder Zehlendorf sogar ländliches.

Ein paar Meter vom Ku’damm entfernt, gegenüber dem Delphi-Kino liegt in der Fasanenstraße das Savoy. Als Traditionshaus, 85 Jahre am Platze, passt es in dieses Viertel. Den Räumen sieht man die Geschichte an – die Gastgeber legen Wert auf schwere Möbel inklusive Samtbezüge. Dazu gibt es die hauseigene „Times Bar“, in der kubanische Zigarren gereicht werden. Keine Sorge, das Frühstück gibt es im Saal nebenan, rauchfrei.

An einem kalten Sonntag steht vor dem Haus eine Besucherin, der Mundart zufolge aus Stuttgart, und fragt: „Entschuldigen Sie, wo geht es bitte zum Tierpark?“ Den in Lichtenberg? Ob sie nicht eher den Zoologischen Garten meint? Dahin sind es vom Savoy nämlich nur einige Minuten: Einfach durch die zugigen Straßen rund um den neuen Waldorf-Astoria-Turm und die Busstation vor dem Bahnhof Zoo, dem einst größten S-,U,-und Fernbahnhof der Stadt, seit den 1950ern Kulisse zahlreicher Filme.

In der "Times Bar" mit dem angrenzenden begehbaren Humidor darf geraucht werden.
In der "Times Bar" mit dem angrenzenden begehbaren Humidor darf geraucht werden.Foto: Thilo Rückeis

Auch am Sonntagabend schlendern dort erstaunlich viele Touristen von Imbiss zu Kiosk zu Schaufenster. Haben die nicht hören wollen, dass das Leben den Reiseführern zufolge in Mitte, Kreuzberg, vielleicht auch in Neukölln toben soll? Oder spüren sie einfach, dass der alte Westen schon wieder zurück ist?

Auf der Joachimsthaler Straße gibt es immerhin einen Riesen-Späti, der den gut sortierten Bier- und Snackausstattern in Kreuzberg in nichts nachsteht. Flanierende Niederländer wissen das an diesem Sonntagabend zu schätzen. Ansonsten scheinen in Charlottenburg vor allem Schweden, Dänen, Briten und Amerikaner unterzukommen. Auch im Savoy nächtigen Geschäftsreisende, Paare und Familien aus diesen Ländern – und eben besagte Besucherin aus Stuttgart.

Die kommt übrigens nicht aus Stuttgart, sondern aus Konstanz. Und in den Tierpark wollte sie auch nicht, wie sich herausstellt. Sie wollte sich im Tiergarten die Siegessäule anschauen ... Auch ein schöner Ort im Westen.

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