Wenn Paare sich trennen : Da steckt man nicht drin

Gestern noch schien das Paar glücklich zu sein, dann die Überraschung auf Facebook: Die beiden haben sich getrennt! Gedanken zur Endlichkeit der Liebe.

Antje Joel
Botschafter überraschender Nachrichten: das Internet.
Botschafter überraschender Nachrichten: das Internet.Foto: dpa

Neulich brach eben mal kurz meine Welt zusammen, und das kam so: Mein alter Freund Jeff, drüben in Idaho, hat seine Frau verlassen. Diese Frau, die ich schrecklich laut, rechthaberisch und beifallssüchtig fand. In der ich den Freund nicht mehr wiedererkannte. Diese Frau, von der ich immer wieder mal hoffte, dass sie nur ein Versehen war. Ein viel zu lang währender, hoffentlich nicht mehr allzu lang währender Zustand bedürfnisbedingter Umnachtung. Diese Frau ist jetzt aus heiterstem Ehehimmel tatsächlich Geschichte. Und ich überraschte mich mit der Erkenntnis, dass ich darüber beinahe so erschrocken und hoffnungslos bin wie sie.

Die beiden waren gar nicht so lange zusammen. Ich meine: gemessen an der Ewigkeit, die man einander zu Beginn jeder Riesenliebe verspricht. Sie waren sechs Jahre ein Paar, drei davon verheiratet. Gemessen an der Ewigkeit ist das nichts. Gemessen an der Leere und Einsamkeit, die seine Frau jetzt empfinden muss, ist das alles. Eben noch waren sie das öffentlich glücklichste Paar auf Facebook. Brieten mit den verschiedenen Enkeln gemeinsam Frühstückspfannkuchen. Saßen beim Barbecue mit den Nachbarn und Freunden. Trieben zu Pferd Kühe und Kälber über die Prärie. Über diesen letzten Videobeleg ihres Glücks schrieb die Frau stolz: „Jeffs Büro heute früh! Mein Leben ist ein Traum!“

Dann war der Mann weg, der Traum ausgeträumt. Plötzlich, öffentlich, der Beziehungsstatus bei Facebook: „Jeff ist jetzt in einer Beziehung mit ...“. Der Name, der folgte, war nicht der Name seiner Frau. Die Frau auf dem Bild war nicht seine Frau. Die Frau auf dem Bild war viel dünner, ein paar Jahre jünger. Sie hatte längeres, lockigeres Haar. Sie hatte viel weichere Züge. War das alles von Belang? Die schöne Fremde lachte. Sie drückte Jeff einen Kuss auf die Wange. Mein alter Freund strahlte. Im ersten Impuls fragte ich mich: Ist das ein Witz?

Mein alter Freund ist 52. Noch ein paar Jahre älter als ich. Das ist eine Lebensphase, in der man nicht mehr unbedingt ein Bäumchen-wechsel- dich aus scheinbar heiterem Himmel erwartet. Selbst wenn man’s sich für den Freund wünscht, ab und an. Oder? Auf jeden Fall erwartete ich es nicht von meinem alten Freund. Den ich für einen feinen Kerl halten will, für einen guten Mann. Standfest, zuverlässig, in sich ruhend. Ein working cowboy, so etwas gibt es da drüben in Idaho noch. Ich lernte ihn kennen vor mehr als zehn Jahren, als ich selbst einmal ein Vierteljahr auf einer Ranch dort arbeitete. Kühe treiben, Pferde einreiten. Nicht unbedingt Fähigkeiten, die man mir in die Wiege gelegt hatte. Das war für mich und jeden ersichtlich. Dass mein Cowboyfreund dagegen an mich glaubte, hat mein Bild von ihm und unsere Freundschaft geprägt.

Als ich vom Pferd stürzte, einmal, zweimal, und mich jeweils mit zitternden Knien und fliegendem Magen zurück in den Sattel zog, sagte er: „Du federst gut.“ Das musste reichen. Später, in Irland, kaufte ich für eine lächerliche Summe eine Stute, die schon den Vorbesitzer das Fürchten gelehrt hatte. Nach Monaten und Monaten des Trainings vom relativ sicheren Boden aus fand ich sie weiterhin unberechenbar. Ich rief meinen alten Freund an: „Was kann ich noch mit ihr machen, damit ich nicht gleich aus dem Sattel fliege?“ Meine Angst ließ ihn ungerührt. „Ich glaube, du hast sie genug mit Vorbereitungen gequält. Du weißt, es ist Zeit, dich zusammenzureißen und aufzusteigen.“ War nicht meine Wunschantwort, klar. Nur braucht einer manchmal genau das, damit er zurück oder überhaupt erst mal in den Sattel steigt. Gibt nicht so viele Helfer, die cool genug sind, das zu erkennen. Darum hänge ich an meinem alten Freund.

Damals war er verheiratet. Mit einer anderen Frau, die ich mochte, und die nun auch und viel länger nicht mehr seine Frau ist. Er hatte mit ihr vier Kinder, die waren schon ziemlich erwachsen. Ein paar Jahre nach meiner Zeit auf der Ranch schrieb mein Cowboyfreund mir überraschend: „Ich habe meine Frau ausgetauscht!“ So ein Satz ist genau genommen nicht witzig. So ein Satz könnte, sollte möglicherweise sogar als Indikator gelten für einen, der Frauen nicht wichtig genug nimmt. Nicht ernst. Er könnte ein bisschen ein Indikator sein für ein Chauvi-Schwein. Ein Arschloch. Oder eben für einen, der das Unberechenbare annimmt als Leben. Und dann wieder ist es auch einfach so, dass es Menschen gibt, an denen hängt man, trotz allem.

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