Wie ein Habicht Helen Macdonald zu einem Bestseller inspirierte : Wilder wohnen

Als ihr Vater starb, verlor Helen Macdonald den Lebensmut. Dann nahm sie einen Habicht im Haus auf, erholte sich – und schrieb einen Bestseller darüber.

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Helen Macdonald richtet ihr Leben nach dem des Tieres aus: Ein Leben ohne Partner, im Kühlschrank drei Fächer voller Wachtelküken, darüber drei Fächer voller Tiefkühlpizzen.
Helen Macdonald richtet ihr Leben nach dem des Tieres aus: Ein Leben ohne Partner, im Kühlschrank drei Fächer voller Wachtelküken,...Foto: Si Barber

Rückblickend gab es durchaus komische Momente, sagt Helen Macdonald. Zum Beispiel den Tag, als sie irgendwo in England an einer Landstraße neben ihrem Habicht saß, der gerade Beute geschlagen hatte. Ein Wagen fuhr vorbei, zwei Menschen guckten heraus und warfen einen doch eher fassungslosen Blick auf die Frau. Weil die so aussah, wie man eben aussieht, wenn man gerade ein paar Stunden einem jagenden Greifvogel hinterhergerannt ist: die Hose zerrissen, die Kleidung lehmverdreckt. Die Haare zerzaust, da seit Wochen ungewaschen, dazu verschmiertes Kaninchenblut.

Haben Sie sich mal gefragt, ob Sie sich in letzter Zeit womöglich etwas haben gehen lassen?, fragte dann der Psychologe, dem Macdonald beim ersten Therapietermin von ihren Jagdausflügen berichtete. Möglicherweise schon, dachte er und verschrieb Antidepressiva. Heute kann sie darüber lachen.

Schon als Kind war sie begeistert von Raubvögeln

Der Rest ist nicht so witzig und steht in dem Buch „H wie Habicht“, dessen deutschsprachige Übersetzung diese Woche im Ullstein Verlag erschien. Ein Buch über das Jahr nach dem überraschenden Tod ihres Vaters 2007, als die heute 44-jährige Autorin in Trauer versank. Und sie, die schon als Kind so begeistert war von Raubvögeln, dass sie mit hinter dem Rücken zusammengelegten Armen zu schlafen versuchte, immer wieder von ihnen träumte. Bis sie sich entschloss, einen Habicht abzurichten. Mit ihm zusammenzuleben, stärker noch: wie der Vogel zu werden. „Frei von Trauer und taub gegenüber den Verletzungen des Lebens“, wie sie schreibt.

Zurück zur Natur also. Aber anders als sonst, denn Macdonald bleibt zu Hause. In einem kleinen Haus am Stadtrand, in der Nähe der Natur. Der Habicht kommt zu ihr. Er ist ihr nicht zugeflogen, bei einem Falkner hat sie ihn gekauft.

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