Wo Kate und William fürs Kinderzimmer einkaufen : Die Wiege der Royals

England fiebert mit Prinz William und seiner Kate. Wo werden sie fürs neue Kinderzimmer einkaufen? Ein Geschäfte-Check in London.

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Wird bald Mutter: Prinzessin Kate.
Wird bald Mutter: Prinzessin Kate.Foto: dpa

Für Mitte Juli wird in Großbritannien mit der Ankunft von Nummer drei gerechnet. Nummer drei in der königlichen Thronfolge, egal, ob das erwartete Kind nun ein Prinz oder eine Prinzessin wird.

Klar ist, Nummer drei wird ein Trendsetter, wie seine Mutter, Kate Middleton, die Duchess of Cambridge. Was sie anfasst, wird zu Gold, selbst wenn es sich eigentlich um falsche Perlen handelt. Man nehme nur einmal das Collier, das sie vergangenes Jahr zum diamantenen Thronjubiläum der Queen trug.

Das Collier hatte ganze 48 Pfund gekostet, bei Heavenly Necklaces, einem Internethändler für imitierte Preziosen. Hunderte Bestellungen gingen danach für genau diesen Schmuck ein, die Wartezeit betrug schließlich drei Monate. Ähnliches geschah, als Kate Middleton in einem gepunkteten Schwangerschaftskleid von Topshop gesehen wurde. Umfragen zufolge ist die Duchess die einflussreichste Frau Großbritanniens, wenn es um Modefragen geht. 30 Prozent der Britinnen würden kaufen, was sie mag.

Neuerdings interessiert sich Kate Middleton für Kindermöbel. Entsprechend groß war der Aufruhr, als die werdende Mutter in der Walton Street in Londons Bezirk Chelsea gesichtet wurde.

Walton Street, das hat Tradition. Die eher ruhige Straße läuft auf den Walton Place zu und endet unmittelbar hinter dem Kaufhaus Harrods. Sie wird von zweistöckigen, weißen Reihenhäuschen gesäumt, mindestens eines ist gerade frei und für drei Millionen Pfund zu haben. Ungefähr in der Mitte befindet sich „Dragons of Walton Street“, ein Babyausstatter, auf dessen Fassadenbild kleine Häschen flanieren. Im „Dragons“ stand eines Tages im Jahre 1982 Lady Diana, die Princess of Wales, kurz vor der Geburt ihres Ältesten, dem heutigen Prinz William, Ehemann von Kate Middleton.

Schüchtern sei sie gewesen und beinahe ohne Entourage gekommen, so wird heute im Dragons berichtet. Zwar ist die damalige Besitzerin Rosie Fisher inzwischen verstorben, aber Lucinda Croft, ihre Tochter, war damals 16 und Augenzeugin. Die Szene ist so etwas wie der Gründungsmythos für den Laden. Lady Di hat handbemalte Kinderstühle erworben. Und was noch? Lizzy Mackey lächelt. Sie ist die Innenausstatterin hier und bittet um Verständnis. Man sei da zur Diskretion verpflichtet.

Das ist der Moment, in dem Mazy Moghadam sich vorstellt. Er spricht nicht nur fließend Englisch, sondern ebenso gut Deutsch, der 42-jährige Sohn iranischer Eltern ist in Hanau geboren, aber die Familie übersiedelte bald nach Monaco. Der Vater war erfolgreicher Teppichimporteur, Gracia Patricia, Monacos Fürstin selbst also, habe ihn seinerzeit eingeladen. Wie aufs Stichwort klingelt das Telefon, und Moghadam wechselt ins Französische.

„Monaco“, sagt er entschuldigend, wer dran war, sagt er nicht. Vielleicht sein Bruder, der ein Großer im Teppich-Business ist. Oder sein Büro? „Vermögensberatung“ steht auf Moghadams Karte, Firmensitz ist Monaco. Was hat er mit Kindermöbeln zu tun? „Ein gutes Investment“, sagt er, aber nicht er, sondern seine Frau Leila sei hier Partnerin.

Natürlich kennt Moghadam die Geschichte vom Auftritt Lady Dis. „Seitdem war der Dragons im Inner Circle“. Alle seien sie gekommen, Sarah Ferguson, auch bekannt als Duchess of York, Paul McCartney, Madonna, Gwyneth Paltrow, Boris Becker, zuletzt Elton John mit Partner David Furnish. Und was genau hätten die gern gehabt? Madonna wollte die Flower Fairies, kleine Elfenfiguren der Illustratorin Cicely Mary Barker, mehr mag Moghadam nicht erzählen, Lizzie ist sowieso schon verärgert, weil, Diskretion ist immer noch oberstes Gebot.

Einkaufen im „Dragons“ kann teuer werden. Eine Haarbürste, lässig auf einem Kinderhimmelbett drapiert, kostet umgerechnet 140 Euro, das Bett, ein floraler Traum in Pink, geht bei 8000 Euro los.

Warum muss das so teuer sein? Moghadam guckt, als ob er nicht recht versteht. Weil alles Handarbeit ist, und zwar Made in Britain, jedes Stuhlbein handgedrechselt, handbemalt. Und dann noch die Motive. „Dragons“ vertreibt exklusiv das Design von Beatrix Potter, Kinderbuchillustratorin des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die in England unvergessene Tierfiguren wie Peter Rabbit geschaffen hat, auf Deutsch Peter Hase, oder das Flopsi-Häschen und Jemima Pratschel-Watschel. Wenn er selbst den Laden auf einer Rangliste einordnen müsse, würde er ihn dann unter den Top Ten einordnen? Moghadam hebt eine seiner gepflegten Augenbrauen. „Natürlich sind wir die Nummer eins.“

Die Sache hat nur einen Haken: Kate Middleton ist nicht beobachtet worden, wie sie „Dragons“ verlassen hat, sondern den Laden „Blue Almonds“, gleiche Straße, aber 200 Meter weiter. Höchste Zeit für einen Szenenwechsel.

Während sich „Dragons“ über zwei Etagen erstreckt, ist das hellblaue „Blue Almonds“ winzig, nur drei Meter breit, innen auch noch durch ein Regal geteilt. Im Schaufenster hängt ein Ausriss aus „Baby London“, dem „Local Family Lifestyle Magazine“, das „Blue Almonds“ letztes Jahr zum „Shop of the Season“ gekürt hat. Hinter dem Regal sitzt Asha Muratow, eine schlanke junge Frau mit einem Schwanenhals wie Audrey Hepburn, sie spricht Englisch mit osteuropäischem Akzent.

Asha Muratow mag nichts sagen, denn ihre polnische Chefin ist nicht da. Izabela Minkiewicz hat den Laden vor sechs Jahren gegründet. Ja, die Duchess of Cambridge sei kürzlich hier Kundin gewesen, danach war die Hölle los. Sogar das japanische Fernsehen kam. Was die Duchess gekauft habe, darüber spreche sie nicht.

Einen Baby-Korb für 295 Pfund, behauptete die „Daily Mail“ und brachte Fotos, die die Duchess beim Verlassen des Ladens zeigten, einen einfachen Korb unter dem Arm. So gibt es dieses Modell freilich im Laden schon für die Hälfte.

Auch Blue Almonds wirbt damit, dass seine Möbel handgemacht und -bemalt sind, nur eben nicht in Großbritannien, sondern in ausgesuchten polnischen Handwerksbetrieben. Ein Kinderbett kostet um die 500 Pfund. Ja, man habe sehr viele prominente Kunden, Musiker und Filmstars, das liegt nun einmal an der Gegend, Knightsbridge gehört zu den gehobenen Wohnlagen. Nein, Namen wolle sie keine nennen. Später antwortet Izabela Minkiewicz per E-Mail: „Unsere Kunden bevorzugen zunehmend moderne und einfache Eleganz anstelle allzu traditionell dekorierter Stücke.“

Zurück ins „Dragons of Walton Street“. Tut das nicht weh, wenn Kate Middleton sich nun einen anderen Hoflieferanten für ihr Baby sucht? „Wie kommen Sie denn darauf?“, fragt Moghadam zurück. Royale Politik fange doch schon im Kinderzimmer an, Kate Middleton präsentiere sich nun einmal als Prinzessin des Volkes, ob das Kinderzimmer im Kensington-Palast tatsächlich volksnah sein würde, „wer will das wissen?“ Dabei lächelt er vielsagend.

Wie auch immer, der britische Adel sei längst nicht mehr die einzige Zielgruppe, England nicht mehr dasselbe Land wie vor 30 Jahren. Schon habe man einen russischen Partner für einen „Dragons of Walton Street“ in Moskau. Dubai, Singapur oder Hongkong wären ebenfalls attraktive Standorte.

Wofür aber interessieren sich arabische oder russische Kunden, die hier in den Laden kommen? „Es soll möglichst britisch sein“, sagt Mazy Moghadam. Ein Dekor mit kleiner Bärenfellmütze oder Big Ben vielleicht, so etwas kommt sehr gut an.

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