Zaz muss sich entscheiden : Entscheiden Sie sich, Madame

Die französische Sängerin Zaz hat Schwierigkeiten, sich zu entscheiden. Wir haben Sie vor die Wahl gestellt: Piaf oder Aznavour, Tattoo oder Piercing? Ihre Antworten finden Sie hier.

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Was darf es sein? Zaz ist ein Popstar, der nicht zwischen den Stühlen, sondern lieber auf dem Tisch sitzt.
Was darf es sein? Zaz ist ein Popstar, der nicht zwischen den Stühlen, sondern lieber auf dem Tisch sitzt.Fotos: Timmo Schreiber, Yann Orhan

ZAZ ODER ISABELLE?

Zaz ist eine öffentliche Person, eine Figur. Isabelle ist mein Privatleben, das bin ich. Die Menschen kennen nicht jede Facette von Isabelle, weil das mein kleiner Garten für mich allein ist. Die beiden Namen machen es mir einfacher, zwischen öffentlicher und Privatperson eine Linie zu ziehen. Andere Künstler wollen vielleicht gern alles von sich offenbaren, bei mir ist das nicht so. Es ist Isabelle, die Zaz ernährt, und nicht umgekehrt. Das heißt, wenn Zaz morgen nicht mehr existiert, bleibt Isabelle trotzdem am Leben. Sie ist die wichtigere der beiden.

PIAF ODER AZNAVOUR?

Man kann doch nicht Äpfel mit Birnen vergleichen! Oder mit Pfirsichen! Das sind alles Früchte, und ich will sie alle probieren. Mit Piaf werde ich ständig verglichen, das ist sehr schmeichelhaft. Sie war eine großartige Künstlerin, sie hat die Geschichte des französischen Chanson geprägt. Aber Piaf ist Piaf – und ich bin ich. Vielleicht liegt es daran, dass ich ihr Lied „Dans ma Rue“ auf meiner ersten Platte aufgenommen habe. Ich habe das nur wegen des Liedes gemacht. Es hätte auch von Aznavour sein können. Wenn ich etwas Schönes finde, dann will ich das auch singen dürfen. Ich bereue es nicht, das aufgenommen zu haben. Voilà: Je ne regrette rien!

DAFT PUNK ODER DEBUSSY ?

Daft Punk kenne ich nicht gut genug, Debussy eigentlich auch kaum. Im Zweifel kommen wir wieder zur Birne und dem Apfel. Welche Musik ich höre, hängt von meiner momentanen Stimmung ab. Bis vor kurzem war es spanische Musik, momentan höre ich Jacques Brel, schaue mir Videos von ihm an, wie er sich auf der Bühne verhält. Er ist so theatralisch, so körperlich, das fasziniert mich, wie er seine Musik lebt. Ich liebe außerdem Lauren Hill, Richard Bonard, Michael Jackson. Oder Rachmaninow! Wie soll man sich da entscheiden?

SCHLAGZEUG ODER BASS?

Momentan spiele ich Schlagzeug. Das ist das einzige Instrument, das ich mir auf der Bühne zutraue. Ich spiele leider kein Instrument richtig, ich kann ein paar Akkorde auf der Gitarre, ein bisschen Klavier. Um Lieder zu schreiben reicht es. Am meisten Spaß habe ich an meiner Stimme, ich amüsiere mich mit der Mundtrompete. Man kann so viele Geräusche mit der Stimme erzeugen. Bobby McFerrin benutzt seine Stimme wie ein Instrument, er macht irre Geräusche damit. Rhythmisch ist er ein Genie.

RUHM ODER EHRE?

Es war nie mein Ziel, berühmt zu sein. Wenn ich mit der Musik keinen Erfolg gehabt hätte, würde ich heute trotzdem Musik machen. Das Ziel ist, das zu tun, was man mag. Das muss nicht heißen, im Fernsehen aufzutreten und ein Star zu sein. Man muss aufpassen, dass einen der Erfolg nicht verändert. Mein Zeitplan, mein Lebensrhythmus, der Blick der anderen auf mich, das alles hat sich mit dem Ruhm verändert. Aber ich selbst nicht, mein Grundgerüst steht.


Sie sang auf der Straße in Paris, schrieb ein Lied in den Pyrenäen - was ist ihr lieber?

Zaz heißt eigentlich Isabelle Geffroy.
Zaz heißt eigentlich Isabelle Geffroy.Foto: promo

PARIS ODER PYRENÄEN?

Pyrenäen! Ich bin verliebt in die Berge, ich liebe die Natur. Trotzdem brauche ich beides, um ausgeglichen zu sein, es ist eine ganz andere Energie, das ergänzt sich wunderbar. Letztes Jahr habe ich den Mont Blanc bestiegen. Das hat mich so überwältigt, dass ich dort oben ein Lied geschrieben habe, „La Lessive“, das ist auf dem neuen Album. Es geht um die Schönheit des Augenblicks, die sich nicht in Worte fassen lässt. Was ich auf diesem Trip erlebt habe, was ich gefühlt habe, war unglaublich. Es war die Mischung aus dem physischen Erfolgserlebnis und der Gruppenerfahrung – 20 Leute waren wir. Wenn man so etwas erlebt, ist man hinterher nicht mehr derselbe Mensch.

SPANIEN ODER SIBIRIEN?

Spontan würde ich Spanien sagen, weil ich es lieber mag, wenn es warm ist. Aber gleichzeitig hatte ich eine großartige Zeit in Sibirien, als ich dort vor ein paar Jahren aufgetreten bin. Ich habe Piaf-Klassiker gesungen, das war ein unglaubliches Abenteuer. Damals kannte mich noch niemand. Das war verrückt, die Leute in Wladiwostok haben uns so herzlich empfangen. Zum Glück war ich im Mai dort, da war es nicht ganz so kalt. Die Russen denken immer, dass die Franzosen total romantisch sind, aber ich denke, dass die Russen viel romantischer sind als wir. Dieses Bild, diese Idee, die sie vom Leben in Paris haben, ist ultra-romantisch. Ich sehe das nicht so, das liegt möglicherweise auch daran, dass ich Französin bin und dort lebe. Aber die Russen haben eine Art, die Dinge zu sehen, die sehr sensibel ist.

CARLA BRUNI ODER SÉGOLÈNE ROYALE?

Ach nein, ich spreche nicht gern über Politik. Das Wort hat für mich seinen Sinn verloren. Ich bin Humanistin. Ich arbeite mit der NGO Colibris zusammen, die sich für ein anderes Gesellschaftskonzept einsetzt – in der Bildung, der Wirtschaft, der Landwirtschaft und der Umwelt. Sie glauben an eine ökologische Landwirtschaft ohne Gentechnik, an wohnortnahen Einzelhandel. Der respektvolle Umgang mit der Erde und den Menschen darauf sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Nur leider gibt es eben Menschen, die die Macht für sich allein haben wollen und gern andere kontrollieren. Alle Einnahmen aus dem Merchandising auf meinen Konzerten, an den T-Shirts zum Beispiel, gehen an die Projekte von Colibris. Wofür sie sich einsetzen, ist näher am Gesellschaftsbild, das ich mir wünsche. Wenn man darauf wartet, dass die Gesellschaft sich ändert, wird das niemals passieren. Man muss selbst handeln, wenn man möchte, dass die Dinge sich verändern. Colibris ist keine Utopie. Durch ihre Projekte verändert sich die Gesellschaft schon, weil diese Leute sich dafür einsetzen. Momentan ist das noch eine kleine Minderheit, aber ich sehe, dass sich etwas bewegt.

TATTOO ODER PIERCING?

Beides? Wow, diese Entscheidungsfragen sind wirklich hart. Jedenfalls habe ich beides am Körper, auch wenn man das Tattoo nicht sieht. Mein Piercing im Gesicht hingegen sieht jeder. Als Jugendliche habe ich versucht, mir selbst ein Bauchnabelpiercing zu stechen. Mein Rat: Kinder, versucht das nicht! Ich habe Eiswürfel auf den Nabel gelegt und ihn mit einer Nadel durchstochen. Es hat sich entzündet, das war nicht cool. Ich war etwas verrückt als Jugendliche und musste ständig alles ausprobieren.

ZELT ODER HOTEL?

Ich mag beides. Ich schlafe auch gern in Wohnwagen, ich habe gern die Auswahl. Natürlich kann ich jetzt auf Reisen nicht im Zelt schlafen. Trotzdem glaube ich, dass man Punk und Kommerz heute sehr gut verknüpfen kann. Vom Typ her bin ich ein Punk, aber ich lebe in einer Welt, die eher schick ist, eher kommerziell. Für meinen Teil glaube ich, dass man die Dinge benutzen kann, Teil des Systems sein kann, ohne seine Ideale zu verraten. Ich versuche es zumindest.

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