Zeichner Sascha Dreier erzählt : Wie der erste FC-Bayern-Comic entstand

Sascha Dreier, der für den Tagesspiegel-„Sonntag“ Bilderrätsel zeichnet, hat einen FC-Bayern-Comic gemacht. Wie der Gladbach-Fan dazu kam und warum Philipp Lahm nervt

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Stern des Südens: Anhänger des FC Bayern vor der Allianz Arena in München.
Stern des Südens: Anhänger des FC Bayern vor der Allianz Arena in München.Foto: Picture Alliance

Ich gebe es zu: Am Anfang wusste ich nicht, ob ich das kann – und ob ich es überhaupt will. Ein Buch über den FC Bayern, das kostete mich einiges an Überwindung. Am Ende bin ich fast ein Fan geworden.

Der Verlag kannte meine Graphic Novel „Der Papierene“, die die Geschichte des legendären österreichischen Fußballers Matthias Sindelar vor dem Hintergrund des aufkommenden Nationalsozialismus erzählt. Deshalb haben die mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, einen Comic über den FC Bayern zu zeichnen.

Nun bin ich aber Fan von Borussia Mönchengladbach, und auch wenn ich nie ein Bayern-Hasser war, genervt haben sie mich mit ihrer Dominanz und ihrem Geld schon. Das Konzept des Buches, die Geschichte des Vereins seit seiner Gründung Anfang des 20. Jahrhunderts zu erzählen, hat mich dann überzeugt. Im Skript waren zum Beispiel von Beginn an sechs Seiten über die Zeit des Nationalsozialismus vorgesehen. Bayern galt mal als „Judenclub“, der Präsident Kurt Landauer musste schon 1933 wegen seiner jüdischen Abstammung zurücktreten.

Der Verein hat unter dem Faschismus gelitten

Diese Verbindung von Fußball und Politik interessiert mich sehr. Außerdem gefällt mir die Vorstellung, dass das auch ein paar junge Fans lesen werden, meinetwegen Viert- oder Fünftklässler, und dass die dadurch vielleicht beginnen, sich ein paar Fragen zu stellen: Oh, mein Lieblingsverein hat unter dem Faschismus gelitten – was ist das denn, Faschismus? Am Skript war neben meinem Lektor auch Dietrich Schulze-Marmeling beteiligt, ein Fußballexperte, der schon mehrere Bayern-Bücher geschrieben hat. Sein Buch „Der gezähmte Fußball“ aus den 90er Jahren war eine Offenbarung für mich (so wie Helmut Böttigers „Kein Mann, kein Schuss, kein Tor“). Etwas ganz Neues. So muss man Fußball sehen, dachte ich, eher kulturell und sozialhistorisch! Damals haben Intellektuelle ihre Fußballleidenschaft noch versteckt.

Revolverheld: So sieht Zeichner Sascha Dreier den legendären Bayern-Torjäger Gerd Müller.
Revolverheld: So sieht Zeichner Sascha Dreier den legendären Bayern-Torjäger Gerd Müller.Zeichnung: Sascha Dreier

Nachdem ich mit dem Comic angefangen hatte, spürte ich trotzdem einen Widerstand in mir, es ging nicht voran. Ich habe dann beschlossen, dass ich Bayern-Fan werden muss. Also bin ich mit meinem kleinen Sohn nach München gefahren, wir haben uns das Trainingsgelände in der Säbener Straße angesehen und die Allianz-Arena, wo es ein wirklich tolles Museum gibt. Was soll ich sagen, es hat funktioniert! Ich bin mit einem viel positiveren Gefühl nach Hause gefahren. Je stärker man sich mit der Geschichte der Bayern beschäftigt, desto mehr versteht man auch, dass sie sich den Erfolg erarbeitet haben, ein bisschen Glück kam dazu. Die standen in den 70er Jahren kurz vor der Pleite. Trotzdem bin ich natürlich immer noch Gladbach-Fan.

Stefan Effenberg und Otto Rehhagel: gehen gut von der Hand

Die größte zeichnerische Herausforderung waren die vielen Gesichter und die auch noch in unterschiedlichen Jahrzehnten. Also Uli Hoeneß in jung, mittelalt, alt. Wenn einer sehr markante Züge hat, ist es leichter. Stefan Effenberg oder Otto Rehhagel zum Beispiel gingen mir gut von der Hand. Bei Pep Guardiola und Philipp Lahm hat es dagegen recht lange gedauert, ehe ich was Ordentliches hinbekommen habe. Die haben mich genervt. Wirklich.

Sascha Dreiers „Die Bayern-Story: Ein Geschichts-Comic“ ist im Verlag Die Werkstatt erschienen: 64 Seiten, 16,90 Euro.

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