Welt : Späte Sühne Prostituiertenmörder 35 Jahre nach der Tat verurteilt

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Konstanz 35 Jahre nach dem Mord an einer Prostituierten hat das Landgericht Konstanz den Täter zu einer zwölfjährigen Haftstrafe verurteilt. Die Richter sahen es am Freitag als erwiesen an, dass der Familienvater aus Peine (Niedersachsen) die Prostituierte 1970 in einem Konstanzer Bordell heimtückisch erdrosselt hatte. Die Polizei war dem Mann 2004 durch Fingerabdrücke in einem anderen Fall und eine DNA-Analyse auf die Spur gekommen.

Das Gericht verhängte nicht die bei Mord übliche lebenslange Freiheitsstrafe, weil Alkohol die Steuerungsfähigkeit des Täters vermindert habe. Strafmildernd wirkten sich zudem das Geständnis und das Alter des Angeklagten aus, der zum Tatzeitpunkt 21 Jahre alt war. Die Staatsanwaltschaft hatte 14 Jahre Haft wegen Mordes gefordert. Die Verteidigung hatte auf eine Affekttat plädiert, die anders als Mord verjährt gewesen wäre. Die Anwälte kündigten Revision an.

Der 55 Jahre alte Angeklagte hatte die Tat einem Haftrichter in einem Brief aus der Untersuchungshaft gestanden. Der Vorsitzende Richter Jürgen Bischoff sagte in seiner Urteilsbegründung, offenbar habe es der Mann nicht länger ausgehalten, „mit der Last des Verbrechens so wie bisher weiterzuleben“.

Am Tattag vor 35 Jahren hatte der damalige Wehrpflichtige die Prostituierte auf dem Straßenstrich angesprochen und war mit ihr in eine Absteige gegangen. Dort hatte er sich nach Erektionsproblemen von der 41 Jahre alten Frau verspottet gefühlt und sie mit dem Kabel eines Massagegerätes erdrosselt. Anschließend streute der Täter Plastikblumen und Kondomschachteln auf die Leiche – nach den Worten der Staatsanwältin eine „menschenverachtende Leichenschändung“. dpa

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