Spanien : Richterin lässt Unschuldigen in Haft - Berufsverbot

Weil eine Richterin einen Unschuldigen über ein Jahr in Haft schmoren ließ, ist ihr ein einjähriges Berufsverbot auferlegt worden. Eine Routinekontrolle hatte den Fehler ans Licht gebracht. Der Richterin waren schon ähnliche Missgeschicke passiert.

GranadaAngeblich aus Versehen hatte die Richterin den Mann 15 Monate im Gefängnis sitzen lassen. Nach einem Freispruch hatte sie den Gefangenen in der Untersuchungshaft vergessen. Das einjährige Berufsverbot ist nicht die einzige Strafe für die Richterin, denn sie muss ihm außerdem eine Entschädigung von 100.000 Euro zahlen. So entschied ein Gericht in der andalusischen Stadt Granada.

Die Richterin hatte in der nahe gelegenen Stadt Motril den wegen Handtaschenraubs angeklagten Arbeitslosen aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Sie vergaß jedoch, die Gefängnisverwaltung anzuweisen, den 32-Jährigen aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Die Juristin begründete ihren Irrtum damit, dass sie geglaubt habe, der Mann befinde sich wegen anderer Vergehen ohnehin noch in Haft.

Die Justiz wurde erst bei einer Routinekontrolle auf das Versehen aufmerksam. Der Arbeitslose, der genau 437 Tage unschuldig inhaftiert gewesen war, sagte aus, er sei Analphabet und habe das Gerichtsurteil nicht lesen können. Er sei davon ausgegangen, verurteilt worden zu sein. Die Richterin hatte auch in zwei anderen Fällen Gefangene mit mehr als 30-tägiger Verspätung aus der Haft entlassen. (stb/dpa)

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