Spanien : Stierkampf soll humaner werden

Mit ihrer Forderung, Stiere beim traditionellen Kampf in der Arena nicht mehr zu töten, hat Spaniens Umweltministerin in ein Wespennest gestochen. Von fast allen Seiten hagelt es Proteste.

Madrid - Die spanische Umweltministerin Cristina Narbona will das Töten von Stieren in der Arena verbieten lassen. Die sozialistische Politikerin sprach sich nach Angaben der Zeitung "El Mundo" dafür aus, in Spanien eine Regelung nach dem Beispiel Portugals einzuführen. In dem Nachbarland ist den Stierkämpfern der Todesstoß untersagt, daher wird er von den Toreros nur angedeutet.

Die Ministerin griff mit ihrer Initiative ein heikles Thema auf, an das sich in der jüngeren Vergangenheit keine spanische Regierung herangewagt hatte. Wie heikel die Frage ist, sollte die Sozialistin sehr rasch erfahren. Sogar ihre Parteigenossen und Kabinettskollegen gingen auf Distanz. "Für die Regierung steht dieses Thema nicht auf der Tagungsordnung", erklärte Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba. José Blanco, Vorstandsmitglied der regierenden Sozialisten (PSOE), stellte klar, dass die Partei den Vorschlag nicht unterstütze.

"Der Tod des Tieres gehört dazu"

Von fast allen Seiten hagelte es Proteste. "Hinter der Initiative steckt die Absicht, den Stierkampf schrittweise ganz zu verbieten", empörte sich der Torero Miguel Abellán. Der Präsident des Verbandes der Kampfstierzüchter, Eduardo Miura ergänzte: "Die Corrida ist ein Ritual, und der Tod der Tieres gehört dazu." Der Stierkampf gilt in Spanien als "Fiesta Nacional" und als eine - tief in den Traditionen des Landes verankerte - kulturelle Ausdrucksform.

"El Mundo" erläuterte, weshalb die Fans so aufgebracht auf die Worte der Ministerin reagierten: "Mit einem Verbot des Todesstoßes würde der Stierkampf zu einer Pantomime oder einem Zirkus herabgewürdigt. Da wäre es besser, ihn ganz abzuschaffen." Auch in Portugal dürfen die Kampfstiere nach einer Corrida nicht auf ihre Weiden zurück. Sie werden statt in der Arena im Schlachthaus getötet. Und in Frankreichs Süden gibt es immer wieder Proteste und Aktionen der Tierschützer gegen die Corrida, die mit dem Tod des Stieres endet. Populär ist bei den Franzosen jedoch vor allem eine südfranzösische Variante beim Stierkampf, die darauf verzichtet.

Domäne der Konservativen

Dabei sind keineswegs alle Spanier Anhänger des Stierkampfs. Ein großer Teil der Bevölkerung - vor allem die Jugend - zeigt nicht das geringste Interesse für das Spektakel. Manche Spanier betrachten den Stierkampf als eine Domäne der Konservativen und der Rechten, obwohl es auch unter den Linken prominente Anhänger gegeben hat wie den Maler Pablo Picasso oder den Dichter Federico García Lorca.

Wenn es Widerstand gegen die Corrida gibt, kommt dieser vor allem von Tierschützern aus dem Ausland. In den Gremien der Europäischen Union bekommen die Spanier immer wieder zu hören, dass der Stierkampf eine grausame Tierquälerei sei und abgeschafft gehöre. Dieses Argument können viele Spanier nicht nachvollziehen. Sie weisen darauf hin, dass die Mastrinder in ihren Mini-Ställen viel schlechter dran seien als die Stiere, die jahrelang auf riesigen Weiden grasen dürften.

Die einzige Region, in der es viele Stierkampfgegner gibt, ist Katalonien. Die Metropole Barcelona erklärte sich 2004 zur "Anti- Stierkampf-Stadt". Der damalige Bürgermeister Joan Clos meinte: "Langfristig wird der Stierkampf verschwinden." Heute sitzt der katalanische Sozialist als spanischer Industrieminister neben Narbona im Kabinett. Zum Vorstoß seiner Kollegin äußerte er sich nicht.

(Von Hubert Kahl, dpa)

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