Spanien : Tödliche Abkürzung über die Gleise

Ein Schnellzug in Spanien rast in eine Gruppe Jugendlicher – die Opfer hatten fahrlässig die Gleise überquert.

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Sie wollten zur Fiesta an den Strand. Wollten die ganze Nacht an der Playa durchmachen, um das Sonnenwendfest zu feiern. Doch aus der größten Party des Sommers in der spanischen Küstenstadt Castelldefels wurde die schlimmste Katastrophe, die dieser Urlaubsort am Mittelmeer je erlebt hat.

Ein Schnellzug raste in eine Gruppe von Jugendlichen, die gegen Mitternacht auf dem Weg zum Strandfest waren: Mindestens 13 Menschen wurden getötet, 14 zum Teil so schwer verletzt, dass sie in Lebensgefahr schweben. „Das war der Horror“, berichtete ein Augenzeuge noch unter Schock. „Entlang der Bahnstrecke lagen Leichen, Verletzte und abgetrennte Körperteile.“ Menschen weinten, schrien, riefen um Hilfe. „Alles war voller Blut.“ Den Rettungskräften bot sich ein Bild des Grauens. Die Toten sind so entstellt, dass sie zunächst nicht identifiziert werden konnten. Unter ihnen sollen mehrere Einwanderer aus Lateinamerika sein.

Das Unglück ereignete sich im Bahnhof Castelldefels-Playa, eine Haltestelle, welche ganz in der Nähe des Strandes liegt. Dutzende Menschen steigen aus einem Nahverkehrszug, der Festbesucher aus der nahen katalanischen Metropole Barcelona in die 60 000-Einwohner-Stadt Castelldefels brachte. Ein Teil der Angekommenen benutzt den Fußgängertunnel, um vom Bahnsteig unter den Gleisen hinweg zur Strandparty zu kommen. Anderen, überwiegend jungen Leuten, geht dies nicht schnell genug. Sie springen übermütig auf die Gleise, um den Weg abzukürzen. Ein Sprung ins Verderben: Die Jugendlichen übersehen einen herankommenden Schnellzug, der mit hoher Geschwindigkeit in die Gruppe rast.

„Ich hörte plötzlich ein Geräusch, als ob Steine zermalmt würden“, berichtet schaudernd der Besitzer eines Ladens gegenüber dem Bahnhof. Dann die Notbremsung. Erst nach etwa 200 Metern kam der Zug, der von Alicante nach Barcelona unterwegs war, zum Stehen.

Der Bürgermeister von Castelldefels, Joan Sau, machte „Unvernunft“ für das Unglück verantwortlich. Auch die ersten Ermittlungsergebnisse der Polizei weisen in diese Richtung. Spaniens Verkehrsminister Jose Blanco kündigte eine Untersuchung an. Ein Sprecher der Bahngesellschaft Renfe sagte, der Zug habe bei der Einfahrt in den Bahnhof mit einem Signalton gewarnt, alle Sicherheitsvorkehrungen seien eingehalten worden. Bürgermeister Joan Sau räumte ein, dass eine ebenfalls vorhandene Fußgängerbrücke wegen Bauarbeiten gesperrt war.

Das Sonnenwendfest wird in vielen spanischen Küstenorten in der „Nacht des heiligen Johannes“ ausgiebig gefeiert. Familien und Freunde ziehen am Abend zu den Stränden, um mit Grillpartys, Lagerfeuern und Feuerwerk die Nacht zum Tage zu machen. Besonders heftig wird in Katalonien an der Costa Brava und Costa Dorada gefeiert, aber auch auf Mallorca und den Kanarischen Inseln geht es hoch her. mit dpa

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