Spanien : Trauer um "Stimme Spaniens"

Spanien trauert um seine beliebteste Sängerin: Rocío Jurado, die "große Dame des spanischen Lieds", starb im Alter von 61 Jahren in Madrid an einem Krebsleiden.

Madrid - Die Musikerin hatte auf Grund ihres kräftigen, ausdrucksvollen Gesangs als die "Stimme Spaniens" gegolten. Für viele Spanier war sie schlichtweg "die Größte". Die Sängerin erzielte in fast allen Stilrichtungen Erfolge - vom Flamenco und der Volksmusik bis hin zu klassischen Liedern. Ihre Werke verkauften sich so oft, dass sie mit 30 Goldenen und 5 Platin-Schallplatten ausgezeichnet wurde. Mit ihrem überschäumenden Temperament und ihrer zuweilen überzogenen Theatralik entsprach sie dem Klischee dessen, was vielerorts als "typisch spanisch" gilt. Rocío Jurado spielte auch in zahlreichen Kinofilmen mit, glänzte dort aber mehr durch ihren Gesang als durch schauspielerisches Talent.

König Juan Carlos und Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero sprachen der Familie ihr Beileid aus. Tausende von Spaniern nahmen von der Toten Abschied, die in einem geschlossenen Sarg im Madrider Kulturzentrum aufgebahrt war. Ihre Geburtsstadt Chipiona bei Cádiz im Süden Spaniens ordnete eine dreitägige offizielle Trauer an.

Die Sängerin stammt aus bescheidenen Verhältnissen. Sie musste als Kind bei der Ernte auf den Feldern helfen. Nach dem Tod des Vaters gab der Großvater ihr 8000 Pesetas (48 Euro), damit die damals 15-Jährige in Madrid eine Karriere als Sängerin beginnen konnte. Rocío trat in Flamenco-Schuppen auf und wurde zur spanischen Schönheitskönigin gewählt.

Von der Folklore wandte sie sich stärker traditionellen spanischen Liebesliedern und auch der leichteren Muse zu. Später wagte sie sich zur Klassik vor. Sie wurde auf Weltbühnen wie in der Madrider Oper "Teatro Real" oder im Madison Square Garden gefeiert. An ihr erstes Konzert in New York erinnerte sie sich: "Als 22.000 Besucher aufstanden und klatschten, habe ich mich umgeschaut, um zu sehen, wem sie applaudierten. Aber außer mir stand niemand auf der Bühne."

Die Sängerin beklagte sich häufig, dass sie den Trubel um ihre Person verabscheute. Aber sie trug auch selbst zur Steigerung ihrer Prominenz bei. Seit ihrer Heirat 1976 mit dem Boxchampion Pedro Carrasco gehörte sie zu den Stars der Regenbogenpresse. 1992 wurde die Ehe geschieden. Drei Jahre später heiratete die Sängerin den beliebten Stierkämpfer José Ortega Cano.

Als vor knapp zwei Jahren bei ihr eine Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse diagnostiziert wurde, gab die Musikerin der Klatschpresse freimütig Auskunft. Bei ihrem letzten öffentlichen Auftritt in einer TV-Show im Januar sagte sie: "Das Leben ist das größte Schauspiel der Welt. Leider merken wir das erst, wenn wir kurz davor stehen, es zu verlieren." (Von Hubert Kahl, dpa)

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