Spaniens neuer König : Felipe steht vor einer heiklen Mission

Seit Donnerstag ist Felipe der neue König Spaniens. Er soll die Monarchie bewahren, was ist angesichts der vielen Skandale um die Krone, der sozialen Spannungen im Land und der Unabhängigkeitsbestrebungen einzelner Provinzen keine leichte Aufgabe ist.

Ralph Schulze
Seit Donnerstag ist Felipe (l.) Spaniens neuer König. Er beerbt seinen Vater Juan Carlos (r.), der wegen einiger Skandale früher als geplant abdankte.
Seit Donnerstag ist Felipe (l.) Spaniens neuer König. Er beerbt seinen Vater Juan Carlos (r.), der wegen einiger Skandale früher...Foto: dpa

Eines gab Vater Juan Carlos seinem Sohn, dem spanischen Thronfolger Felipe, mit auf den Weg. „Du musst dir den Thron Tag für Tag aufs Neue verdienen“, sagte er ihm einst. „Wenn das Volk gegen dich ist, kannst du einpacken.“ Juan Carlos bekam zu spüren, was es heißt, die Bürger nicht mehr hinter sich zu wissen: Der 76-Jährige war durch eine Serie von Skandalen in Ungnade gefallen und musste wegen des wachsenden Drucks früher als geplant seine Abdankung verkünden.

Am Dienstag absolvierte er seinen letzten Termin als König, er lud er die Repräsentanten der wichtigsten Institutionen des Staates zu einem Abschiedsessen in den Zarzuela-Palast. Felipe rückt am Donnerstag auf den Thron. Seine größte Herausforderung wird sein, die verlorene Glaubwürdigkeit der Krone zurückzugewinnen. Der 46-Jährige kündigte bereits an, dass er „den Spaniern dienen“ wolle.

Wobei Spaniens königlicher Staatschef keine politischen, sondern nur repräsentative Funktionen hat. Er soll ein offenes Ohr für die Bürger haben, den Dialog fördern, Türen öffnen. Also mehr Vermittler als Politiker sein. „Wir sind eine Art öffentlicher Dienst, der zu jeder Stunde dem Land zur Verfügung stehen muss“, definiert Felipe seinen Job.

Dabei wird seine bürgerliche Frau, die künftige Königin Letizia, eine wichtige Rolle spielen. Vor allem dem Einfluss der früheren TV-Journalistin wird zugeschrieben, dass Felipe mehr über das Leben außerhalb des Palastes weiß, als dies bei Juan Carlos der Fall war. „Wir müssen weniger höfisch und mehr städtisch sein“, soll Letizia im Kreis ihrer Vertrauten gesagt haben. Juan Carlos sprach davon, dass sein Sohn „der am besten vorbereitete König Spaniens sein wird“.

Erst Militär, dann Hochschule: Felipe durchlief eine Eliteausbildung

Felipe hat sein Leben lang nichts anderes gemacht, als sich auf die Thronübernahme vorzubereiten. Er durchlief eine Eliteausbildung: Zuerst beim Militär, dann an internationalen Hochschulen, wo er Recht und Politik studierte. Zuletzt repräsentierte er immer öfter als Vize-Staatschef die Nation, weil der kränkelnde Juan Carlos nicht immer dienstfähig war.

Neben der wankenden Monarchie, die zunehmend das Volk gegen sich hat, muss Felipe auch sein Königreich vor dem Zerfall bewahren: Das nordspanische Katalonien sowie das Baskenland drängen immer heftiger auf Unabhängigkeit. Zudem lassen die Wirtschaftskrise und das harte Spardiktat des konservativen Regierungschefs Mariano Rajoy soziale Spannungen wachsen. Dies entlädt sich in Massendemonstrationen und Straßenschlachten.

Auch für den Tag von Felipes Krönung, die von einem Polizistenheer abgesichert wird, sind Proteste angekündigt. Bei der geplanten Fahrt im offenen Rolls Royce durch Madrids Straßen werden Felipe und Letizia so einen authentischen Eindruck vom Zustand ihres Reiches mitnehmen. Sie erwarten dabei nicht nur Beifall und Jubel, sondern auch Buhrufe und Pfiffe.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben