Spanier kehren nach Masia de Castelló zurück : Weihnachten im Geisterdorf

Masia de Castelló, ein kleines Dorf in Katalonien, wurde vor einem halben Jahrhundert verlassen. Jetzt kehren die Kinder und Enkelkinder für das Weihnachtsfest in das Geisterdorf zurück.

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In Ruinen kochen Frauen über offenem Feuer für das Weihnachtsfest.
In Ruinen kochen Frauen über offenem Feuer für das Weihnachtsfest.Foto: promo

Masia de Castelló - Eine festungsähnliche Ummauerung, dahinter die Berge und ein grüner Pinienwald – das ist der erste Eindruck von Masia de Castelló. Eine gewundene, schmale Straße führt hinauf in dieses abgelegene Nest, zu dessen Füßen am Meer die katalanische Urlaubsregion Costa Dorada, die Goldküste, liegt. Masia de Castelló wurde vor einem halben Jahrhundert von seinen letzten alten Bewohnern verlassen. Bis sich Kinder und Enkel der alten Dörfler an ihre Wurzeln erinnerten. Seit etwa zehn Jahren lassen die Nachkommen samt Familien zur Weihnachtszeit die Geistersiedlung, in der schon wilder Wein und Gras die Mauern überwucherten, wieder aufleben. Zwischen Ruinen und restaurierten Steinhütten inszenieren die Rückkehrer die christliche Weihnachtsgeschichte.

Enten und Hühner watscheln durch die Gassen

Enten und Hühner watscheln schnatternd durch enge Gassen. Aus Schornsteinen ziehen Rauchsäulen in den Himmel. Feuerschein erhellt Fenster- und Türöffnungen. Aus Werkstätten hört man Hammerschläge. Der Duft von frischem Brot, das im Steinofen gebacken wurde, liegt in der Luft. Frauen kochen über Lagerfeuern. Musikanten ziehen umher, singen Weihnachtslieder. „Fum, fum, fum, ein hübsches Knäblein wurde in einem Stall geboren“, trällern sie eine katalanische Weihnachtsmelodie. Nicht weit vor ihnen schaut man durch einen Mauerdurchbruch in einen Stall hinein, in dem Maria vor einer Krippe sitzt. Josef, auf einen krummen Stock gestützt, steht auf der anderen Seite der Wiege. Die biblische Weihnachtsszene aus Bethlehem, nachgespielt im katalanischen Geisterdorf.

Tausende Besucher kommen in diesen Tagen in diesen Ort, um in die Vergangenheit zu reisen. Besonders voll wird es am 5. Januar, dem Vorabend des Dreikönigstages. Dann warten viele Kinder in den Straßen und blicken gespannt auf die Berge, aus denen in der Dunkelheit die Heiligen Drei Könige in das verwunschene Dorf kommen, um Geschenke zu bringen. In Spanien werden die Präsente traditionell nicht am Heiligabend, sondern am Dreikönigstag überreicht.

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