Welt : Spanisches Königshaus: Blaue Augen statt blauem Blut

Ralph Schulze

Armer Prinz Felipe. Spaniens Hofpresse macht es ihm wirklich nicht leicht, die Flamme seines Herzens zur Frau zu nehmen. Die Beziehung des 33-jährigen spanischen Thronfolgers mit dem norwegischen Fotomodell Eva Sannum hat einige versteinerte Monarchisten auf den Plan gerufen, die aus allen Rohren gegen die Heiratspläne des Prinzen feuern. Doch die Hofschranzen haben die Rechnung ohne den König gemacht. Juan Carlos I. distanzierte sich am Donnerstag mit einer Aufsehen erregenden öffentlichen Erklärung von den Felipe-Kritikern. Deren Meinungen repräsentiere nicht die Auffassung des Königshauses.

"Ein schwerer Irrtum" sei die geplante Eheschließung zwischen Felipe und Eva, geiferte ausgerechnet Jose Luis Vilallonga, offizieller Biograph des Königs, in einem Kommentar der konservativen Zeitung "Abc". Die Vermählung sei der Anfang vom Ende der Monarchie. Das spanische Königshaus würde sich mit dieser Heirat auf das "Niveau der Engländer" begeben. Vilallonga behauptete sogar, dass sein Ketzerartikel vom König abgesegnet worden sei. Das Blatt "Abc", das bisher als königstreu galt, gab einem weiteren Prinzenmörder Raum. "Es wäre unfaßbar", schrieb der Historiker Carlos Seco Serrano, "auf dem Thron eine junge Frau zu sehen, deren einzige Qualifikation ihre perfekten Modell-Maße sind." Diese Beleidigungen gegen Felipe und seine Zukünftige konnte der spanische König kaum durchgehen lassen. In einem bösen Brief an "Abc", der den Charakter einer Gegendarstellung hat, weist Juan Carlos I. die Verschwörer in die Schranken: "Das Königshaus respektiert das Recht auf freie Meinungsäußerung", heißt es. Aber die Kommentare in "Abc" seien weder vom Palast autorisiert, noch teilten die "Royals" die darin geäußerten Meinungen. Ein einmaliger Vorgang, denn das Königshaus äußert sich praktisch nie zu öffentlichen Diskussionen. Das Dementi belegt, dass König Juan Carlos und Königin Sofia ziemlich ungehalten sind über Versuche, die geplante Traumhochzeit ihres Sohnes zu sabotieren.

Die spanischen Untertanen halten in dieser schweren Stunde zu ihrem Regenten Juan Carlos und seinem Nachfolger Felipe. Umfragen zufolge sind rund zwei Drittel des Volkes für die Hochzeit zwischen dem hochgewachsenen Thronfolger und der bürgerlichen Blonden aus dem hohen Norden, auch wenn sie nur blauäugig, aber nicht blaublütig ist. Die beiden sind bereits seit mehr als drei Jahren ein Paar. Auch von dem 63-jährigen König weiß man schon länger, dass er keinen Wert auf Etikette legt. Seine Äußerung - "Mein Sohn heiratet wann und wen er will" - steht für diesen populären Stil. Juan Carlos hat immer betont, dass jede Monarchie mit der Zeit gehen muss, wenn sie überleben will - "der König ist Diener des Volkes".

Tatsache ist ebenfalls, dass Felipe und seine Eva ein Herz und eine Seele sind. Immer öfter werden sie im gemeinsamen Liebesurlaub wie etwa jüngst in der Schweiz und in Österreich oder auf den Straßen Madrids beim Flanieren ertappt. Die bildhübsche Eva, die fünf Sprachen spricht, hat übrigens inzwischen ihre Modell-Karriere, während der sie auch schon mal in Unterwäsche posierte, an den Nagel gehängt. Nun übt sie sich in ihre norwegischen Heimat schon mal in königlich-vornehmer Zurückhaltung: Keine Interviews, keine Diskothekenbesuche, diskretes Leben, elegant-konservative Kleidung, Leibwächter. Unklar ist derzeit nur noch eines: Der Hochzeitstermin.

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