Welt : Spaß beiseite – Harry wird erwachsen

Prinz Charles jüngster Sohn wird 18 und bastelt an einem reiferen Image. Heute besucht er Obdachlose

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Von Hendrik Bebber, London

Er heißt eigentlich Prinz Henry Charles Albert David Windsor, aber seit seiner Geburt am 15. September 1984 nennen ihn alle schlicht „Harry". Nun wird der zweite Sohn von Prinz Charles volljährig und möchte auch ein „reiferes“ Image haben. An seinem 18. Geburtstag will er Obdachlosen- und Kinderheime besuchen und damit auch die Erinnerung an das soziale Engagement seiner Mutter Prinzessin Diana ehren, die vor fünf Jahren bei einem tragischen Autounfall in Paris starb.

Harry war elf Jahre alt, als er mit seinem Bruder zum ersten Mal auf die sozialen Ausflüge der Prinzessin mitgeschleppt wurde. Mit Sweat-Shirt und Jeans bekleidet besuchten die Prinzessin und ihre Söhne ein Nachtasyl für obdachlose Jugendliche im Londoner Stadtteil Soho. Die unglücklicheren Altersgenossen der Prinzen fanden ihre Besucher „wirklich nett“ und unterhielten sich mit ihnen angeregt über Pop-Musik. Dabei stellte sich heraus, dass Harry auf „Rave“ und „Hardcore Dance Music“ abfährt. Für Diana war es ein erzieherisches Kontrastprogramm zu dem luxuriösen Skiurlaub mit Prinz Charles. Nach der Scheidung verstärkte sie ihre Bemühungen, dass William und Harry nicht wie der Vater durch spartanische Internate und steifes Hofzeremoniell zu „Gefühlskrüppeln“ würden. Sie fuhr mit ihnen Achterbahn, besuchte Disneyland und futterte Hamburger in einer Imbissbude. Bei den demonstrativ-fröhlichen Urlaubsfotos mit Vater oder Mutter lässt sich nur mutmaßen, wie der bittere Scheidungskampf Williams oder Harrys Kindheit überschattet hat. Fest steht nur, dass im Jahre der elterlichen Trennung Harry unter Lernschwierigkeiten litt und ein Schuljahr wiederholen musste.

Der zwölfjährige Junge, der so tapfer mit den Tränen kämpfte, gehörte zu den rührenden Titelbildern in den Berichten über die Beisetzungsfeierlichkeiten von Prinzessin Diana. Doch die nächsten Fotos zeigen Harry wenig später, wie er an der Seite seines verlegen grinsenden Vaters mit den „Spice Girls“ schäkert. Charles plötzliche Fürsorge war wohl auch die Konsequenz auf die Totenrede von Graf Spencer, der seiner Schwester gelobte, dass die „Blutfamilie“ darüber wachen würde, dass die „Seelen ihrer Kinder frei singen“ können. Dazu konnte er jedoch nicht viel beitragen. Die eigenen Familienprobleme des Grafen und ein hässlicher Scheidungsprozess bewiesen, dass er wohl nicht so recht zum Hüter der Prinzen taugte.

Noch mehr als William wird Harry von den Medien abgeschirmt und er genießt noch seine Anonymität. „Tut mir Leid, Kumpel, ich bin nicht Harry – ich heiße Bob“ erwiderte er bei einem gelegentlichen Ausflug nach Eton einem Jugendlichen, der ihn trotz Sonnenbrille und Baseballkappe erkannt hatte. Die einzigen persönlichen Äußerungen stammen aus dem Fernsehinterview nach dem Tode seiner Urgroßmutter, mit der er sich blendend verstand. Sie kugelte sich über seine Witze und er brachte der 100jährigen Uroma bei, einen „Rapper“ zu imitieren. Sichtlich bewegt bekannte Harry, wie sehr er die „Queenmum“ wegen ihrer Herzlichkeit und ihres Humors geliebt hatte. Die britischen Medien brachen dieses Jahr ihre selbst auferlegte Zurückhaltung wegen des „großen öffentlichen Interesses“ an Harrys Entwicklung. Sorgenvoll kommentierten sie seine Experimente mit Haschisch und Alkohol. Laut Recherchen hat Harry bereits im Alter von elf Jahren Zigaretten geraucht und alkoholische Getränke zu sich genommen. Die Gelegenheit dazu ergab sich auf Kreuzfahrten mit seinen Eltern im Mittelmeer. So auf den Geschmack gekommen, hätte der junge Prinz diese Angewohnheit auch heimlich in Highgrove, dem Landschloss seines Vaters, fortgesetzt. Dort hätte er sich bei „rauschenden Parties“ im Disco-Keller von seinem Schulalltag entspannt.

Der Haschisch-Duft in seinem Zimmer sei schließlich einem Diener aufgefallen, der Prinz Charles alarmierte. Zur Rede gestellt, hätte Harry sofort seine Verfehlung gestanden. Charles las ihm kräftig die Leviten und arrangierte einen Besuch in einer Drogenrehabilitationsklinik, wo Harry von Patienten über die Suchtgefahren aufgeklärt wurde.

Nun scheint der Familienfrieden wieder hergestellt zu sein. Vor ein paar Tagen begleitete Harry seinen Vater als Vertreter des Königshauses zum Gedenkgottesdienst an die Opfer des 11. September in die St. Pauls Kathedrale und sprach danach lange mit den Angehörigen der Briten, die bei dem Anschlag umkamen. Die leidvolle Erfahrung eines jähen und schrecklichen Verlustes machte ihn zu einem mitfühlenden Gesprächspartner. Den Schmerz über seine Mutter könne Harry nach Informationen der Hofberichterstatter weitaus schwerer überwinden als sein um zwei Jahre älterer Bruder Prinz William. So beklagte er am 5. Todestag seiner Mutter, dass „viele sich aus falschen Gründen an sie erinnern". In den gleichen Presseberichten wird behauptet, dass sein besorgter Vater ihn wegen seiner Sensibilität besonders „behütet“ und „wie ein Baby behandelt“. Wie sein Vater ist Harry ein begeisterter Polospieler. Doch vorläufig bereitet er sich noch auf den Abschluss in der Eliteschule Eton vor, wo er angeblich bei seinen Kameraden sehr populär sei. Sie wählten ihn zum Präfekten und zum Kapitän einiger Sportvereinigungen. Harry liebt neben Polo auch Abseilen und Ski und glänzt mehr durch seine sportlichen Fähigkeiten als durch akademischen Eifer. So hat er dieses Jahr einige Vorexamen verpatzt, wofür er angeblich seiner Großmutter und seinem Vater reumütig Besserung versprach.

Bei dem ersten offiziellen Foto, dass Harry nach seiner Geburt mit dem älteren Bruder zeigte, reimte eine Zeitung „The heir and the spare“ (Der Erbe und der Ersatzmann). Doch die königlichen Biographen sind sich einig, dass der Schatten seines ältern Bruders nicht allzu schwer über Harrys Charme und Individualität liegt. Die Brüder verstehen sich prächtig und akzeptieren ihre „Rollenaufteilung“, über die ihre Mutter einmal sagte: „William wird König und du bekommst dafür all die Mädchen." Kürzlich löste das Foto einer jungen Frau, der Harry nach einem Polospiel Ketschup auf den Hamburger träufelt, heiße Spekulationen aus.

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