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SPD-Vorsitzender : Sigmar Gabriel heiratet langjährige Lebensgefährtin

Die Sommerpause füllte Sigmar Gabriel mit vielen politischen Wortmeldungen trotz Babypause. Jetzt steht erneut das Private im Vordergrund: Die Trauung mit seiner Partnerin Anke Stadler.

Privates Glück: Sigmar Gabriel und seine langjährige Partnerin Anke Stadler. Zusammen haben beide eine Tochter.
Privates Glück: Sigmar Gabriel und seine langjährige Partnerin Anke Stadler. Zusammen haben beide eine Tochter.Foto: dpa

Es sollte ganz privat bleiben, doch dann bekam die Öffentlichkeit doch Wind davon. Die Hochzeit von SPD-Chef Sigmar Gabriel (52) und seiner Lebensgefährtin Anke Stadler (35). Diesen Samstag soll die kirchliche Trauung im Kloster Wöltingerode im Harz sein. Offiziell bestätigen wollte das zwar niemand, genauso wenig wie eine standesamtliche Trauung am Freitag in seiner Heimatstadt Goslar. Doch Informationen sickerten trotzdem durch.

Der SPD-Vorsitzende, der sonst auf Publikumswirksamkeit setzt, hat seine Hochzeit zur Privatsache erklärt - auch wenn seine Babypause für Tochter Marie schon zum Politikum geriet. Zu der Hochzeitsfeier in einem Drei-Sterne-Hotel sind neben den Familien nur enge Freunde und Weggefährten eingeladen. Die beiden anderen möglichen Kanzlerkandidaten der SPD, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier, sind nicht darunter. Wahrscheinlich auch nicht sein langjähriger Förderer Gerhard Schröder, zu dem Gabriel in letzter Zeit immer stärker auf Distanz gegangen ist.

Seine neue Frau, eine Zahnärztin, hat er 2008 in der Notaufnahme der Universitätsklinik in Halle in Sachsen-Anhalt kennengelernt. Als den damaligen Bundesumweltminister beim Besuch eines Freundes plötzlich heftige Zahnschmerzen plagten, behandelte ihn Anke Stadler. Der frühere niedersächsische Ministerpräsident hat aus seiner ersten Ehe eine erwachsene Tochter.

Goslar bleibt bis heute so etwas wie die erste Heimat Gabriels, der im September 53 Jahre alt wird. In der niedersächsischen Stadt wolle er irgendwann einmal Oberbürgermeister werden, hat der SPD-Chef wiederholt angekündigt. In Goslar, wo Gabriel ein Haus besitzt, lebt auch seine pflegebedürftige Mutter, zu der er eine besonders intensive Beziehung hat und die er fast jedes Wochenende besucht.

Doch seit dem vergangenen Jahr ist Magdeburg, wo seine Lebensgefährtin eine Praxis eröffnete, Gabriels zweite Heimat. Seine Berliner Unterkunft hat er inzwischen aufgegeben. Auch nach Terminen spätnachts macht er sich noch auf den Weg nach Magdeburg.

Die dortige Altbauwohnung wurde in den letzten Wochen so etwas wie die Kommandozentrale der deutschen Sozialdemokratie. Zwar hatte Gabriel angekündigt, sich von Juli bis September hauptsächlich um sein Töchterchen zu kümmern, das im April zur Welt kam. Doch mit der Babypause schien der Hyperaktive schnell nicht ausgelastet zu sein. Er fing an, Interviews zu allen möglichen Themen wie Euro-Krise oder angeblich kriminelle Banker in der Schweiz zu geben. Nebenbei meldete er sich an manchen Tagen mit Dutzenden von Kurznachrichten auf Twitter zu Wort.

Mitunter musste Gabriel die hohen Wellen, die er durch die Aktivitäten in Bewegung setzte, auch selbst wieder einfangen. Als er vor kurzem einen SPD-Kurswechsel bei der Euro-Rettung angedeutet hatte, musste er wegen der hellen Aufregung selbst nach Berlin eilen, um das als „schlichten Unfug“ zu dementieren.

In der eigenen Partei werden ihm solche Eskapaden bislang kaum verübelt. Nicht wenige, die sich darüber ärgern, schweigen lieber. Gabriel sitzt bei der Basis fest im Sattel. Er gilt als der mächtigste Parteichef, den die SPD seit langem hatte. Mit fast drei Amtsjahren hat er viele seiner Vorgänger aus jüngerer Zeit schon überholt.

Doch trotz des unbestrittenen Elans ihres Vormanns ist die Partei bislang noch nicht recht bei dem Ziel vorangekommen, in einem Jahr wieder den Kanzler stellen zu können. Das gilt auch für die zunehmend lästiger werdende Frage, wer denn 2013 als Spitzenkandidat antreten soll.

Hochzeit hin oder her: Vorübergehend schien es in den letzten Monaten so, als ob Gabriel doch auf die eigene Kandidatur hinarbeitet. Doch trotz aller Sommer-Aktivitäten haben sich seine Sympathiewerte nicht verbessert. Laut einer am Freitag veröffentlichten ARD-Umfrage wünscht sich lediglich zwölf Prozent der Bevölkerung Gabriel als Kanzlerkandidaten. Bei den SPD-Anhängern sind es kaum mehr. „Gabriel ist am wenigsten attraktiv. Er agiert in der SPD wie ein Bulldozer und macht mit seiner Art zu viel kaputt“, sieht etwa Heidelberger Politologe Klaus von Beyme, selbst langjähriges SPD-Mitglied, als Grund dafür. (dpa)

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