Spektakulärer Untergang : Die Bounty war ihr Schicksal

Die US-Küstenwache hat dramatische Bilder vom Untergang der HMS Bounty veröffentlicht. Der Segler war 1960 für den Film "Meuterei auf der Bounty" mit Marlon Brando nachgebaut worden. An Bord befand sich auch eine Nachfahrin von Fletcher Christian, dem Chef der einstigen Meuterer.

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Sinkende Bounty. Die US-Küstenwache hat dieses Foto vom Rettungshubschrauber aus aufgenommen.
Sinkende Bounty. Die US-Küstenwache hat dieses Foto vom Rettungshubschrauber aus aufgenommen.Foto: dpa

Ottawa - Die Küstenwache hat dramatische Bilder vom Untergang des berühmten Dreimastsegelschiffs HMS Bounty veröffentlicht, als sie die Besatzung retten wollte. „Sandy“ riss auch eine Frau in den Tod, die eine besondere Beziehung zur Bounty hat. Claudene Christian war eine Nachfahrin von Fletcher Christian, der die Meuterei vor mehr als 200 Jahren anführte. Die 16 Besatzungsmitglieder hatten das Segelschiff im Sturm etwa 150 Kilometer vor der US-Küste aufgeben müssen. Als sie sich in Rettungsboote begaben, wurden drei von ihnen, der 63-jährige Kapitän Robin Walbridge, die 42-jährige Claudene Christian und ein weiteres Crewmitglied von Wellen weggerissen. Die dritte Person konnte noch an Bord des Beibootes gezogen werden. Die vierzehn Crewmitglieder wurden in einer dramatischen Aktion mit einem Hubschrauber der Küstenwache gerettet. Claudene Christian wurde einige Stunden später zwar aus dem Meer geborgen und in ein Krankenhaus geflogen, wo aber nur ihr Tod festgestellt werden konnte. Das Segelschiff war auf dem Weg von New London in Connecticut nach St. Petersburg in Florida, als ihre Route „Sandys“ Weg kreuzte.

Der Untergang des Segelschiffs löste an Kanadas Ostküste Entsetzen aus, besteht doch eine besondere Beziehung zur Bounty. In Lunenburg bei Halifax in der Provinz Nova Scotia war die Replika des Meutereischiffs 1960 gebaut worden. Gebaut wurde sie für den 1962 gedrehten Hollywood-Klassiker „Meuterei auf der Bounty“ mit Marlon Brando, der den Anführer Fletcher Christian spielte. Im August hatte die Bounty beim Treffen der Großsegelschiffe in Halifax angelegt und war ein Zuschauermagnet.

Wie der in Halifax erscheinende „Chronicle Herald“ jetzt berichtet, war damals auch Claudene Christian mit der Bounty nach Halifax gekommen. Sie ist der Zeitung zufolge die Ur-Ur-Ur-Ur- Ur-Enkelin von Fletcher Christian, der den Aufstand gegen Kapitän William Bligh anführte. Die „Globe and Mail” schreibt etwas weniger präzise von ihr als einer Nachfahrin Fletcher Christians. In Halifax traf sie Handwerker, die vor 50 Jahren die Replika gebaut hatten. Sie hatte kurz zuvor auf der Bounty angeheuert. Sie wurde in die Crew aufgenommen, obwohl sie keine Ausbildung in der Seefahrt hatte, sondern in der Werbebranche tätig war. Auf der Bounty konnten Medienberichten zufolge Freiwillige anheuern, die dann von Seeleuten eingewiesen wurden. Gegenüber dem „Chronicle Herald“ sprach sie damals von ihrem „Stolz auf das Schiff“ und die „Verbindung ihrer Familie zur Bounty“. Den Kapitän habe sie nach ihrer Einstellung gefragt, ob dieser kein Problem damit habe, einen „Christian“ an Bord zu haben. Das englische Wort Christian ist sowohl ein Name, es bedeutet aber auch Christ. „Ich weiß nicht, ob er meinen Witz begriffen hat“, sagte sie. „Ich bin sicher, dass meine Vorfahren stolz auf mich wären“, soll sie jetzt auf ihrer Facebook-Seite geschrieben haben. „Aber diesmal wird es keine Meuterei auf der Bounty geben, wenigstens nicht von mir.“ Gerd Braune

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