Spezialeinsatz : Deutschland half bei Befreiung von Piraten-Geiseln

Ein getöteter und sechs festgenommene Piraten - so lautet die Bilanz der nächtlichen Befreiungsaktion zweier Geiseln bei Somalia. Eine französische Spezialeinheit führte den Einsatz durch. Auch Deutschland hat Unterstützung geleistet.

Französische Spezialeinheit im Einsatz
Französische Spezialeinheit im Einsatz. -Foto: AFP

Paris/BerlinMit einem nächtlichen Spezialeinsatz hat Frankreich zwei Geiseln aus den Händen somalischer Piraten befreit. Bei der Aktion hätten auch Deutschland und Malaysia "Unterstützung" geleistet, sagte der französische Präsident Nicolas Sarkozy am Dienstag in Paris. Einzelheiten wollte er nicht nennen, um künftige Aktionen nicht zu gefährden. Bei dem Einsatz in der Nacht zum Dienstag wurde ein Pirat getötet; sechs weitere wurden vor der Küste der abtrünnigen somalischen Region Puntland festgenommen. Das gefangene französische Ehepaar blieb bei der Befreiung unverletzt.

Die Piraten hatten das 16 Meter lange Segelschiff "Le Carré d'As" am 2. September im Golf von Aden geentert. Die Entführer verlangten für die Freilassung des Ehepaares eine Million Dollar (rund 700.000 Euro). An der Befreiungsaktion nahe dem Dorf Bargal im Norden von Puntland nahmen rund 30 französische Soldaten einer Spezialeinheit teil. Laut Sarkozy wurde keiner von ihnen verletzt. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums wollte sich auf Anfrage nicht zu Art und Umfang der deutschen Unterstützung äußern. Deutschland nimmt im Rahmen des Anti-Terror-Einsatzes "Enduring Freedom" (OEF) mit Marineeinheiten an Patrouillen vor dem Horn von Afrika und der arabischen Halbinsel teil.

Eine Warnung an alle Piraten

Die Befreiungsaktion sei eine "Warnung" an alle, die versuchten, mit Piraterie Geld zu machen, sagte Sarkozy: "Frankreich nimmt nicht hin, dass sich Verbrechen auszahlt." Der französische Staatschef rief die internationale Gemeinschaft auf, mit vereinten Kräften gegen die Piraterie vor Somalia zu kämpfen. Dort gebe es inzwischen eine "regelrechte Verbrechensindustrie", sagte Sarkozy, der die Gründung einer "Meerespolizei" anregte.

Die Regierung der abtrünnigen somalischen Region Puntland begrüßte die Befreiung. In Somalia herrscht seit 1991 Bürgerkrieg; das Land ist in mehrere Gebiete zerfallen, die von unterschiedlichen Gruppen regiert werden.

Den Piraten sollen "ihre Strafe verbüßen"

Die gefangenen Piraten sollten nach Frankreich gebracht werden, sagte Sarkozy weiter. Nur wenn Somalia zusichere, dass es in ihrer Heimat ein Prozess gegen sie gebe und sie "ihre Strafe verbüßen", sei Paris bereit, darauf zu verzichten.

Im April hatte das französische Militär bereits bei der Entführung der Luxussegelyacht "Le Ponant" eingegriffen; nach Übergabe des Lösegelds verfolgten Soldaten die Entführer und nahmen sechs von ihnen fest. Ihnen soll in Frankreich der Prozess gemacht werden. (dw/AFP)

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